Show Less
Restricted access

Mediale Ambivalenzen / Ambivalente Medien

Series:

Edited By Dagmar von Hoff

Die in diesem Band präsentierten Beiträge analysieren die Ambivalenz von Medien im Fokus medialer Transparenz, dem Mythos der Medien und den Digital Humanities. Die Eigenschaft der Medien, gleichzeitig Speicher, Mittler und Inhalt zu sein, zeigt ihre ambivalente Struktur. Medien lassen etwas erscheinen und bleiben dabei selbst unsichtbar. Diese Durchsichtigkeit und mediale Transparenz bestimmen die gegenwärtige Diskussion um eine medialisierte Welt. Den Medien wird entweder eine überwältigende Macht zugeschrieben oder aber es wird eine souveräne Herrschaft der Benutzer proklamiert. Auch im Bereich der neuen Informationstechnologien sind die Medien nicht mehr nur Hilfsmittel, um Wissen zu erzeugen, sondern ihre Nutzung verändert die Wissensgewinnung selbst.
Show Summary Details
Restricted access

Vom ‚Mehrwert‘ der Ambivalenz: Robert Musil und die Medialität des Transparenztraums

Extract



1.  Einleitung

Der Transparenztraum, wie ihn Manfred Schneider1 in seiner aktuellen Studie darlegt, könnte mit den Worten Robert Musils2 vielleicht als der Wunsch nach der Überschreitung des Wirklichen hin zum Sichtbarwerden des Möglichen umschrieben werden. Der Wunsch nach einer solchen Überschreitung des ‚Wirklichen‘ liegt Musils gesamtem schriftstellerischem Werk zugrunde. So entwickelt er in seinem Roman Der Mann ohne Eigenschaften mit dem „Möglichkeitssinn“3 eine erkenntnistheoretische Kategorie, mit deren Hilfe er die gegebene ‚Wirklichkeit‘ auf die dahinterliegende „noch nicht geborene[ ]“ „mögliche Wirklichkeit“4 hin durchsichtig machen möchte. Laut Musil wird mit einer solchen Perspektive „die gewöhnliche Bedeutung […] transparent u. ein ferner Sinn leuchtet hindurch“.5 Deshalb definiert er den ‚Möglichkeitssinn‘ auch „als die Fähigkeit […], alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist“.6 Somit versteht er ihn als eine Dynamik, die „daraufhin orientiert ist, permanent neue, andersartige Wirklichkeitsperspektiven zu erschließen.“7 Die gegebene Welt ← 43 | 44 → wird transparent auf ihre alternativen Möglichkeitswelten hin, denn Musil begreift die Wirklichkeit als einen Ort partiell realisierter Möglichkeiten: „Es ist die Wirklichkeit, welche die Möglichkeiten weckt, und nichts wäre so verkehrt, wie das zu leugnen.“8 Der ‚Möglichkeitssinn‘ ist damit zugleich ein „bewußte[r] Utopismus, der die Wirklichkeit nicht scheut, wohl aber als Aufgabe und Erfindung behandelt“.9 Bereits hier deutet sich die tiefgreifende ethische Dimension des Möglichkeitssinns an. Musil ist überzeugt,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.