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Mediale Ambivalenzen / Ambivalente Medien

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Dagmar von Hoff

Die in diesem Band präsentierten Beiträge analysieren die Ambivalenz von Medien im Fokus medialer Transparenz, dem Mythos der Medien und den Digital Humanities. Die Eigenschaft der Medien, gleichzeitig Speicher, Mittler und Inhalt zu sein, zeigt ihre ambivalente Struktur. Medien lassen etwas erscheinen und bleiben dabei selbst unsichtbar. Diese Durchsichtigkeit und mediale Transparenz bestimmen die gegenwärtige Diskussion um eine medialisierte Welt. Den Medien wird entweder eine überwältigende Macht zugeschrieben oder aber es wird eine souveräne Herrschaft der Benutzer proklamiert. Auch im Bereich der neuen Informationstechnologien sind die Medien nicht mehr nur Hilfsmittel, um Wissen zu erzeugen, sondern ihre Nutzung verändert die Wissensgewinnung selbst.
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Die Transparenz des Bösen. Zwischen Verdunkelung und Durchleuchtung: Zum Sichtbarkeitsregime in Franz Kafkas „Der Prozess“

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Björn Hayer

Die Transparenz des Bösen Zwischen Verdunkelung und Durchleuchtung: Zum Sichtbarkeitsregime in Franz Kafkas „Der Prozess“

Franz Kafkas Romanfragment „Der Prozess“ wird zumeist unter den Vorzeichen von Verfinsterung und Verrätselung gelesen. Das Dachbodengericht gilt – ähnlich der Behörde in seinem Roman „Das Schloss“ – als undurchdringbarer und abstrakter Machtorganismus. Vor dem Hintergrund der jüngeren wie differenzierten Veröffentlichungen zur einstigen Salonvokabel „Transparenz“ empfiehlt sich jedoch eine ergänzende Neulektüre. Sichtbarmachung als diskursiver Terminus verspricht nicht per se ein rein demokratisches Prinzip zu sein, sondern birgt ein signifikantes Machtdispositiv in sich. Wie ich im Folgenden veranschaulichen möchte, weist Kafkas Text und im Besonderen auch das darin angelegte Tribunal jenseits seiner unheimlichen Schattenräumen und Grauzonen auch Aspekte einer auf Internalisierung und gleichzeitiger Veräußerung gründenden und mit Hierarchisierungen verknüpften Durchleuchtung auf, wie sie zuletzt vornehmlich der Philosoph Byung-Chul Han in seinen Essaybänden „Die Transparenzgesellschaft“ (2012) und „Psychopolitik. Neoliberalismus und die neuen Machttechniken“ (2014) exemplifiziert. Statt vermeintlicher Liberalisierung läuft die gänzliche Durchsichtigkeit des Seins allen voran auf eine disziplinierende Wirkungsabsicht hinaus, deren Anpassungsdruck einen totalitaristischen Rahmen liefert.

Ausgehend von der heutigen, multimedialen Prägung unserer Gegenwart entwickelt Han in seinen letzten Werken das Soziogramm einer Epoche der pornoiden Ausstellung und informationellen Gleichschaltung. Es basiert auf einer Gesellschaft, die eine Verachtung gegenüber Intimität und Geheimnis hegt. Bevor ich mich auf Kafkas albtraumartige Szenerie einlasse und sie im Grunde genommen aus der Perspektive einer...

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