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Mediale Ambivalenzen / Ambivalente Medien

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Dagmar von Hoff

Die in diesem Band präsentierten Beiträge analysieren die Ambivalenz von Medien im Fokus medialer Transparenz, dem Mythos der Medien und den Digital Humanities. Die Eigenschaft der Medien, gleichzeitig Speicher, Mittler und Inhalt zu sein, zeigt ihre ambivalente Struktur. Medien lassen etwas erscheinen und bleiben dabei selbst unsichtbar. Diese Durchsichtigkeit und mediale Transparenz bestimmen die gegenwärtige Diskussion um eine medialisierte Welt. Den Medien wird entweder eine überwältigende Macht zugeschrieben oder aber es wird eine souveräne Herrschaft der Benutzer proklamiert. Auch im Bereich der neuen Informationstechnologien sind die Medien nicht mehr nur Hilfsmittel, um Wissen zu erzeugen, sondern ihre Nutzung verändert die Wissensgewinnung selbst.
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Das Radiomädchen – Immaterialität und Materialität der Medien in Juli Zehs Adler und Engel

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Bereiche wie Wirtschaft, Technik und Politik sind laut Manfred Schneider dabei „sich rhetorisch in lichte Sphären, ja geradezu in immaterielle Scheinwelten zu verwandeln“1 und auch andernorts wird seit einigen Jahren die These „vom Verschwinden der Dinge in der digitalen Sphäre“2 postuliert. Die Protagonistin Clara in Juli Zehs Roman Adler und Engel (2001)3 sieht demgegenüber aber mit einem um den Hals hängenden Kopfhörer „etwas vollständiger aus, beinahe glücklich“4 und dem Erzähler Max wird bewusst, „dass sie solchen Kram braucht, mattsilbernes Metall, Knöpfe und Regler und genug schwarze Kabel, glatt oder in Spiralen, um sich darin einzuwickeln.“5 Wie hängen diese beiden Phänomene – auf der einen Seite die im Alltag zu beobachtende Tendenz der Dematerialisierung von medialen Apparaten, auf der anderen Seite aber eine Betonung gerade der materiellen Seite medialer (aber auch anderer kultureller) Artefakte6 – zusammen? ← 101 | 102 →

Juli Zehs Debütroman wurde vor allem als Völkerrechtsroman und kulturkritische Abrechnung mit der heutigen Welt, „mit ihrem Kapitalismus, der alles zur Ware macht, ihren schillernden Medien, die dabei mithelfen und mit all den Gewinnertypen, die an den großen Rädern drehen“7 rezipiert. Die Figurenkonstellation legt diese Lesart nahe, steht doch mit Max ein Protagonist im Mittelpunkt, der bereits 33jährig als Jurist und Osteuropaspezialist auf eine steile Karriere bei einer Wiener Anwaltskanzlei zurückblicken kann. Kontrastiert wird diese Figur mit dem ‚Radiomädchen‘ Clara – einer Radiomoderatorin, die Soziologie und Psychologie studiert...

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