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Benjamin Brittens Liederzyklen

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Antje Reineke

Das vorliegende Buch bietet die erste umfassende Studie zu Benjamin Brittens 15 Liederzyklen. Entstanden zwischen 1936 und 1975, nehmen sie neben den Opern eine wichtige Stellung in seinem Schaffen ein und haben sich heutzutage fest im Repertoire etabliert. Das Hauptinteresse der Autorin gilt der Analyse der musikalischen Strukturen und Textfolgen, der Darstellung der vielfältigen formalen Konzeptionen und der Vielschichtigkeit der behandelten Themen. Im Vordergrund steht die Frage übergreifender, zyklischer Zusammenhänge. Das Buch beleuchtet damit auch die grundsätzliche Problematik von Wesen und Charakter eines Liederzyklus. Dazu widmet sich die Autorin den Entstehungsgeschichten, von der Auswahl der Texte bis zum fertigen Werk, und der Rolle nicht in die Zyklen aufgenommener Lieder.
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2. Der Liederzyklus als Terminus technicus

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2.  Der Liederzyklus als Terminus technicus

Der Begriff Liederzyklus bezeichnet ein höchst heterogenes, formal wie inhaltlich vielgestaltiges Repertoire, das ihn einer klar umgrenzenden Definition entzieht. “Implicit in the designation as song cycle is an aesthetic claim: we expect that the lieder in question […] will exhibit elements of musicopoetic cohesiveness extending beyond the individual lied to encompass the entire set.”67 Zwar lassen sich eine Reihe von Faktoren anführen, die zur zyklischen Einheit beitragen können – so die Tonartenfolge, motivisch-thematische Bezüge, unmittelbar aneinander anschließende Lieder oder auskomponierte Übergänge, dazu harmonische Unabgeschlossenheit einzelner Kompositionen, charakterisierende Gesten sowie die Textzusammenstellung –, aber weder der Grad oder die Art und Weise der textlichen wie musikalischen Verknüpfung noch der Charakter der Textvorlage (vom Dichter oder vom Komponisten zusammengestellt, Texte nur von einem oder von mehreren Autoren), noch die Besetzung (die Zahl der Sänger, Begleitung durch ein oder mehrere Instrumente oder durch Orchester) ergibt ein verbindliches Kriterium, das allen Zyklen eigen wäre.68 Insbesondere ist der Lieder- im Gegensatz zum Instrumentalzyklus nicht im Sinne konkreter Formmodelle zu fassen.

Im musikwissenschaftlichen Schrifttum findet der Begriff „Zyklus“ durchaus keine eindeutige und einheitliche Anwendung. Das Wort ist zur Kennzeichnung von formalen und geistigen Beziehungen, die sich von deutlich wahrnehmbaren Übereinstimmungen in den Gegebenheiten des Materials bis zu rational kaum noch nachweisbaren, nur gefühlsmäßig zu erfassenden Zusammenhängen abstufen können, in die Terminologie eingegangen. Die Frage nach den Korrelationen im Zyklus wird musikalisch durch die klare und...

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