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Skandinavische bildende Kunst von 1950 bis zur Gegenwart

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Edited By Brigitte Hartel and Bernfried Lichtnau

In diesem Buch präsentieren elf Autoren die Geschehnisse auf dem Gebiet der bildenden Kunst in den letzten siebzig Jahren in den skandinavischen Ländern Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland und Island mittels Überblicksdarstellungen und unter verschiedenen Aspekten. Dabei zeigen sich viele Gemeinsamkeiten, aber auch immer wieder Abweichungen der Länder untereinander. Ebenso werden die unumstrittene Verbundenheit und der Austausch mit der Kunst einiger Länder Kontinentaleuropas und den USA erläutert.
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Symcho Moszkowicz – ein Künstler ohne Land: Karin Algrim

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Symcho Moszkowicz’ Porträts rufen unmittelbar die Assoziation zu Nelly Sachs’ Flüchtlingen aus Rauch, zu ihrer Darstellung existentiellen Ausgeliefertseins hervor. Beide machen sie das ”irdische Leiden durchsichtig”. Sie schildern die tiefe Tragödie der Menschlichkeit und reden mit brutaler Nacktheit, indem sie in Berichten aus der Seelenlandschaft eine unsichtbare Welt offenbaren. In ihrem Schaffen versuchen sie sich von den Bürden ihrer Seelen zu befreien. Bei Nelly Sachs gibt es die Schornsteine der Konzentrationslager, bei Moszkowicz die Schornsteinobelisken aus Ziegel einer Fabrikenlandschaft. Bei beiden findet man die Mauer, die Flucht zu unaufhaltsamen Zielen, menschliche Ruinen, das Geheimnis des Schmerzes und eine Wirklichkeit außerhalb des menschlichen Auffassungsvermögens. Aber da, wo Nelly Sachs’ Poesie wie zerbrechliche Schreine wirkt, sind Moszkowicz’ Bilder ausdrucksvoll, indem sie schweigen. Versiegelt sind die Lippen, Münder und Augen seiner Porträts. Manchmal spiegelt ein einziges Auge einen bodenlosen Schmerz.

Der Name Symcho Moszkowicz wurde mir zum ersten Mal in einem Interview in Uppsala mit dem Künstler Ingolf Kaiser bekannt. Er erzählte von seiner schicksalhaften Begegnung als 19jähriger mit Symcho Moszkowicz und nannte ihn seinen ”geistigen Vater”. Symcho Moszkowicz ist derjenige, der die größte Bedeutung für meine persönliche Entwicklung als Mensch und als Künstler gehabt hat – ja, er trug zu meiner moralischen Einstellung und zu den Dingen überhaupt bei. Und er ist mehrmals mein ”Retter” geworden. Es ist ihm gelungen, mir mein echtes Ich zu zeigen, und er hat mich dazu ermuntert, daran festzuhalten, was mit...

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