Show Less
Restricted access

Natur bei Rainer Maria Rilke

Wald, Park, Garten und ihre literarische Darstellung

Alfred Hagemann

Du siehst ich stecke mitten im Wald – Rilkes Zitat von 1909 ist nur eines von zahlreichen Belegen in seinen Briefen, die Alfred Hagemann untersucht. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Sujets Wald, Park und Garten in allen Textgattungen, Werkstufen sowie sämtlichen biographischen Phasen Rilkes. Intertextuelle und intermediale Aspekte ergänzen die Interpretation. Die europäischen Orte, die Rilke literarisch gestaltet, erweisen dabei ihre besondere Qualität als poetische Orte. Bisher unberücksichtigt in der Forschung war der Aspekt Wald. Insgesamt entsteht ein Themenpanorama, das von Natürlichkeit bis Künstlichkeit reicht. Aspekte des Themas Natur bei Rilke werden auf diese Weise erkennbar, aber auch die jeweiligen Querverbindungen zur Kunst und zum Zeitkontext.
Show Summary Details
Restricted access

3 Der Garten in Rilkes Briefen und Lyrik

Extract



Rilkes briefliche Äußerungen über Gärten und seine Gartenlyrik werden im folgenden Kapitel separat bzw. nacheinander behandelt, weil das zu untersuchende Material die Abgrenzungen zwischen den Textgattungen klar vorgibt. Die biographischen Stationen und zugehörigen Gartenwahrnehmungen sollen zunächst in einem Überblick skizziert werden. Weil im Briefwerk einige Gärten besonders intensiv beschrieben werden, sollen vier dieser Gärten (aus vier europäischen Ländern) anschließend in Einzeldarstellungen behandelt werden. Gartenmotive in Rilkes Lyrik werden abschließend in Auswahl, aber in Bezug auf alle Werkstufen untersucht.

3.1 Rilkes Gartenerfahrungen: Überblick

Zu den frühesten, um 1882 anzusetzenden Gartenerfahrungen, die in Rilkes Briefen zu finden sind, gehören Berichte über den Anstaltsgarten der Piaristen-Schule im Zentrum Prags, in dem er als Kind allein gespielt habe.858 Der Garten wird dort mit dem Thema der unfreiwilligen Einsamkeit verbunden und gehört zu den Erzählungen seiner schwierigen und an Anregungen armen Kindheit. Rilke beschreibt sich als Stadtkind, das von seinen Eltern zu bürgerlichen Ritualen, zum Promenieren in den Prachtstraßen Prags genötigt wird. Dies kann als früher Beleg für sein Naturverhältnis gewertet werden. Im Rückblick wünscht er sich, jemand hätte ihm „Thiere“ und „Blumen“ gezeigt.859 Gartenidylle auf Zeit kann Rilke aber auch innerhalb des Prager Stadtbereichs erleben, etwa bei der Verwandtschaft in Prag-Weinberge. Aus Rilkes Studentenzeit findet sich eine selbstironische Briefpassage von 1896 über sein anachronistisches Träumen in einer Laube:

„Meistentheils aber sitze ich...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.