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Die Pflicht zum Risikomanagement im Aktienrecht

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Kjell Jacobsen

Der Erfolg unternehmerischer Entscheidungen ist ungewiss. Riskante Projekte versprechen häufig größeren Gewinn, bergen aber auch die Gefahr eines Fehlschlags bis hin zur Existenzgefährdung. Fehlerhafter Umgang mit den Unternehmensrisiken kann zur Haftung der Unternehmensverwaltung führen. Die Arbeit geht der Frage nach, ob der Vorstand einer Aktiengesellschaft eine bestimmte Risikoschwelle nicht überschreiten darf. Es wird ausführlich analysiert, ob die Anforderungen des Kreditwesengesetzes auf das Risikomanagement aller Aktiengesellschaften übertragbar sind. Der Autor legt seiner Arbeit einen interdisziplinären Ansatz zugrunde, der nicht nur für Juristen und Ökonomen, sondern auch für Organe von Kapitalgesellschaften von Interesse ist. Er zeigt, dass Vorstellungen aus der Bankenregulierung ungeeignet für eine Übernahme in das Aktienrecht sind, da sie riskante, aber sinnvolle Investitionen verhindern.
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Teil 2: Grundlagen des betrieblichen Risikomanagements

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Die gesetzlichen Pflichten zum Risikomanagement können nur richtig eingeordnet werden, wenn man sich der betriebswirtschaftlichen Bedeutung des Risikomanagements bewusst wird. Neben der Klärung grundlegender Begriffe und der Darstellung von Investitionskriterien, wird im Folgenden vor allem der Prozess des Risikomanagements beschrieben.

A. Risiko als Volatilität

Was bedeutet Risiko? Die Herkunft des Begriffs ist jedenfalls unklar. Wahrscheinlich leitet er sich von dem altgriechischen Wort „rhiza“ ab, was mit Wurzel oder Klippe übersetzt werden kann. Das italienische Verb „risicare“ bedeutet „abwägen“ oder „Gefahr laufen“.25 Die Assoziationen, die mit dem Begriff verbunden sind, sind zumeist negativ und umfassen Verluste, Schäden, Gefahren oder unkalkulierbare Wagnisse. Würde man die Bevölkerung zur Semantik des Begriffs befragen, so hätte das wohl zum Ergebnis, dass die meisten Befragten mit spontaner Ablehnung reagieren würden.26

Erste wissenschaftliche Ansätze zur Bestimmung des Begriffs finden sich bei dem Ökonomen Frank H. Knight, der in seiner bekannten Abhandlung „Risk, Uncertainty and Profit“ aus den 1920er Jahren, zwischen Unsicherheit, Ungewissheit und Risiko unterschieden hat.27 Während Unsicherheit den Oberbegriff darstellt, bezeichnet Risiko Zustände, bei denen bestimmte Wahrscheinlichkeiten für den Eintritt eines Ereignisses angegeben werden können. Das ist möglich, wenn sie sich logisch anhand von Gesetzmäßigkeiten berechnen oder empirisch auf historische Daten zurückführen lassen. Knight grenzt hiervon Ungewissheiten ab, also Zustände, die wegen eines unvollkommenen Erfahrungswissens nicht kalkulierbar sind.28 Im Gegensatz zu Knight war John M. Keynes davon überzeugt,...

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