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Ethik der Dissidenz

Kritische Theorie und öffentliche Kritik

Stefan Marx

Die öffentliche Kritik verlangt die immanente Kritik der Theorien der Öffentlichkeit. Indem sie nachvollzieht, wie politische Herrschaft in die öffentlichen Diskurse einwandert, ist sie kritische Theorie der Öffentlichkeit. Indem sie eine Kritik am deliberativen Demokratiekonzept entwickelt, ist sie eine Ethik der Dissidenz. Die These ist, dass die agonale Beschaffenheit des Politischen Anforderungen an die Politik stellt, die sich nicht durch permanenten Diskurs bearbeiten lassen, sondern nur durch ein Bewusstsein für die Zerbrechlichkeit politischer Praxis. Dissidenz muss dem, was sich beständig diskursiv als Selbstverständlichkeit etabliert, immer auf neuem Stand opponieren. Sei es die Öffentlichkeit im Nationalsozialismus oder die diskursive Verflüssigung von Souveränität im World Wide Web.
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Politik und Kulturindustrie im 21. Jahrhundert

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Die Behauptung, in der modernen Kultur- und Unterhaltungsproduktion58 sei das Individuum illusionär (HGS5: 181), lässt sich am gesellschaftlichen Status der politischen Teilhabeform der Subjekte innerhalb der Öffentlichkeit nachvollziehbar machen. Hannah Arendt beschreibt anschaulich, wie sich mit dem Erscheinen der modernen Öffentlichkeit die Freiheit des Handelns zunehmend auf die Freiheit des Meinens verlagert. Der öffentliche Raum wird insofern zum Raum der Freiheit, als in ihm das Politische seine Entfaltung in dem Ausdruck von Freiheit und Spontaneität findet, den die Aussagekraft von Meinungen eröffnet. An der bewussten Übertretung des Bedeutungshorizonts der Generalsemantik der Öffentlichkeit an dem sich die Politik bewähren muss, erweist sich die öffentliche Freiheit. Dies ist aber nicht mit politischem Handeln gleichzusetzen. Wo die Politik vom „Zusammen- und Miteinander-Sein der Verschiedenen“ (Arendt 2007: 9) handelt, gewinnt sie ihren Sinn konstitutiv aus dieser Freiheit, die gleichzeitig verhindert „dass sie gleichsam über- und ineinanderfallen“ (Arendt 2007a: 66). Damit einher geht allerdings das „Absterben des öffentlichen politischen Bereichs in der Neuzeit“ (Arendt 2007a: 69), also die Umwertung der Rolle politischer Handlungsmöglichkeiten im Rahmen extensiver politischer Diskursivierung.

Die sich dabei entwickelnde „Flüchtigkeit öffentlicher Anerkennung“ (Arendt 2007a: 71) macht Politik zum Bereich gemeinschaftlichen Handelns, weil nur hier die Vielen handeln können, ohne ihre eigene Pluralität schon im Vorhinein durch ein vereinigendes Ziel zu beschränken. Dieser neu entstandene Handlungsraum stellt sich als Geometrie der politischen Formen dar, welche sich in ihrem Vollzug verfestigen und normgebend in die Politik einfließen, sowie vermittels...

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