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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Zum deutschsprachigen Galiziendiskurs nach der Wende von 1989/1991

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Die germanistische und polonistische Literaturwissenschaft und auch die Komparatistik hat Galizien als gemeinsame Literaturlandschaft1 schon in den 1970er Jahren entdeckt und in einer Reihe von einschlägigen Konferenzen behandelt.2 Dazu kam eine kleine Zahl von wichtigen literaturwissenschaftlichen Monographien, die wesentlich dazu beigetragen haben, dass Galizien überhaupt in das Bewusstsein einer breiteren, nicht nur historisch interessierten Öffentlichkeit gelangte.3 Der Kontext der damals geführten Mitteleuropa-Diskussion scheint dafür nicht unwesentlich zu sein. Mit der politischen Wende von 1989 kam diese Diskussion zum Verstummen, nicht aber die Rückbesinnung auf Galizien, die in der deutschsprachigen Publizistik eigentlich erst nach dieser Wende einsetzt. Nach der Blüte der polnischen Galizienliteratur in den Jahren 1960–1980 – die Kritik sprach von einer „literarischen Karriere Galiziens“4 – hat sich die deutschsprachige Belletristik und Publizistik im wesentlichen erst in den 1990er Jahren dem Thema Galizien zugewandt, parallel übrigens zur jungen westukrainischen Literatur, um eine neue Spielart der Rekonstruktion der galizischen Vergangenheit zu unternehmen, was auch zur Herausbildung eines spezifischen Genres zwischen Publizistik und Belletristik, zwischen Sachbuch, Erlebnisbericht und bewusster Fiktion führte. Diese neue Gattung lässt sich nicht nur in einzelnen ← 11 | 12 → Buchpublikationen, sondern in einer ganzen Reihe von Feuilletons führender deutscher, Schweizer und österreichischer Wochenzeitungen verfolgen. Das erlaubt es auch von einem Diskurs zu sprechen, von einem bestimmten Modell des Argumentierens und Fabulierens, von einem Ensemble narrativer Strategien und rhetorischer Verfahren, die auch einer bestimmten Erwartung auf Seiten des Lesers entsprechen.

Ein erstes markantes Beispiel für diesen Diskurs...

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