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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Begegnung mit dem Fremden – die literarische Integration der Huzulen nach Mitteleuropa

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Als mit der Ersten Teilung Polens 1772 auch große Teile der Westukraine unter dem Titel eines Königreichs „Galizien und Lodomerien“ an Österreich kamen, rückte auch die ukrainische Kultur ins Blickfeld der europäischen Öffentlichkeit. Sie wurde dabei wesentlich über besonders exotische Vertreter wahrgenommen, die Huzulen, die von allen Völkerschaften, welche in Galizien lebten, neben den Juden am meisten Aufmerksamkeit erregten. Die Huzulen standen in gewisser Weise stellvertretend für alle Ukrainer in Galizien; aufgrund ihrer besonderen Lebensweise zogen sie die Aufmerksamkeit der gelehrten europäischen Reisenden mehr auf sich als etwa die ruthenischen Bauern, die oft gar nicht von der polnischen bäuerlichen Bevölkerung unterschieden wurden.

Die erste Beschreibung der Huzulen dürfte wohl auf den österreichischen Gelehrten französischer Abstammung Balthasar Hacquet (1739–1815) zurückgehen, der als Geograph, Geologe und Mediziner tätig war und 1787 an die kurz zuvor neu begründete Lemberger Universität berufen worden war.1 Im dritten Band seiner Neuesten physikalisch-politischen Reisen in den Jahren 1788 … durch die Dacischen und Sarmatischen oder Nördlichen Karpathen (1794) kommt Hacquet, der primär an der Geologie und den Bodenschätzen der Karpaten interessiert ist, daneben aber auch deren Bewohner beschreibt, auf die Huzulen zu sprechen, die er als „Gebirg-Russen“ oder als die „wahren Pokutier“ bezeichnet. In der für ihn typischen Weise setzt seine Beschreibung bei deren Kleidung an, bei der ihn besonders der üppige Halsschmuck der Männer befremdet und zu einem typischen Vergleich verleitet: „Der...

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