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Westland

Polen und die Ukraine in der russischen Literatur von Puškin bis Babel’

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Mirja Lecke

Die Autorin nimmt Impulse der Postcolonial Studies auf und bezieht sie auf das Russische Imperium. Sie untersucht, wie sich in russischen literarischen Texten die Herrschaft über das «Westland», also die Gebiete im heutigen Litauen, Polen, Weißrussland und der Ukraine, niederschlägt. Diese multi-ethnische Region wird im 19. Jh. durch unterschiedliche historische Narrative und literarisch-ästhetische Konventionen modelliert – etwa in historischen Dramen über Polen oder humoristischen Prosa-Erzählungen über die Ukraine. Mirja Lecke zeichnet ein Bild der russischen Literatur abseits der nationalen Romantradition. Sie analysiert imperiale Dichtungen, aber auch das Werk populärer Erzähler wie Nikolaj Leskov, Aleksandr Kuprin und Vladimir Korolenko, deren Erbe noch der Avantgarde-Autor Isaak Babel’ aufgreift.
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Kapitel 4: Polnische Hegemonie – Russischer Widerstand im Zeichen der Nation: Die Zeit der Wirren in historischen Romanen und Dramen um 1830 und 1860

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In der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts gibt es ein recht umfangreiches und be­deu­tendes Textkorpus, in dem die westlichen Reichsgebiete, insbesondere Polen, eine he­raus­ra­gen­de Rolle spielen: historische Dramen und Romane über die Zeit der Wirren (auch „Smu­ta“, etwa 1605–1613). Aufgrund der großen literarhistorischen Bedeutung einzelner der Texte und der Dominanz des Smuta-Themas im Schreiben über Polen insgesamt, werden sie hier in einem eigenen Kapitel ausführlicher behandelt.

Dazu werde ich zunächst kurz auf die Bedeutung von Geschichtsbildern im 19. Jahrhundert in Russland insgesamt eingehen und dann allgemeine Charakteristika literarischen Schreibens über Geschichte erörtern. Anschließend werde ich erläutern, warum das Smuta-Thema für das russische Geschichtsdenken und für die Literatur bedeutend wurde, bevor dann einige wich­ti­ge Smuta-Dramen und -Romane einzeln besprochen werden. Ich beschränke mich in meinen Analysen auf Michail Zagoskins Jurij Miloslavskij, Faddej Bulgarins Dmitrij Samozvanec (Der falsche Demetrius), Aleksej Chomjakovs gleichnamiges Drama, Nestor Kukol’niks Ruka vsevyšnego otečestvo spasla (Die Hand des Allmächtigen rettete das Vaterland), die alle um 1830 ent­stan­den, und füge zum Vergleich eine Analyse der historischen Dramentrilogie Aleksandr Ostrovskijs bei, die in den 1860er Jahren entstand und aus den Stücken Koz’ma Zachar’ič Minin, Suchoruk, Dmitrij Samozvanec i Vasilij Šujskij (Der falsche Demetrius und Vasilij Šujskij) sowie Tušino besteht. Viele dieser Texte stehen in einer mehr oder weniger engen intertextuellen Beziehung zu Puškins Drama Boris Godunov, das bereits...

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