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Schreiben über Afrika: Koloniale Konstruktionen

Eine kritische Untersuchung ausgewählter zeitgenössischer Afrikaliteratur

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Roland Schmiedel

Seit den 1990er Jahren ist das Interesse am deutschsprachigen Afrika-Roman stetig gewachsen. Die germanistische literaturwissenschaftliche Forschung setzt sich daher zunehmend intensiv mit diesem Subgenre auseinander und reflektiert dabei den postkolonialen Diskurs. Die Studie zeigt – ohne sich dabei auf einen geographischen Raum zu beschränken – mittels einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Roman Herz der Finsternis von Joseph Conrad, wie die Autoren Lukas Bärfuss, Hans Christoph Buch, Andrea Paluch, Robert Habeck und Ilija Trojanow in ihren Romanen postkoloniale Potentiale und Perspektiven ausprägen und dabei eigene kulturelle Denkmuster, Stereotype und Dichotomien reproduzieren, vorführen oder modifizieren.
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2. Theoretische Überlegungen

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Koloniale Konstruktionen im postkolonial intendierten deutschen Gegenwartsroman130 finden sich vor allem in solchen Romanen, deren thematische Ausrichtung der Kolonialliteratur131 zuzurechnen ist. Die für diese Untersuchung ausgewählten postmodernen Romane wurden zwischen 2001 und 2008 ← 69 | 70 →geschrieben und obgleich lange nach dem Ende der deutschen Kolonialzeit (1884–1918) und zugleich lange nach dem Ende des globalen Dekolonialisierungsprozesses geschrieben, werden in den Romanen koloniale Muster verarbeitet, mit denen Kolonialromane seit jeher inszeniert werden, obgleich die Autoren doch versuchen, eine postkolonial kritische Perspektive einzunehmen.

Arbeiten zu deutscher postkolonialer Literatur als Kolonialliteratur, vor allem zu Sujets der Kolonialkriege in Deutsch-Südwestafrika, liegen bereits vor, hier sei vor allem die Arbeit von Medardus Brehl (2007) erwähnt, der zeitgenössische Publikationen zum ‚Hererokrieg‘ untersucht und dabei die Kolonialkriege der Jahre 1904 bis 1907 und die deutsche Vernichtungspolitik an den Herero in den Mittelpunkt seiner Analysen stellt. Er fragt danach, wie die deutsche Vernichtungspolitik dargestellt und legitimiert und auf welche diskursiven Muster dabei zurückgegriffen wurde, mit denen ein öffentlicher und politischer Konsens darüber erreicht und legitimiert wurde, nach dem der Völkermord an den Herero gerechtfertigt war. Brehl gibt darüber hinaus einen groben Überblick über die einschlägige deutsche Kolonialliteratur, die vom Ende der Kolonialzeit bis zur Jahrtausendwende erschienen ist (vgl. Brehl 2007: 135 ff.). Stefan Hermes (2009) knüpft in seiner Dissertation an Brehl an, doch untersucht Hermes im Unterschied zu Brehl die deutschen Publikationen zwischen 1904–2004 insgesamt als postkoloniale Auseinandersetzung deutscher Autoren mit den Südwest-Kolonialkriegen....

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