Show Less
Restricted access

Max Regers Musik

Eine Studie zu Regers Musikdenken

Series:

Hans-Peter Retzmann

Die Komplexität der Musik Max Regers ist nicht leicht zu durchdringen. Hans-Peter Retzmann versucht diese schwierige Aufgabe zu lösen, indem er kompositorische und musikästhetische Fragestellungen mit Regers eigenem Wort entwickelt. Aus dem Zusammenwirken von Regers kompositorischen und ästhetischen Denkweisen entsteht ein Ansatz, die Verbundenheit von Musik und Sprache zu lösen, um einen religiösen Gehalt auch ohne sprachlichen Bezug in seiner Musik zu sichern. Regers Aussage von Musik ist eine musikalisch-religiöse, die sich letztlich in der Synthese dichterischer Konzepte in der Musik niederschlägt. Seine technischen Errungenschaften führen dabei an die Grenzen des Machbaren. Die Konzeption von Regers Musik produziert in ihrer Querständigkeit einen Kontrapunkt zum gewöhnlichen musikalischen Denken und Empfinden. Sie fordert uns bis heute dazu heraus, sich mit ihr auseinanderzusetzen.
Show Summary Details
Restricted access

2.2. Regers Neubewertung des musikalischen Handwerks

Extract

Mit seiner Forderung nach einer vornehmlich strukturell gestalteten Musik ist Regers Bestreben nach einer handwerklich orientierten Aus- und Fortbildung des Komponisten deutlich geworden. Die Orientierung an der Musik Bachs verbindet Reger mit einer Neubewertung des musikalischen Handwerks und aus dieser Haltung resultiert schliesslich eine eindeutige Absage an das Geniedenken seiner Zeit. Das Ende des 19. Jahrhunderts ist noch stark geprägt von der hohen Zeit des Geniegedankens, dessen Definition auf die Zeit des Sturms und Drangs zurückgeht und eine Gegenposition zur Aufklärung bildet. Spätestens seit Kant wird Genialität hauptsächlich auf den Künstler bezogen und seit dem 18. Jahrhundert gibt es die Vorstellung, dass das Genie völlig frei und voraussetzungslos schaffen könne und müsse. Nach der Überwindung eines eher revolutionär geprägten Ideals gilt das Genie aufgrund seiner besonderen Befähigung als weltentrückt, also der alltäglichen Welt entzogen, und es steht somit hoch über dem normalen Menschen. Das künstlerischen Genie erfährt seine Bewunderung in der Aufhebung äußerer Zwänge und den dadurch eröffneten Möglichkeit zu innerer Freiheit. Das Genie wird am Grad seiner Originalität gemessen, die nicht auf erklärbaren Regeln basiert, sondern von, geheimnisvollen‘ Prozessen göttlicher Eingebung bzw. unberechenbarer Stimmung hergeleitet wird.

Spätestens seit dem Aufkommen der zunächst privaten Collegia Musica und deren Entwicklung zu öffentlichen Konzertgesellschaften entsteht, vergleichbar mit ← 151 | 152 → dem literarischen Markt, auch ein freier Markt für, musikalische Produkte‘. Der Künstler wird...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.