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Kulturmanöver

Das k.u.k. Kriegspressequartier und die Mobilisierung von Wort und Bild

Series:

Sema Colpan, Amália Kerekes, Siegfried Mattl and Magdolna Orosz

Der Band befasst sich mit dem k. u. k. Kriegspressequartier (KPQ), das von seiner Entstehung und Komplexität her unter den kriegsführenden Ländern des Ersten Weltkriegs einzigartig war. Die Aufsätze widmen sich zum einen jenen Maßnahmen, die das KPQ anordnete, leitete und kontrollierte. Dazu gehörten die Kriegsberichterstattung in journalistischen Frontberichten und fotografischen Dokumentationen, die Verarbeitung des Krieges mittels Malerei oder das Festhalten des Kriegsgeschehens mit der Filmkamera. Zum anderen bewerten die Autoren die Propagandamaßnahmen innerhalb eines breiteren Bezugsrahmens, und zwar mit Blick auf die alternativen Spielräume, die die zentralisierte Verwaltung gestattete. Als Vergleichsebenen werden außerhalb des Wirkungsbereichs des KPQ liegende Tendenzen des Kulturbetriebs herangezogen.
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Das Attentat von Sarajevo und der Topos Bosnien im ungarischen imperialen Denken

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Als am Nachmittag des 28. Juni 1914 die Nachricht des Attentates auf den Kronprinzen der Monarchie in verschiedenen europäischen Städten platzte, stand an der Stelle eines Täters der Name einer Stadt: Sarajevo. Der tödliche Schuss, der mit dem Kronprinzen letztendlich auch die Monarchie traf, wurde auch später durch den Namen der Stadt gekennzeichnet, wo er abgefeuert wurde. Christopher Clark weist in seinem Buch Schlafwandler. Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog darauf hin, dass allein schon die Tatsache, dass dieses Ereignis als Attentat von Sarajevo in die Geschichte einging, ungewöhnlich ist und nur mit der allgemeinen Unbeliebtheit des Kronprinzen erklärt werden kann.1

Literarische wie auch historiografische Darstellungen des Ereignisses kommen kaum ohne die beiden Protagonisten, den Kronprinzen Franz Ferdinand und den Attentäter Gavrilo Princip bzw. seine Gesinnungsgenossen aus, die sie oft als Kontrastfiguren2 einander gegenüberstellen, doch das historische Ereignis wird im kulturellen Gedächtnis unter dem Kürzel Attentat von Sarajevo »geführt«. Sarajevo wurde über dieses Ereignis zum historischen Topos. Seine Bedeutung wurde in den Augenzeugenberichten der ersten Tage sorgfältig entfaltet. Neben Schuldzuweisungen und Hetztiraden gegen die Serben kann man in den ungarischen Presseberichten der Julikrise durchaus auch viele Informationen über den Ort und über die Ziele der Attentäter lesen. Räumlich wurde das Ereignis als Bosnien, Serbien oder »Balkan« chiffriert, ein Topos, ← 37 | 38 → der eine wichtige Rolle in zeitgenössischen ungarischen Schriften über den Krieg spielte.

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