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Symbolon

Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung e. V.

Series:

Hermann Jung

Band 19 des Jahrbuchs SYMBOLON dokumentiert Vorträge aus unterschiedlichen Disziplinen, die bei den Jahrestagungen der Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung e. V. 2009–2011 in Ludwigshafen/Rhein und Frankfurt/Main gehalten wurden. Folgende Themenkreise werden behandelt: «Symbole von Trauer und Hoffnung» (Liebeslied als Heimatlied, Tibetisches Totenbuch, Jakobsweg, Jenseitssymbolik, kunsthistorische Phänomene, Das Wunder von Marxloh – ein Moschee-Werbefilm, Symbolbildung und Grenzsituation, Requiem), «Symbole und Zeichen domestizierter Natur I. Das Haus» (Raum und Musik, private Räume des Selbst, die Aura eines Ortes, Schreine der Götter, Weltgehäuse), «II. Sakralbau und Garten» (das Haus Gottes, das Wilde und das Gezähmte im Mittelalter, Boschs Garten der Lüste, literarische Figurationen des Gartensymbols, der phantastische Garten, die Moschee, die Gärten der Hexen und weisen Frauen), weiterhin ein Beitrag zur 40-jährigen Geschichte der Symbolgesellschaft.
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Hermann Jung „Requiem” -musikalische Sinndeutungen zwischen Trauer, Verzweiflung und Hoffnung

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Hermann Jung

I

Wer sich mit den „letzten Dingen“1 des Menschen, mit Sterben, Tod und einem eventuellen Weiterleben in anderen Welten beschäftigt, wird mit einiger Überraschung feststellen, dass diese Phänomene häufig mit Musik verbunden sind. Dem großen Sänger und Instrumentalisten des griechischen Mythos, Orpheus, ist es einst gelungen, durch die Macht der Musik als Lebender in das Totenreich zu gelangen, um seine verstorbene Gattin Eurydike wieder auf die Erde zurückzuholen. Doch auch er scheiterte schließlich an einer menschlichen Unzulänglichkeit, an der Übertretung eines Verbotes aus übervollem, liebendem Herzen.2

Die mittelalterliche Allegorie des Todes als Knochenmann führt im sogenannten „Totentanz“3 den Reigen der von ihm aus dem Leben gerissenen Menschen an, als Spielmann mit einem Blas- oder Streichinstrument, wobei Musik und Tanz wohl kaum zur Freude oder Unterhaltung gedient haben dürften, sondern eher zu einer auf Gleichklang, auf einen gemeinsamen Rhythmus hin ausgerichteten reihenden Bewegung. Die Reihenfolge vom Papst und Bischof, vom Kaiser und König bis zum armen Bauern, jungen Mädchen und Kind – sie zwingt alle Menschen ohne Ansehen des Standes oder des Alters hinter den musizierend voranschreitenden Tod.

Die Begräbnis-, Trauerriten und -rituale kamen und kommen in der ganzen Welt ohne Musik, ohne klangliche oder rhythmische Begleitung kaum aus. Ihre Funktionen sind vielfältig; stets geht es darum, auch ohne Worte und Begriffe der Totenfeier eine würdevoll feierliche, oft auch standesgemäße Atmosphäre zu verschaffen....

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