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Verändern Gender Studies die Gesellschaft?

Zum transformativen Potential eines interdisziplinären Diskurses

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Edited By Franz Gmainer-Pranzl, Ingrid Schmutzhart and Anna Steinpatz

Gender Studies haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als kulturwissenschaftlicher, interdisziplinärer und gesellschaftskritischer Diskurs etabliert. Sie analysieren die soziale und kulturelle Konstruktion von Geschlecht, kritisieren etablierte (meist unsichtbare) Machtstrukturen, die Diskriminierung und Ausschließungen produzieren, und beleuchten die Intersektionalität der Dimension Gender mit ethnischen, sozialen, politischen, ökonomischen und religiösen Lebensbereichen. Trotz hoher theoretischer Standards und eines differenzierten Problembewusstseins stellen sich den Gender Studies allerdings durch eingefahrene gesellschaftliche Spielregeln, ökonomische Vorgaben und diskursive Identitätskonstruktionen wirkmächtige Widerstände entgegen. Lassen sich kulturelle Logiken, die repressive und exkludierende Strukturen als natürlich ausgeben, überwinden? Verändern also Gender Studies die Gesellschaft? Eine interdisziplinäre Tagung an der Universität Salzburg setzte sich im November 2013 mit dieser Frage auseinander und zeigte aus der Perspektive unterschiedlicher Wissenschaften das gesellschaftsverändernde Potential der Gender Studies auf.
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Gender Studies in der Praxis: Entwicklungen der Rechtsprechung im Bereich der geschlechtsspezifischen Verfolgung

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1. Rechtliche Grundlagen

Das Asyl- und Flüchtlingsrecht bietet Menschen Schutz, wenn sie aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, ihrer politischen Einstellung, ihrer religiösen Anschauung oder aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe verfolgt werden. Ist glaubhaft, dass im Herkunftsland Verfolgung droht, dann wird von der Behörde aufgrund eines Antrags auf internationalen Schutz ein Aufenthaltsrecht gewährt.2

Rechtsanwendende legen unbestimmte Begriffe, die in der Flüchtlingskonvention enthalten sind, aus und prüfen deren Anwendbarkeit auf den Einzelfall.3 Hochgradig interpretationsbedürftig sind der Verfolgungsbegriff und der Begriff der „sozialen Gruppe“. Der Inhalt dieser Konzepte erschließt sich erst in ihrer Auslegung in Bezug auf einen bestimmten Sachverhalt. Dies öffnet Spielräume für die Beurteilung, die im Instanzenzug überprüfbar ist.4 Begrenzungen ergeben sich aus den Richtlinien des UNO-Flüchtlingshochkommissars (UNHCR) und aus Beurteilungsstandards, die sich in der Staatenpraxis entwickelt haben. ← 63 | 64 → Der Ausdruck „geschlechtsspezifische Verfolgung“ ist ein Sammelbegriff für Sachverhalte, die als Produkt dieser geschlechtsspezifischen Auslegungskriterien zu verstehen sind.

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