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Virtuelle Bioethik

Ein reales Problem?

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Lukas Ohly

Bioethische Probleme sind keine realen Probleme, sondern in Phantasien verstrickt. Diese Phantasien richten sich auf Allwissenheit im Informationszeitalter, Sehnsucht nach Unsterblichkeit, Schöpfung humanoider Maschinen oder Erschaffung des Lebens. Virtualität beansprucht dabei einen dritten Bereich zwischen Realität und Fiktion. Sind die Auswirkungen bioethischer Probleme damit real oder virtuell? Werden etwa reale Patienten behandelt und reale Subjekte biotechnisch erzeugt oder nur virtuelle? Und liegen etwa auch ethische Prinzipien selbst auf einer dritten Ebene zwischen Realität und Fiktion? Der Band enthält interdisziplinäre Beiträge zu diesen Fragen und möchte auf einen blinden Fleck innerhalb der bioethischen Diskussion aufmerksam machen.
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Einleitung: Die Virtualisierung in der Bioethik

Gibt es einen bioethischen NSA-Skandal?

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Lukas Ohly

EinleitungDie Virtualisierung in der Bioethik

Als im Jahr 2013 bekannt wurde, dass der US-amerikanische Geheimdienst NSA den E-Mail-Verkehr und SMS-Nachrichten weltweit ausspioniert hatte, zeigte sich die Öffentlichkeit empört, weil die Privatsphäre jedes Bürgers bedroht war. Sicherheitsexperten wollten die Empörung mit dem Argument beruhigen, dass niemand im Geheimdienst die virtuellen Nachrichten wirklich lese. Sie würden vielmehr nach bestimmten Algorithmen ausgewertet, so dass unschuldige Bürger, von denen keine Terrorismusgefahr ausgehe, schnell ausgefiltert würden. – Soll nun dieses Argument einen Wahrheitsgehalt besitzen, so muss es zwischen einer realen und einer virtuellen Privatsphäre unterscheiden: Danach ist durch die NSA-Spionage die reale Privatsphäre der Bürger nicht gefährdet. Dennoch wertet die NSA private Kommunikation umfassend aus. Sie dringt damit in die Privatsphäre der Bürger ein, aber angeblich nur virtuell. Dabei scheint die virtuelle Privatsphäre ein geringeres Schutzrecht zu besitzen als die reale Privatsphäre. Wer dieses Argument zurückweist, für den freilich muss dieser konstruierte Unterschied zwischen einer realen und einer virtuellen Privatsphäre nicht überzeugend sein.

Eine analoge Diskussion ist auf dem Feld der Bioethik bislang nicht geführt worden. Das überrascht, beruhen doch die meisten bioethischen Probleme der Gegenwart auf hochdifferenzierten Messinstrumenten einer digitalisierten Biotechnologie. Medizinische Entscheidungen greifen stets auf Datenbanken zurück, die entweder von einer Arztpraxis selbst angelegt werden oder aber zwischen Medizin, Krankenversicherungswesen, Forschung und Politik vernetzt sind. Behandlungsabläufe werden danach optimiert, wie Informationen ausgewertet werden, die medizinische...

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