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Die Gemeinsamkeit der Leiber

Eine sprachkritische Interexistenzialanalyse der Leibphänomenologie von Hermann Schmitz und Thomas Fuchs

Johannes Preusker

Immer und überall existieren wir durch, mit und zu den Anderen. In der Philosophiegeschichte ist die Gemeinschaftlichkeit von Sprache, Welt und Leben lange Zeit verkannt worden. Eine irrtümliche Orientierung am Einzelsubjekt beherrschte das Denken von Descartes bis Husserl. Noch heute sind Alltag und Wissenschaft zutiefst geprägt von der cartesianischen Spaltung in Idealität und Realität, Geist und Materie. Zu einem Hoffnungsträger der ganzheitlichen Beschreibung des Menschen hat sich die moderne Leibphänomenologie etabliert. Kann sie diesen Anspruch einlösen? Dieses Buch untersucht dahingehend die Ansätze von Hermann Schmitz und Thomas Fuchs mit teils ernüchternden, teils positiven Ergebnissen. Am Ende wird ein weiterführendes Konzept des Holismus entwickelt.
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5 Das Resümee

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Die Analyse hat sich zum Ziel gesetzt, eine Antwort auf die Frage zu finden, inwieweit Hermann Schmitz und Thomas Fuchs in ihrer Leibphänomenologie jeweils an die Interexistenzialität heranreichen.923 Im Blick auf Schmitz lautet das Ergebnis: Er verfehlt die holistische Beschreibung der menschlichen Welt von Grund auf. Geleitet von einem übersteigerten Mittel-zum-Zweck-Denken gegen die Introjektion, versackt das System der Philosophie in einem Isolationismus des Leibes. Die literarische Redeweise und der herakliteische Kampfgestus können das zum leiblich Spürbaren hypostasierte Bewusstsein Husserls, den Dualismus von Leib und Körper sowie den Reduktionismus von Gefühl und Leib nicht beheben. Vielmehr ist eine Neuauflage des Cartesianismus zu konstatieren, in deren Mittelpunkt das „Terreor“ steht. Ihre deutlichste Blüte ist Schmitz’ Kommunikationstheorie, die unter Verkehrung der Konstitutionsverhältnisse den Weg vom Leib zur Leibergemeinschaft zu begründen sucht.

Bezüglich Fuchs hat die Analyse ergeben, dass er den Isolationismus zwar aufbricht, aber mit seinem Resonanzmodell bei dem Verhältnis von Mutter und Kind stehen bleibt und damit die Interexistenzialität unterbestimmt. Motiviert von seinem Projekt gegen die Entfremdung, verfestigt Fuchs die Methode der genetischen Phänomenologie zur inhaltlichen Ontogenese. Mit dem Anderen von Levinas oder der mystischen Partizipation von Lévy-Bruhl kann die so verkürzte Beschreibung keine holistische Wendung erfahren. Abseits des rehabilitierten Säuglings bleibt „Leib, Raum, Person“ dem System der Philosophie durchaus verhaftet: Die reine Zwischenleiblichkeit erinnert an die reine Gegenwart, die Partizipation an den archaischen Dynamismus und die Stoßrichtung gegen die Entfremdung an das...

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