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Filmsynchronisation in Deutschland bis 1955

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Gerd Naumann

Diese Studie widmet sich der Geschichte der deutschen Filmsynchronisation zwischen 1895 und der Mitte der 1950er Jahre. Der Autor zeigt historisch gewachsene Traditionslinien auf und ordnet diese in gesellschaftlich-politisch-ökonomische Prozesse ein. Dabei geht er der Fragestellung nach, ob es in der Geschichte der deutschen Filmsynchronisation konnektive Strukturen gibt, mit denen sich durch wiederholende Handlungslinien wiedererkennbare Muster nachweisen lassen. Das Buch ergänzt bekanntere Aspekte der Filmgeschichte durch bisher nicht ausgewertete Materialien. So entsteht ein facettenreiches Bild der Geschichte des Synchronisierens von Kinofilmen, das gleichermaßen den Wandel medienpolitischer Interessen im historischen Kontext erzählt. Darüber hinaus ermöglicht der in der Praxis des Synchronisierens erfahrene Autor einen Einblick in die Studioarbeit wie auch ein Verständnis der Produktionsprozesse und stellt einige der Sprecher vor.
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6. Überwindung der Sprachbarriere

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Während in Deutschland gesellschaftlich-politische Veränderungen ihre Schatten voraus warfen, feierte der Tonfilm weltweit Erfolge und entwickelte sich vor allem für die USA zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor. So äußerte sich Clinton Wunder, Vizepräsident der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, 1931 euphorisch über das Potential der Erfindung: „The talking-motion has become an international salesman, presenting the world’s products to an estimated weekly audience of 250,000,000 people in twenty-seven different nations. (…) Here we have the most powerful sales organization ever conceived of. (…) The goods of foreign nations are advertised to us, as we advertise ours to them. In some of the most distant parts of the world, American products are ordered because the customer saw a sample displayed in some film. (…) Talking pictures do talk business at home and abroad.”769

Die Filmauswertung in englischsprachigen Ländern sicherte, auch durch die weitgehend sprachbarrierefreie Verbreitung amerikanischer Filme, ein rentables Geschäft.770 Die prekäre finanzielle Situation des amerikanischen Filmwesens, zahlreiche Hollywood-Gesellschaften standen ab 1932 vor dem Bankrott771, machte eine internationale Filmauswertung allerdings notweniger denn je zuvor. Hierbei erwies sich der spezifische kulturelle Hintergrund eines Importlandes mitunter als Hemmnis der transatlantischen Exportbeziehungen.772 Zwar gab ← 131 | 132 →es in Deutschland keine gesetzliche Verordnung über die Begrenzung synchronisierter Fassungen, aber es fand im Gesetz über die Vorführung ausländischer Bildstreifen vom 15.7.1930773 besondere Erwähnung, dass der „deutsche Lichtspieltheaterbesucher (…) einen Anspruch darauf [habe], die ihn berührenden Lebensfragen von Künstlern dargestellt zu sehen,...

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