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Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

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Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
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26 Celan: Wortaufschüttung, vulkanisch

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WORTAUFSCHÜTTUNG, vulkanisch,meerüberrauscht.

Obender flutende Mobder Gegengeschöpfe: erflaggte – Abbild und Nachbildkreuzen eitel zeithin.

Bis du den Wortmond hinaus-schleuderst, von dem herdas Wunder Ebbe geschiehtund der herz-förmige Kraternackt für die Anfänge zeugt,die Königs-geburten.

Das Gedicht bildet, zusammen mit den zwei noch folgenden („(Ich kenne dich … )“/26) und „Weggebeizt …“ /27) die Schlußgruppe der 1965 veröffentlichten Gedichtsammlung „Atemkristall“, welche 1967 als erster Teil in die Sammlung „Atemwende“ einging. Gemeinsam ist allen dreien der Begriff des Zeugnisses:2 In diesem Gedicht steht „zeugt|“ am Ende der drittletzten Zeile, in dem nächsten endet die vorletzte mit “zeugte|”, und das letzte Gedicht der Gruppe und damit der ganzen Sammlung schließt mit den Worten “|dein unumstößliches| Zeugnis|||”.

Freie, z. T. sehr kurze Verse, zweimal nur ein Wort umfassend, einmal sogar nur einen Wortteil. Sie sind zu drei Gruppen von zwei, vier und acht Versen zusammengefaßt. Eine Versgrenze trennt das Prädikat eines Zweiwortsatzes von seinem Subjekt („er| flaggte“), und eine Versgruppengrenze, im Druckbild durch Leerzeile signalisiert, trennt einen Hauptsatz von seinem nachfolgenden Nebensatz, was zusätzlich auch noch durch Setzung eines Punkts statt eines Kommas betont wird („…zeithin.|| Bis du …“). Dreimal schneidet die Versgrenze sogar mitten in ein Wort ein. Am Ende der zweiten Versgruppe fällt das Neuwort „zeithin||“ auf.

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