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Goethes Wanderjahre in Lateinamerika und der Südsee

Dieter Strauss

«Wie gern möchte ich nur einmal Humboldten erzählen hören», so ein Seufzer Ottilies in Goethes Wahlverwandtschaften. Aber auch die anderen großen Lateinamerika-Reisenden und Weltumsegler seiner Zeit waren Goethe bekannt. So zum Beispiel Georg Forster, der die zweite Weltumsegelung Kapitän Cooks mitgemacht hatte, oder auch der Vater des brasilianischen Bergbaus Wilhelm von Eschwege und berühmte Brasilienforscher wie Prinz Wied zu Neuwied oder die Bayern Spix und Martius. Diese Entdecker verführten ihn fast zu einer Auswanderung, es blieb jedoch bei Gedankenreisen nach Lateinamerika und in die Südsee – Träume, die sich auch in seinem Werk widerspiegeln. Mehr noch: Der Reisende und Wanderer Goethe ist mit seiner Begeisterung für die Neue Welt in Werken späterer Schriftstellerkollegen selbst zur literarischen Figur geworden.
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„Immer sich kreuzende Fremde deuten nach allen Weltgegenden hin und erwecken Reiselust“

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Goethes Interesse an fremden Ländern und seine Prädisposition für Reisen

Gemeint ist hier Frankfurt, die lärmige, weltoffene Messestadt mit ihrem Fluss und Hafen, mit ihrem Rausch von Erwerben und Konsum, mit ihren bei Goethes Geburt im August 1749 rund 30.000 Einwohnern, mit den vielen ausländischen polyglotten Messegästen, die sich in den verwinkelten Gassen mit ihren Läden und Handwerkern verloren. Geheimnisvoll, das war dieser „Medina-Teil“ Frankfurts sicherlich auch. Es ist nachvollziehbar, dass diese kontaktfreudige und gleichzeitig rätselhafte Stadt Goethe als Kind anzog. Bestimmt auch wegen der schönen Gärten und herrlichen Natur, die sie umgaben.

Goethes Vater Johann Caspar war Jurist und hatte ein Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar absolviert. Danach ging es zunächst für ein Jahr in die Welt, nach Italien und auf dem Rückweg nach Paris und Amsterdam. Zurück in Frankfurt, lebte er als Privatier, schrieb seine Reiseerinnerungen, sammelte Bilder und Bücher und konzentrierte sich auf die Ausbildung und Erziehung seiner Kinder. Für Latein, Religion und die musischen Fächer, da gab es einen Hauslehrer. Die Geschichte der Stadt und Erdkunde behielt er sich selbst vor. Auch das Vorlesen aus seinem Reisebuch. Wie er sollte der Sohn später Jura studieren und eine Italienreise unternehmen. Zu viel, das war ein bisschen zu viel Fürsorglichkeit, denn wie sollte man sich sonst Goethes Seufzer erklären: Vom Vater hab ich die Statur,/ des Lebens ernstes Führen/...

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