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Goethes Wanderjahre in Lateinamerika und der Südsee

Dieter Strauss

«Wie gern möchte ich nur einmal Humboldten erzählen hören», so ein Seufzer Ottilies in Goethes Wahlverwandtschaften. Aber auch die anderen großen Lateinamerika-Reisenden und Weltumsegler seiner Zeit waren Goethe bekannt. So zum Beispiel Georg Forster, der die zweite Weltumsegelung Kapitän Cooks mitgemacht hatte, oder auch der Vater des brasilianischen Bergbaus Wilhelm von Eschwege und berühmte Brasilienforscher wie Prinz Wied zu Neuwied oder die Bayern Spix und Martius. Diese Entdecker verführten ihn fast zu einer Auswanderung, es blieb jedoch bei Gedankenreisen nach Lateinamerika und in die Südsee – Träume, die sich auch in seinem Werk widerspiegeln. Mehr noch: Der Reisende und Wanderer Goethe ist mit seiner Begeisterung für die Neue Welt in Werken späterer Schriftstellerkollegen selbst zur literarischen Figur geworden.
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„In ferne Regionen versetzen uns die Zeichnungen zu des Prinzen von Neuwied Durchlaucht brasilianischer Reise“

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(1)

Goethes Kontakte zu den Reiseforschern Lateinamerikas und der Südsee

Die Vögel und Thiere des Prinzen von Neuwied angesehen, (2) notierte Goethe im März 1821 in seinem Tagebuch. Bilder, die ihn immer wieder bezauberten und nicht losließen, so wie die Bücher und Stiche der anderen Reiseforscher. Und die wurden von dem Verleger Bertuch in Weimar veröffentlicht. Friedrich Johann Justin Bertuch (1747–1822) brach sein Theologie- und Jurastudium in Jena nach wenigen Semestern ab und schlug sich zunächst als Hauslehrer und freier Schriftsteller und Übersetzer durch. Mit seiner Übertragung des Don Quichotte erregte er Aufsehen, und Wieland verschaffte ihm Zugang zum Weimarer Hof. Nach seiner erfolgreichen Anregung einer Zeichenschule für Weimar, die später von Johann Heinrich Meyer und Goethe geleitet wurde, arbeitete er ab 1775 einige Jahre als Sekretär des Herzogs. Seine Verlagsaktivitäten begannen 1778. Die waren so erfolgreich, dass er sich bald als literarischer Geburtshelfer ansah. In seiner 1782 gegründeten Fabrik für künstliche Blumen, die er als begehrte Produkte in ganz Deutschland verkaufte, war Christiane Vulpius als junge Frau beschäftigt. Gerade zu dem Zeitpunkt ihres Kennenlernens mit Goethe.

Goethe verdankte Bertuch aber mehr: Die ersten Reiseberichte über Brasilien. In seinem Weimarer Verlag erschienen beispielsweise die Reisebücher von Wilhelm von Eschwege und des Prinzen Wied zu Neuwied, die Goethe für seine eigene Bibliothek anschaffte. Aber auch die Werke Henry Kosters „Reisen in Brasilien“ (1817) und die „Bemerkungen über...

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