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Goethes Wanderjahre in Lateinamerika und der Südsee

Dieter Strauss

«Wie gern möchte ich nur einmal Humboldten erzählen hören», so ein Seufzer Ottilies in Goethes Wahlverwandtschaften. Aber auch die anderen großen Lateinamerika-Reisenden und Weltumsegler seiner Zeit waren Goethe bekannt. So zum Beispiel Georg Forster, der die zweite Weltumsegelung Kapitän Cooks mitgemacht hatte, oder auch der Vater des brasilianischen Bergbaus Wilhelm von Eschwege und berühmte Brasilienforscher wie Prinz Wied zu Neuwied oder die Bayern Spix und Martius. Diese Entdecker verführten ihn fast zu einer Auswanderung, es blieb jedoch bei Gedankenreisen nach Lateinamerika und in die Südsee – Träume, die sich auch in seinem Werk widerspiegeln. Mehr noch: Der Reisende und Wanderer Goethe ist mit seiner Begeisterung für die Neue Welt in Werken späterer Schriftstellerkollegen selbst zur literarischen Figur geworden.
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„Ich vermute, Sie zu schnell zu einer Expedition in das ferne und geheimnisvolle Japan verführt zu haben“

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(1)

Der „Reisende“ Goethe wird zur literarischen Figur

Die große Rätselfrage der Feuilletons des Jahres 2006 und später lautete: Wie konnte es passieren, dass die Doppelbiografie „Die Vermessung der Welt“ über Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß von Daniel Kehlmann ein Bestseller wurde? Ein Buch, das siebenunddreißig Wochen nicht von der „Spiegel“-Bestsellerliste zu verdrängen war, das nach der „New York Times“ 2006 an zweiter Stelle der weltweit meist verkauften Bücher stand und von dem bis Oktober 2012 rund 2,3 Millionen Exemplare in Deutschland und 6 Millionen weltweit abgesetzt worden sind. Ein Werk, das bereits 2008 für die Bühne bearbeitet wurde und dessen Filmversion im Oktober 2012 in die Kinos kam. Ja, wie konnte das passieren?

Das Zusammenkommen berühmter Naturforscher in Berlin hatte viele bedeutende Männer in Bewegung gesetzt, die in ihren Wegen Weimar durchkreuzend, sich teils hatten melden lassen und deren Ankunft zu erwarten war. (2) Zu diesen Berühmtheiten des Treffens aus dem Jahre 1828, die Eckermann hier andeutet und die Goethe vor oder nach dem Kongress besuchten, gehörten der Brasilien-Reisende Martius und der Naturforscher und Handelshaus- Chef Hoenninghaus. (3) Gauß hatte sich nur widerstrebend auf die Einladung Alexander von Humboldts zu der Berliner Tagung eingelassen. Beide Forscher waren damals schon berühmt, aber auch ein wenig sonderbar geworden. Der eine ein Weltreisender, der andere ein Stubenhocker, dem selbst die Fahrt nach Berlin äußerst schwer fiel. Ein idealer...

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