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Geraubte Erinnerungen

Die Ästhetik von Identität und «memoria» in Félix Bruzzones «Los topos»

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Lela Weigt

In dem 2010 erschienenen Roman Los topos des argentinischen Gegenwartsautors Félix Bruzzone macht sich der Protagonist auf die Suche nach seinem während der argentinischen Militärdiktatur verschwunden geglaubten Bruder, die in der Suche nach der eigenen Identität gipfelt. In aller Radikalität betont Bruzzone die Tradierung der Gewalt bis in die Gegenwart. Der Roman stellt einen bedeutenden Beitrag zur gegenwärtigen Memoria-Debatte dar, indem er die konventionelle Verteilung von Täter- und Opferrollen in Frage stellt. Anhand von Methoden aus der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung wird Bruzzones literarische Inszenierung von Erinnerung und Identität im Kontext der argentinischen Gegenwartsliteratur mit Hinblick auf den aktuellen Gedächtnisdiskurs analysiert.
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1. Einleitung

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[...] il passato è sempre nuovo: Como la vita procede esso si muta perché risalgono a galla delle parti che parevano sprofondate nell’oblio mentre altre scompaiono perché oramai poco importanti. Il presente dirige il passato come un direttore d’orchestra i suoi suonatori. Gli occorrono questi o quei suoni, non altri. E perciò il passato sembra ora tanto lungo ed ora tanto breve. Risuona o ammutolisce. Nel presente riverbera solo quella parte ch’è richiamata per illuminarlo o per offuscarlo. Poi si ricorderà con intensità piuttosto il ricordo dolce e il rimpianto che il nuovo avvenimento.1

Erinnerung und Identität verbindet eine tiefgreifende Interdependenz. Die individuelle sowie die kollektive Erinnerung sind die Voraussetzungen für die Herausbildung der Identität. Denn erst durch das Erinnern an vergangene Erlebnisse kann sich ein Bewusstsein über die Kontinuität und die Einheit des vergangenen und gegenwärtigen Ichs einstellen. Erst in dieser zeitlichen Dimension vermag sich Identität zu konstituieren. Dabei prägt unsere Identität vor allem die Art und Weise, wie wir uns erinnern: Gedächtnisinhalte sind keine reinen Wissensträger, sondern werden durch individualpsychologische und soziokulturelle Prozesse konstruiert, verändert, destabilisiert und gegebenenfalls dekonstruiert.

Die Literatur kann aus diesem Themenkomplex schöpfen und in ästhetischen Verfahren neue Darstellungsmodi von Erinnerung und Identität liefern. Da der Prozess der Erinnerung nach selektiven Mustern verläuft, gibt die Darstellung von Erinnerung oft mehr Auskunft über die Gegenwart des sich Erinnernden als über die eigentlichen Erlebnisse in der Vergangenheit. Tatsächlich...

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