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Polens Staatlichkeit in sieben Jahrhunderten

Eine völkerrechtliche Analyse zur Staatensukzession

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Adrianna Michel

Das Buch befasst sich mit Polens Geschichte in den vergangenen 700 Jahren und geht der Frage seiner Staatlichkeit nach. In einem historischen Teil werden die seit dem 14. Jahrhundert vereinbarten Unionsabschlüsse mit Litauen, die Teilungen des Landes in den Jahren 1772, 1793 und 1795 und schließlich die staatliche «Wiedererrichtung» nach dem Ersten Weltkrieg vorgestellt. Anschließend beschreibt die Autorin die Voraussetzungen für die Entstehung und den Untergang von Staaten und deren Folgen, erforscht das Verhältnis von Effektivitäts- und Kontinuitätsgrundsatz und hebt die Bedeutung der normativen Kraft des Faktischen hervor. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes tempus regit actum erfolgt in einem dritten Teil die völkerrechtliche Würdigung der Polen betreffenden territorialen und statusrechtlichen Veränderungen.
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5. Kapitel: Hoffnungen auf Napoleon und die Zeit des Wiener Kongresses

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Nach knapp zehn Jahren der Fremdherrschaft in den einzelnen Teilungsgebieten keimte in den Polen mit Napoleon I. wieder die Hoffnung auf, dass sie ihren Staat mit dessen Hilfe wiedergewinnen könnten.531 Napoleon hatte sich im Jahre 1806 das Ziel gesetzt, Preußen zu vernichten. Hierfür wollte er sich die polnische Frage zunutze machen, indem er einen Aufstand im preußischen Teilungsgebiet anzettelte. Für seinen Plan holte er sich General Dąbrowski, der großes Vertrauen der polnischen Landsleute besaß, an seine Seite.532 Die auf Napoleon gesetzten polnischen Hoffnungen waren zwar zunächst nicht unberechtigt, doch stellten sie sich schnell als illusorisch heraus.533

In den Jahren 1792 bis 1815 fanden die sogenannten Koalitionskriege534 in Europa statt. Besonders folgenreich war der vierte Koalitionskrieg in den Jahren 1806 bis 1807, in dem Frankreich gegen die Koalition aus Preußen und Russland, die später um Großbritannien und Schweden erweitert wurde, kämpfte. Der preußische Staat brach bereits nach der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt im Oktober 1806 zusammen.535 Nach der entscheidenden Niederlage gegen Napoleon in der Schlacht bei Friedland wurde der Krieg mit dem Frieden von Tilsit beendet.536 Im Frieden von Tilsit am 9. Juli 1807537 wurde aus den preußischen Erwerbungen der zweiten und dritten Teilung Polens sowie aus fast dem gesamten Netzedistrikt538 ← 75 | 76 → das „Herzogtum Warschau“539 errichtet.540 Der neue kleine polnische Staat wurde durch eine Personalunion mit dem Königreich Sachsen verbunden.541 Danzig wurde von Preußen abgetrennt und bestand nun als ein...

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