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Zur Aktualität klassischer Orgelschulen

Evaluation – Akzeptanz – Ausblick

Diana Rieger

Zeitgemäße Vermittlung und Qualitätssteigerung des Orgelspiels ist seit Jahrhunderten ein zentrales Anliegen von Organisten. Dies spiegelt sich auch in den Orgelschulen wider. Diese Untersuchung betrachtet schwerpunktmäßig repräsentative Lehrwerke des 18. bis 20. Jahrhunderts aus dem deutschen, belgischen, französischen und italienischen Raum, ergänzend angloamerikanische sowie zeitgenössische Schulen. Was aus diesen lehr- und lernbar ist, warum und wie gerade ältere Schulen den Orgelunterricht bereichern können, wird aufgezeigt.
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4. Frankreich

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Orgelmusik hat in Frankreich seit Jahrhunderten Tradition. Eine erste große Blütezeit erfuhr sie im 17. und 18. Jahrhundert. Zu erwähnen sind Jean (Jehan) Titelouze (1562/63–1633) und Komponisten wie Louis Couperin (1626–1661), Guillaume-Gabriel Nivers (um 1632–1714), Louis Marchand (1669–1732), Nicolas de Grigny (1672–1703), Louis-Nicolas Clérambault (1676–1749), François Couperin (1668–1733). Letztgenannter verfasste mit seiner L’Art de toucher le clavecin (1717) ein Lehrwerk zum Tasteninstrumentalspiel, das, wenngleich nicht speziell auf die Orgel, sondern auf das Cembalo bezogen, dennoch wertvolle Hinweise für das Orgelspiel der Epoche gibt; denn eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Tasteninstrument existierte zu dieser Zeit noch nicht. Das in theoretischen Schriften tradierte Wissen leistete einen entscheidenden Beitrag, die Ausbildung damaliger Musiker zu verbessern. Sowohl in der höfischen Kultur als auch in der Kirche waren Tastenspieler gefragt. So nimmt die Orgel im römisch-katholischen Ritus einen festen Platz ein. Mit Ausnahme des den Opferteil der Messe musikalisch ausgestaltenden „Offertoires“, sollten die in die Liturgie eingebetteten Orgelstücke vor allem kurz sein und in ihrem Charakter der religiösen Handlung entsprechen. Darum wurden die unterschiedlichen Messteile mit spezifischer Registrierung versehen, was auch eine enge Verbindung zwischen Registrierung und Satztypus bedingt. Diese ist typisch für klassisch-französische Orgelmusik. So sind Werke oft mit Registrierangaben als Titel überschrieben, zum Beispiel Grand jeu, Plein jeu, Basse de Trompette. Das heißt, dass Art und Stilelemente einer Komposition maßgeblich an eine standardisierte Klangmischung gebunden sind.

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