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Der junge Adolf Bastian, 1826 bis 1860

Auf dem Weg zu einer neuen Wissenschaft vom Menschen

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Jutta E. Bellers

Adolf Bastian etablierte die Ethnologie als akademisches Fach. Die Biographie seiner frühen Lebensphase war bislang ethnologiegeschichtlich ein Desiderat. Archivalische Quellen beleuchten Einflüsse auf sein Denken aus dem protestantischen Bremer Bürgertum und seiner Studienzeit im Vormärz. Über ethnologische Fragestellungen hinaus führt dies zu philosophischen Überlegungen seiner Idee einer Wissenschaft vom Menschen, seinen Idealen und Hoffnungen in die Forschung. Impulse dazu entstammen dem Denken Spinozas, Kants, Herder, Humboldt, Krauses und Fechners. Infolgedessen unternimmt er eine Weltreise. In dem neu bearbeiteten Itinerar ist Angola eine seiner Stationen. Zu dieser Etappe verfasste Bastian einen Reisebericht. Dieser enthält seine Sicht auf afrikanische Glaubensvorstellungen.
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6. Schlussbetrachtung

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6. Schlussbetrachtung

Der junge Adolf Bastian, 1826 bis 1860. Auf dem Weg zu einer neuen Wissenschaft vom Menschen ist ein biographischer Ansatz, der mit der Aufarbeitung seines Lebensweges im Spiegel der Familien-, Stadt- und Sozialgeschichte in Bremen und deren Ausprägungen in Religion und Kultur beginnt. Sie zeigt, wie der Schüler aus dem Selbstverständnis protestantischen Bürgertums und dem Kulturverständnis des Deutschen Idealismus eine Weltanschauung gewinnt, an der er sich in seinem Lebensentwurf orientiert und die er auch zur Grundlage seines theoretischen Denkens in seiner Wissenschaft vom Menschen macht.

Die erfolgreiche Umsetzung ökonomischer Prinzipien erfährt Adolf Bastian in der eigenen Familie (s. Kap. 2.1). Das Selbstverständnis der freien Bürger Bremens stützte sich auf die Handelsfreiheit, die wie bei Bastians zugezogenem Großvater durch die vereidigte Aufnahme in die Bürgerschaft verliehen wurde und ihm in der ständisch gegliederten Gesellschaft politische Partizipation ermöglichte, aber auch zu gemeinnützigem Handeln verpflichtete. Die Überseekaufleute setzten durch den Welthandel das fort, was sie in den vergangenen Jahrhunderten in der Unio hanseatica mit ihren ökonomischen Netzwerken erreicht hatten: Ihre Stadtrepublik war trotz der Machtansprüche von Fürstbischöfen und Adel souverän geblieben.

Unter dem in der Aufklärung geprägten Begriff des nationalen Handelsgeistes wurde in Bremen der freie – durch die Monopole der Kolonialmächte nicht behinderte – weltweite Handel um 1800 zu einem Garanten für die Aufrechterhaltung ihrer staatlichen Souveränität. Es entstanden global agierende, in...

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