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Das Heilige als Problem der gegenwärtigen Religionswissenschaft

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Wolfgang Gantke and Vladislav Serikov

Die Beiträge in diesem Sammelband dokumentieren die heutige Diskussion um das Heilige, ein nach wie vor unerledigtes Problem der Religionswissenschaft. Sie wurden auf zwei verschiedenen Veranstaltungen präsentiert: einerseits auf dem Panel «Das Heilige als Problem in der Religionswissenschaft: Fragen und Perspektiven» der 31. Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft in Göttingen im September 2013, andererseits auf dem Symposium «Die Diskussion um das Heilige: alte Fragen – neue Antworten» an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main im November 2013. Es geht um drei Themenbereiche: das Werk Rudolf Ottos, Anwendung der Kategorie des Heiligen in der Religionsforschung sowie die theoretische Auseinandersetzung mit der Kategorie des Heiligen.
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»Wer das nicht kann, ist gebeten nicht weiter zu lesen« Otto als Paradigma einer unzeitgemäßen Methodologie?

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Die im Titel etwas gekürzt zitierte Formulierung Ottos gehört zweifellos zu denjenigen Aussagen, die der Rezeption seines Werkes bis in die Gegenwart nicht gerade förderlich gewesen sind. Keineswegs in einem Seitentrieb seines viel verzweigten Werkes versteckt, sondern an prominentester Stelle, nämlich zu Beginn des dritten Kapitels seines Hauptwerkes stehend, vermag sie selbst denjenigen Leser zu irritieren, der sich im gesunden Misstrauen gegen ausgetretene Rezeptionspfade und forschungsgeschichtliche Stilisierungen zum Quellenstudium bemüßigt sieht und zum berühmten Text von 1917 greift.1 In den ersten beiden Kapiteln vermag Otto zunächst durchaus subtil das Interesse für das Irrationale in der Religion zu evozieren und überrascht zudem mit der für einen Theologen unerwarteten Aufforderung zur Abstraktion von der spezifisch christlichen Perspektive samt ihren Begriffen und Dogmen, die zumindest dem zeitgenössischen Leser durchaus noch vertraut gewesen sein dürften. Just mit Beginn der eigentlichen Analyse des religiösen Erlebens in Kapitel 3 stößt man dann aber auf methodische Anweisungen, die dazu geeignet sind, die zuvor entfachte Neugier merklich abzukühlen. Bereits die einleitende Aufforderung, »sich auf einen Moment starker und möglichst einseitiger religiöser Erregtheit zu besinnen«,2 hat etwas Abweisendes, da derartige Momente doch eher untypisch für moderne Religiosität sind. Wenn die feinen Beobachtungen von Zeitgenossen Ottos wie etwa Georg Simmel oder Siegfried Kracauer zutreffen, so muss man nicht erst heute fragen, ob angesichts sich auflösender Evidenzen und religiöser Gegenstandswelten zugunsten eines Rückzugs in diffuse Zwischenwelten des inneren Erlebens...

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