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Von Freinet zu Freud: Die institutionelle Pädagogik von Fernand Oury

Übersetzt von Renate Kock und Erdmuthe Mouchet unter Mitwirkung von Claude Mouchet

Claude Mouchet and Raymond Bénévent

Das Buch widmet sich Fernand Oury (1920–1998), einem der bedeutendsten französischen Pädagogen des 20. Jahrhunderts, der jedoch in Deutschland so gut wie unbekannt ist. Originell und innovativ, führte er das von Célestin Freinet entwickelte pädagogische Konzept weiter und wendete es in den sogenannten Kasernen-Schulen der Pariser Nachkriegszeit an. Parallel dazu orientierte er sich an Freud, um unbewusste Phänomene in Schulklassen aufzuspüren. Die Autoren stellen die einzelnen Lebensetappen Ourys vor und gehen auch auf seine kämpferischen Auseinandersetzungen mit traditionellen Vorstellungen ein. Ihr Buch stellt die Hauptbegriffe der institutionellen Pädagogik vor und veranschaulicht die von Oury «Institutionen» genannten Neuerungen anhand von Beispielen aus seiner Schulpraxis und Äußerungen.
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Kapitel 2. Erste Schritte im Beruf des Lehrers (1939–1955)

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Fernand Oury berichtet in dem 1971 mit Aïda Vasquez geschriebenen Buch über seine Anfänge im Lehrerberuf1. Er wurde Lehrer, ohne die „École Normale“ (Pädagogische Hochschule), den Königsweg der Lehrer, zu durchlaufen, und somit ohne pädagogische Ausbildung. Sehr schnell bemühte er sich anzuwenden, was er schon als Pfadfinder gelernt hatte, um so seinen Klassen Leben zu verleihen – in seinen Augen genau das, was der traditionellen Schule fehlte. Aber das Milieu, in das er eingedrungen war, leistete ihm Widerstand. Die dadurch entstandene Entmutigung und eine persönliche Krise führten ihn in einen gewissen passiven Zustand, in dem er einige Jahre hindurch lediglich „funktionierte“ und sich seiner schulischen Umgebung anpasste. Die Entdeckung von Freinet und seiner Pädagogik bei einem Ferienkurs in Cannes (1949) stellte das Ende dieser Lehrjahre dar und bestätigte viele seiner Überzeugungen. Sie brachten ihm Antworten auf Schwierigkeiten, die er bis dahin nicht lösen konnte. Auf diese Weise fand er sich in einer Forschungssituation wieder, über die er in seinem 1955 veröffentlichten Bericht Rechenschaft ablegte. Damit trat er im Grunde in seine pädagogische „Meisterjahre“ ein2. Im selben Jahr wechselte er seine Berufsrichtung und engagierte sich im Sonderschulwesen. Grund dafür war, dass er im klassischen Schulwesen keine hinreichend befriedigenden Bedingungen vorfand, um das umzusetzen zu können, woran er glaubte.

Im Jahre 1939, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges, hatte Fernand Oury festgestellt, dass seine mathematischen Fähigkeiten nicht dazu ausreichen würden, in einem...

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