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Von Freinet zu Freud: Die institutionelle Pädagogik von Fernand Oury

Übersetzt von Renate Kock und Erdmuthe Mouchet unter Mitwirkung von Claude Mouchet

Claude Mouchet and Raymond Bénévent

Das Buch widmet sich Fernand Oury (1920–1998), einem der bedeutendsten französischen Pädagogen des 20. Jahrhunderts, der jedoch in Deutschland so gut wie unbekannt ist. Originell und innovativ, führte er das von Célestin Freinet entwickelte pädagogische Konzept weiter und wendete es in den sogenannten Kasernen-Schulen der Pariser Nachkriegszeit an. Parallel dazu orientierte er sich an Freud, um unbewusste Phänomene in Schulklassen aufzuspüren. Die Autoren stellen die einzelnen Lebensetappen Ourys vor und gehen auch auf seine kämpferischen Auseinandersetzungen mit traditionellen Vorstellungen ein. Ihr Buch stellt die Hauptbegriffe der institutionellen Pädagogik vor und veranschaulicht die von Oury «Institutionen» genannten Neuerungen anhand von Beispielen aus seiner Schulpraxis und Äußerungen.
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Kapitel 5. Erster Bruch: Der Austritt aus der Freinet-Bewegung (1961)

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In dem schon von uns zitierten Beitrag in L’Éducateur von Juni 1960 schien Freinet anzuerkennen, dass der von Fernand Oury geführte Kampf, dem dieser sich schon seit einem Jahrzehnt gewidmet hatte, legitim war1. Aber kaum ein Jahr später verließ Oury die Freinet-Bewegung. Was war in diesem Jahr geschehen, wodurch sich diese kaum vorhersehbare Entscheidung erklären lässt? Aus den Schriften Fernand Ourys lässt sich nicht entnehmen, dass er die grundlegenden Prinzipien der Freinet-Pädagogik tatsächlich aufgegeben hätte. Im Gegenteil: Oury bezieht sich auch nach 1961 weiterhin auf die Techniken von Freinet und seinen erklärten Willen, eine Volks-Pädagogik zu begründen. Er, Oury, verstand sich als derjenige, der Freinets Werk fortführte, wenn nicht sogar als sein Erbe. Im Übrigen akzeptierte er ab 1979, an einer Arbeitsgruppe, Genèse de la Coopérative, teilzunehmen, welche von nationalen Vertretern der Freinet-Bewegung gegründet worden war. Allerdings ist auch wahr, dass im Gedankengebäudes Ourys Elemente, die der Freinet-Pädagogik fremd waren, nach und nach Raum eingenommen hatten: Mit der Feststellung therapeutischer Wirkungen der „École Moderne“ hatte Fernand Oury die Bedeutung des Unbewussten und der Übertragung in der Klasse entdeckt. Daraus entstand eine eigene Problematik, die zwar auf den Beiträgen Freinets aufbaute, den Patriarchen von Saint Paul aber kaum zu begeistern schien.

Indessen lagen die Hauptgründe des Bruches nicht bei Oury selbst. Er wurde in die Krise hineingezogen, deren wichtigster Akteur Raymond Fonvieille war2. Dieser, 1947 in die...

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