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Ausbildungsabbruch und Biographie

Über Prozesse, Mechanismen und Wechselwirkungen in Lebensverläufen von Personen mit vorzeitiger Vertragslösung in der Berufsausbildung

Sebastian Klaus

Die vorzeitige Vertragslösung in außerakademischen Berufsausbildungen (Ausbildungsabbruch) ist seit Jahrzehnten ein regulärer Bestandteil des öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurses. Diese Untersuchung beleuchtet das Phänomen erstmals aus biographieanalytischer Perspektive und löst sich vom Fokus auf Gründe, Motive und Quoten. Das Ergebnis ist ein Prozessmodell eines typischen Verlaufs von der Kindheit bis hin zur biographischen und beruflichen Neuorientierung nach dem Ereignis. Das Prozessmodell zeigt nicht nur, dass die Entwicklungsgeschichte der Personen keineswegs so individuell ist, wie bislang angenommen wird. Es liefert ebenso Erklärungsmuster zu den Ursachen sowie Auswirkungen einer vorzeitigen Vertragslösung und eröffnet neue Ansatzpunkte zur Prävention beziehungsweise Kompensation.
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1 Einleitung

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Basis dieser Studie ist die Erarbeitung einer neuen Perspektive auf das Phänomen der vorzeitigen Vertragslösung in der Berufsausbildung. Im Kontrast zu bisherigen Forschungen geht es nicht darum, die Entwicklung der Quote zu betrachten oder Gründe und Motive zur vorzeitigen Vertragslösung zu sammeln und zu kategorisieren. Vielmehr werden die biographischen Grundlagen und Entstehungsprozesse des Ereignisses der vorzeitigen Vertragslösung herausgefiltert. Es handelt sich somit um einen Blick hinter die Kulissen, der sich in einer Suche nach generalisierungsfähigen Prozessen, Mechanismen und weiteren Aspekten, die den Biographien von Personen mit vorzeitiger Vertragslösung inhärent sind, widerspiegelt. Darüber wird auch die Einbindung des Ereignisses in den gesamtbiographischen Kontext möglich und es offenbaren sich die Wechselwirkungen zwischen Biographie und vorzeitiger Vertragslösung. Vor allem in diesem Bereich sind erhebliche Forschungsdefizite der Thematik zu verzeichnen. Zusätzlich wird ein gesonderter Fokus auf die berufliche und biographische Entwicklung der Betroffenen nach dem Ereignis gesetzt, da sich diese Phase im Zusammenhang mit einer vorzeitigen Vertragslösung bislang als stark vernachlässigt erweist.

Die neue Perspektive wird in Form einer Theoriegenerierung erbracht, folgend der gegenstandsbezogenen Theoriebildung im Sinne der Grounded Theory, bei der eine stetige Verzahnung von Datenerhebung und -auswertung forschungsleitend ist. Darüber eröffnet sich das Potential der Betrachtung der sozialen Wirklichkeit aus der Sicht der von einer vorzeitigen Vertragslösung Betroffenen. Die gelieferten Konstruktionen der Akteure in dem zur Datenerhebung genutzten autobiographisch-narrativen Interview bilden zwar die soziale Wirklichkeit nicht exakt ab, doch kommen sie...

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