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Ausbildungsabbruch und Biographie

Über Prozesse, Mechanismen und Wechselwirkungen in Lebensverläufen von Personen mit vorzeitiger Vertragslösung in der Berufsausbildung

Sebastian Klaus

Die vorzeitige Vertragslösung in außerakademischen Berufsausbildungen (Ausbildungsabbruch) ist seit Jahrzehnten ein regulärer Bestandteil des öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurses. Diese Untersuchung beleuchtet das Phänomen erstmals aus biographieanalytischer Perspektive und löst sich vom Fokus auf Gründe, Motive und Quoten. Das Ergebnis ist ein Prozessmodell eines typischen Verlaufs von der Kindheit bis hin zur biographischen und beruflichen Neuorientierung nach dem Ereignis. Das Prozessmodell zeigt nicht nur, dass die Entwicklungsgeschichte der Personen keineswegs so individuell ist, wie bislang angenommen wird. Es liefert ebenso Erklärungsmuster zu den Ursachen sowie Auswirkungen einer vorzeitigen Vertragslösung und eröffnet neue Ansatzpunkte zur Prävention beziehungsweise Kompensation.
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3.5 Die Relevanz der Lebenswelten

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3.5.1 Die Lebenswelten in der Identitätskonstellation

In der Identitätskonstellation muss eine Relevanzsetzung und Gewichtung der Lebenswelten durch alle Biographieträger vorgenommen werden. In der Regel sind der Beruf, die Familie und das Anregungsmilieu bzw. die soziale Welt vorhanden. Sie müssen aber nicht alle grundlegend implementiert sein. Die Gewichtung und Relevanzsetzung der Lebenswelten ist bedingt durch die Sozialisation und den biographischen Erfahrungsschatz der entsprechenden Personen. Sie haben in der Gewichtung und Relevanzsetzung eine Bastelarbeit zu vollziehen, die für jedes Identitätskonzept neu zu leisten ist. Die Stabilität der Gewichtung und auch der Lebenswelten selbst verspricht Stringenz. Sie ermöglicht eine ungestörte Lebensführung und Planung. Die Destabilisierung einer Lebenswelt führt daher auch zur Orientierung an einer anderen, um die Stabilität und Stringenz aufrechterhalten zu können. Innerhalb der Gewichtung und Relevanzsetzung der Lebenswelten kann es zu einem Übereinbringen oder zu einer strikten Trennung der Lebenswelten kommen. Der Beruf und/oder die Familie sind in der Regel kontrastiv zu dem Anregungsmilieu bzw. der sozialen Welt angelegt. Steht der Beruf am anderen Ende der Spannbreite zum Anregungsmilieu, dann ist die Familie als Bindeglied der Lebenswelten in der Mitte vorzufinden. Sie entspricht über die dort konstruierten Erwartungsfahrpläne sowohl dem Beruf als auch dem Anregungsmilieu, insofern dort Repräsentanten als biographische Berater und Begleiter vorhanden sind, die nicht im Kontext Beruf stehen. Gerade der Kontrast zwischen dem Beruf und dem Anregungsmilieu bzw. der sozialen Welt fordert bei den Bestrebungen des Zusammenbringens der Lebenswelten...

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