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Dean Gyoyuk – Reformpädagogik in Südkorea

Jung-In Lee

Die Reformpädagogik – genannt Dean Gyoyuk – stellt eine Neubestimmung der Humanität in den pädagogischen Konzepten in Südkorea dar. Insbesondere die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit steht im Mittelpunkt des pädagogischen Handelns. Vor diesem Hintergrund strebt die Reformpädagogik eine humanitäre Gesellschaft an, in der gute Schulzeugnisse und die Höhe der formalen Bildungsabschlüsse nicht mehr der alleinige Kategorisierungsmaßstab für die Menschen sein sollen. Dean Gyoyuk markiert somit einen Wendepunkt in der bisherigen südkoreanischen Bildungsentwicklung. Diese Untersuchung befasst sich mit der Bildungsgeschichte, dem Bildungssystem sowie aktuellen reformpädagogischen Bewegungen in Südkorea. Erziehung und Bildung werden vor dem Hintergrund geschichtlicher, kultureller, gesellschaftlicher und bildungspolitischer Kontexte analysiert und interpretiert.
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2. Überblick über die Bildungsgeschichte in Südkorea

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Südkorea kann auf eine lange Tradition der Bildung und Erziehung zurückblicken, die mit der weit zurückreichenden und vielfältigen Geschichte des konfuzianisch geprägten Staates zusammenhängt. Bereits im 10. Jahrhundert zu Beginn der Koryo-Dynastie (918–1392), etablierte sich eine Führung aus der herrschenden Schicht der sogenannten hochgebildeten Gelehrten, die den Konfuzianismus zur Staatsideologie machten und damit nicht zuletzt die Vorherrschaft ihrer Gesellschaftsschicht rechtfertigten (Radio Korea International, Korean Broadcasting System, Nationales ← 49 | 50 → Institut für Internationale Entwicklung der Bildung und Bildungsministerium 1995; Schoenfeldt 1996). Die später in der Chosun-Dynastie (1392–1910)24 als Yang-ban (양반) bekannten Aristokraten nahmen nicht nur den Zugang zur Macht, sondern auch den zu elitären Bildungs- und Erziehungschancen im öffentlichen Bildungswesen sowie schließlich die Verfügungsmacht über Wissen überhaupt für sich in Anspruch. Bildung und Erziehung an sich wurden als Symbole für menschenwürdiges Leben verehrt und gleichzeitig als einziges Mittel für den sozialen Aufstieg betrachtet, wobei sie als Privilegien nur einer kleinen Minderheit von höherem Stande, eben der Yang-ban-Klasse, vorbehalten blieben. Das Studium der konfuzianischen Klassiker war nur den Söhnen von höchstrangigen Beamten gestattet. Den Zugehörigen anderer gesellschaftlicher Schichten wurden nur praktisch orientierte Disziplinen wie Recht, Kalligrafie oder Rechnungswesen beigebracht. Frauen fanden im offiziellen Bildungswesen keine Be­rücksichtigung. Vornehme Familien ließen ihre Töchter zu Hause die chinesische Schrift erlernen und die Klassiker studieren (Woo 2008; Machetzki/Pohl 1988; Schoenfeldt 1996). Nur die Aristokraten konnten es sich leisten,...

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