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Symbolarme Republik?

Das politische Zeremoniell der Weimarer Republik in den Staatsbesuchen zwischen 1920 und 1933

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Michael Meyer

Diese der Neuen Politikgeschichte verpflichtete Studie untersucht die Repräsentationspolitik der Weimarer Republik anhand der drei Staatsbesuche, die zwischen 1920 und 1933 stattfanden. Durch die umfangreiche Auswertung der einschlägigen deutschen und englischen Archivbestände, sowie die Einbeziehung der nationalen wie internationalen Pressereaktionen wird ihre große politische und gesellschaftliche Bedeutung deutlich. Der Mythos von der «symbolarmen Republik» erweist sich in der Analyse als haltlos, da eine das staatliche Selbstverständnis der Republik betonende Repräsentationspolitik erkennbar wird.
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6. „Die Fassade der Republik“ oder: Wie sich die Republik in den Staatsbesuchen präsentierte

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6.1 Ein leistungsstarkes Deutschland

Was aber war es nun, das dem Beobachter der drei hier vorgestellten Staatsbesuche vom republikanischen Deutschland präsentiert wurde? Zunächst war es das Bild von einem leistungsstarken Deutschland. Bei der Gestaltung der jeweiligen offiziellen und inoffiziellen Aufenthaltsprogrammen wurde besonders Wert auf Orte und Veranstaltungen des Schaffens gelegt, und zwar in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Technik. Die Besichtigung von Museen, Schlössern oder anderen repräsentativen Sehenswürdigkeiten hatte in den Besuchsprogrammen ihren Platz, nahmen aber nicht solch einen Stellenwert ein, wie die Besichtung von Unternehemen oder wissenschaftlichen Einrichtungen. Hier wurde den Gästen ein innovatives, tüchtiges und aus dem tiefen Einbruch der Nachkriegsjahre wieder aufsteigendes Deutschland präsentiert.376

Leuchtendes Symbol für die wirtschaftliche Erholung und traditionsreicher, globaler Außenhandelsbeziehungen war der Hamburger Hafen. Die Bestimmungen des Versailler Vertrages hatten auch hier zu schweren Einbrüchen geführt. So war fast die gesamte Handelsflotte verloren gegangen und nahezu sämtliche Handelsbeziehungen durchtrennt. Aber nachdem die ersten Lockerungen in Kraft getreten waren, begann ein schneller Wiederaufstieg. Gemessen an der Tonnage, war bereits 1923 der Vorkriegszustand wieder erreicht – freilich begünstigt durch die seither erzielten technischen Fortschritte. Der Schiffsverkehr florierte, sodass Hamburg 1929 – gemessen an der Tonnage – erstmals in der Nachkriegszeit die Häfen Rotterdam und ← 127 | 128 → Antwerpen übertraf.377 General Calles und König Fuad378 wurde der größte und leistungsstärkste Hafen Deutschlands präsentiert und während der Hafenrundfahrt konnten sie die Geschäftigkeit und Weite...

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