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Rudolf Michael

Vom Kaiserreich zur Bild-Zeitung: Ein deutsches Journalistenleben im 20. Jahrhundert

Christian Sonntag

Er war einer der erfolgreichsten Journalisten in der jungen Bundesrepublik: Rudolf Michael (1890-1980) machte Bild zur größten und wichtigsten Boulevardzeitung Deutschlands. Sein Erfolgskonzept, der desillusionierten deutschen Nachkriegsgesellschaft möglichst wenig Politik zu bieten, ging grandios auf. Michaels faszinierende Medienkarriere startete im Kaiserreich. In den 1920er Jahren war er Chefredakteur des Hamburgischen Correspondenten, das Dritte Reich überlebte er als Innenpolitikchef beim Hamburger Fremdenblatt. Dort schrieb er bis April 1945 Durchhaltepropaganda. Anhand seines außergewöhnlichen Journalistenlebens erzählt das Buch ein spannendes Stück deutscher Mediengeschichte im 20. Jahrhundert. Einen besseren Einstieg in das Thema kann es kaum geben.
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Der Anfang

Wie sehr Michael inzwischen in der Gunst Axel Springers gestiegen war, zeigte die Tatsache, dass er im Frühjahr 1952 zu den Gesprächen über die Gründung einer bundesweiten Straßenverkaufszeitung hinzugezogen wurde. Diese fanden hoch über der Elbe auf Springers prächtigem neuen Wohnsitz, dem Falkenstein, statt. Neben den Abendblatt-Redakteuren Michael, Siemer und Rolf von Bargen gehörte Springers Partner Karl Andreas Voss sowie die Vertriebs- und Anzeigenchefs des Hauses zu der illustren Runde. Vor allem Voss stand dem Projekt skeptisch gegenüber, aber auch Michael schien zunächst kein begeisterter Anhänger der Idee zu sein. Bei den späteren Treffen war er nicht mehr dabei, und als die Bild-Zeitung am 24. Juni 1952 startete, ging Michael beim Abendblatt weiter seiner täglichen Arbeit nach.

Dabei war Bild zunächst eine Reaktion auf den großen Erfolg der Hamburger Morgenpost. Diese erste Straßenverkaufszeitung in Hamburg verkaufte sich im Frühjahr 1952 bereits 130.000 Mal täglich und ging damit dem erfolgsbesessenen Springer gehörig auf die Nerven. Wie so oft, erfolgte dessen Antwort im großen Stil: Die „Zeitung eines völlig neuen Typs“ startete mit einer Auflage von 500.000 Exemplaren und wurde am Einführungstag bundesweit kostenlos verteilt. Bild sollte die Zeitung für Deutschland werden. Den großen Zielen konträr gegenüber stand die kleine Redaktionsmannschaft, die das Schiff schaukeln sollte. Sie bestand im Wesentlichen aus Redakteuren des Abendblatts und wurde angeführt...

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