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Fenster zur Welt

Interkultureller Film, marginalisierte Jugendliche und Performance-Autoethnographie

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Johann Wendel

Das Projekt Fenster zur Welt erforscht die kulturellen Praxen von marginalisierten Kindern und Jugendlichen in Brasilien, Deutschland und der Türkei, die ihre eigenen Kurzfilme erstellen und ihre Erfahrungen durch Webcam, YouTube und Blogs miteinander teilen. Die Studie stellt diese Prozesse als Performance-Autoethnographie dar, die vor allem das gesprochene Wort, das Interaktive und das Visuelle betont. In einer Perspektive der Cultural Studies und der Performance Studies hinterfragt sie die Hierarchie der an der Forschung Beteiligten und hebt die Stimmen der Kinder und Jugendlichen hervor, die in Forschungsberichten ähnlicher Projekte meist zum Schweigen verurteilt sind. Somit entwickelt die Studie einen kritischen Ansatz zur Entwicklung von Praxisprojekten der digitalen Inklusion für das 21. Jahrhundert.
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4. Die Bildkonstruktion im interkulturellen Raum

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In diesem Kapitel sollen zwei auf den ersten Blick verschiedene Dimensionen des Projekts Fenster zur Welt, die jedoch untrennbar miteinander verknüpft sind, gemeinsam betrachtet werden: Es geht einerseits um den Aspekt der Interkulturalität oder, allgemeiner, der Alterität, wie er auf den unterschiedlichsten Ebenen des Projekts zum Ausdrucks kommt (etwa in den Beziehungen zwischen Kindern aus Brasilien, Deutschland und der Türkei, zwischen Kindern ein und derselben Gruppe, zwischen den Kindern, ihren Eltern und mir, zwischen verschiedenen Institutionen und dem Projekt usw.); andererseits geht es um den Aspekt der Visualität und der Bildkonstruktion, der sowohl bei unseren inneren Fremdbildern, bei den Unterhaltungen der Kinder per Webcam-Chat, bei ihrer Bildkonstruktion innerhalb des Filmprojekts und letztlich bei der Bildkraft, der Imagination allgemein eine bedeutende Rolle spielt. Der US-amerikanische Kunst- und Literaturwissenschaftler W.J.T. Mitchell proklamierte gegen Ende des 20. Jahrhunderts die „ikonische Wende“ („iconic turn“), wodurch er die wachsende Bedeutung des Bildes durch Fotografie, Kino, Fernsehen und Video für die Gegenwart beschrieb. Meine These ist, dass sich bei Projekten wie Fenster zur Welt, die die Begegnung mit dem Anderen mit praktischer künstlerischer Arbeit verbinden, eine Bewegung des Individuums, ein „Aus-sich-Heraustreten“ (Wulf, Interkulturelle Pädagogik 105) aller Beteiligten vollzieht, und zwar einerseits im Sinne eines „heterologischen Denkens“ (Wulf, Interkulturelle Pädagogik 45), eines Betrachtens des Selbst vom Anderen her, und andererseits im Sinne einer Ausstülpung, einer Konkretisierung von Bildern aus der Innenwelt der Kinder, die sich in visuellen Kunstwerken, in phantasievollen Narrativen ausdrückt. Sowohl die Begegnung mit...

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