Show Less
Restricted access

Eine Wiederbegegnung im neuseeländischen Exil

Der Briefwechsel von Karl Wolfskehl mit Otti und Paul Binswanger (1939-1948)

Series:

Edited By Friedrich Voit

In den Korrespondenzen Karl Wolfskehls aus den Jahren seines neuseeländischen Exils, die er mit über den Globus verstreuten Freunden und Bekannten geführt hat, erscheint der antipodische Inselstaat als exemplarisches Exilland der Zeit, als europaferne «Ultima Thule des Südens». Im Gegensatz dazu gibt Wolfskehls Briefwechsel mit Otti und Paul Binswanger einen nicht stilisierten Einblick in das äußere wie innere Leben des gemeinsam geteilten Exils am anderen Ende der Welt, wo man freilich über 1000 km voneinander getrennt lebte: der Dichter in Auckland und der Gelehrte mit seiner künstlerisch wie schriftstellerisch begabten Frau in Christchurch auf der Südinsel. Diese Briefe sind ein bewegendes Zeugnis der Freundschaft und des wechselseitigen Zuspruchs in schwierigen Zeiten.
Show Summary Details
Restricted access

Der Briefwechsel

← 12 | 13 → Der Briefwechsel

Extract

Den Briefwechsel eröffnete Karl Wolfskehl als Erwiderung auf freundliche Worte, die Otti Binswanger über ihn in einem Brief an eine gemeinsame Bekannte in Auckland geäußert hatte. Diese Bekannte war die Psychoanalytikerin Grete Christeller (1895–1964). Nach dem Tode ihres Mannes, des Histologen Prof. Dr. Erwin Christeller (gest. 1928), hatte sie sich Anfang der 30er Jahre bei C. G. Jung in der Schweiz ausbilden lassen und war dann auf Grund ihrer jüdischen Herkunft mit ihren beiden Kindern Gert (1922–2001) und Eva (1925–2004) nach Italien und dann nach Neuseeland emigriert. Die Ankunft in Auckland im Februar 1939 war Wolfskehl bereits einige Wochen zuvor von Stefan Vallentin angekündigt worden,1 mit der Bitte seinen Freund, den 16jährigen Gert zu empfangen. Es kam dann auch zu Begegnungen, bei denen Wolfskehl mit dem jungen Flüchtling deutsche Dichtungen las.2

Grete Christeller hatte die Binswangers wohl in Italien kennengelernt und scheint sich bei ihnen nach den Möglichkeiten eines Wechsels nach Christchurch erkundigt zu haben, wohin sie wenig später umzog. Sie lebte dort mit ihrer Familie und konnte auch als Psychotherapeutin praktizieren.3 Ein loser Kontakt mit Wolfskehl blieb bestehen und Eva besuchte ihn in Auckland, kurz bevor sie Neuseeland 1947 zur ihrer weiteren Ausbildung als Geigerin verließ.4

Wolfskehl bediente sich, als nach Kriegsbeginn alle seine Post der Zensur unterlag, besonders dann der englischen Sprache, wenn er hoffte, so vermeiden zu ← 13 | 14 → können, dass seine mit der Hand deutsch geschriebenen und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.