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Multimodale Kommunikation im Social Web

Forschungsansätze und Analysen zu Text–Bild-Relationen

Series:

Christina Margrit Siever

Multimodalität ist ein typisches Merkmal der Kommunikation im Social Web. Der Fokus dieses Bandes liegt auf der Kommunikation in Foto-Communitys, insbesondere auf den beiden kommunikativen Praktiken des Social Taggings und des Verfassens von Notizen innerhalb von Bildern. Bei den Tags stehen semantische Text-Bild-Relationen im Vordergrund: Tags dienen der Wissensrepräsentation, eine adäquate Versprachlichung der Bilder ist folglich unabdingbar. Notizen-Bild-Relationen sind aus pragmatischer Perspektive von Interesse: Die Informationen eines Kommunikats werden komplementär auf Text und Bild verteilt, was sich in verschiedenen sprachlichen Phänomenen niederschlägt. Ein diachroner Vergleich mit der Postkartenkommunikation sowie ein Exkurs zur Kommunikation mit Emojis runden das Buch ab.
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4 Social Sharing

4  Social Sharing

Das Social Sharing oder auch kurz Sharing kann als »the constitutive activity of Web 2.0« (John 2013: 167) bezeichnet werden. Wie bereits in Kapitel 3.2 gezeigt, ist das Social Sharing nicht nur für Social-Sharing-Communitys, sondern generell für Social-Web-Communitys von Bedeutung, wenn auch für Social-Sharing-Communitys in besonderem Maße. John (2013: 178) versteht unter Sharing ganz allgemein die Partizipation im Social Web und fasst darunter sowohl die Distribution von Objekten als auch die Kommunikation. In seinem Aufsatz zeigt er auf, wie das Wort Sharing im Kontext des Social Webs eine weitere Bedeutung erhalten hat: Während man einst unter Sharing das distribuieren von konkreten Objekten verstand, bezieht sich der Ausdruck mittlerweile auch auf »fuzzy objects of sharing« (ebd.: 168). Gemeint sind damit Verwendungen des Ausdrucks in Phrasen wie »Share your life«, in denen nicht klar ist, was darunter konkret verstanden wird (ebd.: 173). In dem in Kapitel 3.2 bereits zitierten Werbeslogan »Share your life in photos« ist immerhin die Art und Weise dieses Sharings angegeben. Schließlich zeigt John (2013: 174) auf, dass das Verb to share mittlerweile sogar ohne Objekt verwendet wird. So war beispielsweise auf der Startseite von Flickr nach dem Relaunch vom 20. Mai 2013 zu lesen: »Share in full resolution«.

In Social-Sharing-Communitys kann prinzipiell alles geteilt werden, was digital vorliegt, wobei Links144, Fotos und Videos zu den meistgeteilten Daten im Social Web zählen (vgl. Ebersbach et al. 2011: 119). Weitere bekannte Anwendungen sind Scribd für Textdokumente und SlideShare für Präsentationen (vgl. Griesbaum 2013: 565). Üblicherweise werden die geteilten Objekte auf einzelnen Sites präsentiert, insbesondere wenn es sich um Bilder handelt, seien sie statisch oder dynamisch.

Das Social Sharing als wichtige Komponente des Social Webs wurde bereits in Kapitel 3.2 thematisiert, weshalb im vorliegenden Kapitel nur en passant nochmals auf einige Spezifika des Social Sharings eingegangen werden soll. Im Mittelpunkt dieses Kapitels steht das Foto-Sharing im Social Web im Allgemeinen (Kapitel 4), danach wird in Kapitel 4.2 das Sharing in Foto-Communitys beleuchtet. Sodann ← 103 | 104 → wird in Kapitel 4.3 auf die Foto-Sharing-Community145 Flickr konkreter eingegangen, da Flickr-Fotoseiten den Forschungsgegenstand der empirischen Analyse darstellen. Zunächst werden einige allgemeine Charakteristika der Community und im Anschluss daran in Kapitel 4.4 die auf der Kommunikationsplattform anzutreffenden Möglichkeiten der Kommunikation und konkrete Nutzungsweisen erläutert.

4.1  Foto-Sharing im Social Web

Um Fotos im Social Web teilen zu können, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Einerseits ist ein (Breitband-)Internetanschluss erforderlich, andererseits ein Gerät, mit dem Fotos digital erstellt oder digitalisiert146 werden können. 2012 nutzten 75,9 % der Deutschen das Internet (vgl. van Eimeren, Frees 2012: 363) und laut dem Bundesamt für Statistik (2013) verfügten 85 % der Haushalte in Deutschland im Jahr 2012 und ebenso viele Haushalte in der Schweiz im Jahr 2010 über einen Internetanschluss. In Österreich hatten 79 % der Haushalte im Jahr 2012 einen Internetzugang. Beträchtliche Unterschiede bei der Internetnutzung sind hinsichtlich des Faktors Alter auszumachen: Seit 2010 nutzen in Deutschland 100 % der 14–19-Jährigen das Internet147, bei den 30–39-Jährigen waren es 2012 schon 97,6 %, bei den 50–59-Jährigen immerhin noch 76,8 %, bei den über 60-Jährigen allerdings nur 39,2 % (vgl. van Eimeren, Frees 2012: 363). Der oben genannte Durchschnittswert von 75,9 % muss also vor dem Hintergrund des Faktors Alter betrachtet werden: Von der berufstätigen Bevölkerung sind 90,7 % Onliner (vgl. ebd.: 363). Um Fotos ins Netz zu stellen, ist ein Breitbandanschluss von Vorteil. Mittlerweile sind Breitbandanschlüsse weit verbreitet: 2011 war in 78 % der Haushalte in Deutschland, in 77 % in der Schweiz und in 72 % in Österreich ein Breitbandanschluss verfügbar (vgl. Bundesamt für Statistik 2012).

In 98 % der Online-Haushalte in Deutschland sind Mobiltelefone (gemeint sind sowohl Feature-Phones als auch Smartphones) vorhanden (vgl. Klumpe 2012: 391). Wie viele davon mit einer integrierten Kamera ausgestattet sind, wurde nicht erhoben, doch dürfte der Prozentsatz relativ hoch sein. Zudem verfügten 67 % der deutschen Haushalte im Jahr 2012 über eine digitale Fotokamera (vgl. ← 104 | 105 → Statista 2012). Auch in 98 % der deutschen Haushalte, in denen 12–19-Jährige leben, sind Mobiltelefone vorhanden, wovon 95 % eine integrierte Kamera haben (vgl. JIM-Studie 2012: 53). Darüber hinaus sind 93 % dieser Haushalte mit einer Digitalkamera ausgestattet, wobei nicht zwischen Foto- und Videokameras unterschieden wurde (vgl. JIM-Studie 2012: 6). Für die Schweiz liegen ähnliche Daten vor: 99 % der Haushalte verfügen über Mobiltelefone, 98 % über digitale Fotokameras und 64 % über digitale Videokameras (vgl. JAMES-Studie 2012: 12).148

Die Zahlen zeigen ganz klar: Sowohl (Breitband-)Internetanschlüsse als auch Geräte zur Erstellung von digitalen Fotos gehören in Haushalten im deutsch-sprachigen Raum mittlerweile zur Standardausstattung, insbesondere bei der jüngeren Generation. Die Frage, die sich daran anschließt, lautet, inwiefern diese Ausstattung auch genutzt wird, um Fotos zu erstellen, und ob diese Bilder im Social Web geteilt werden.

Zur Nutzung von Digitalkameras und Mobiltelefonen können die JIM- und die JAMES-Studie von 2012, in denen das Mediennutzungsverhalten von 12- bis 19-Jährigen in Deutschland und der Schweiz analysiert wurde, herangezogen werden; Studien für die übrigen Altersgruppen liegen nicht vor. 37 % der deutschen Jugendlichen nutzen das Mobiltelefon, um Fotos oder Filme zu erstellen (vgl. JIM-Studie 2012: 56), bei den Jugendlichen in der Schweiz sind es sogar 56 % (vgl. Willemse et al. 2012: 49). Wahrscheinlich ist der Länderunterschied auf die unterschiedliche Verfügbarkeit von Smartphones zurückzuführen: Während in der Schweiz 79 % der Jugendlichen ein Smartphone besitzen (vgl. JAMES-Studie 2012: 46), sind es in Deutschland lediglich 47 % (vgl. JIM-Studie 2012: 52).149 Diese Vermutung wird dadurch erhärtet, dass die Daten aus Deutschland für das Jahr 2012 praktisch deckungsgleich mit denen aus der Schweiz von 2010 sind: 2010 waren es in der Schweiz ebenfalls noch 47 %, die ein Smartphone besaßen (vgl. Waller, Süss 2012: 35) und in diesem Zeitraum fotografierten und filmten 36 % mit dem Mobiltelefon (vgl. Willemse et al. 2012: 50). ← 105 | 106 →

Auch das regelmäßige150 digitale Fotografieren mit einer Kamera hat in der Schweiz gegenüber 2010 von 25 % auf 33 % zugenommen (vgl. Willemse et al. 2012: 18), in Deutschland von 31 % auf 34 % (vgl. JIM-Studie 2010: 11, JIMStudie 2012: 12). Zahlen einer Kodak-Studie zur Verwendung von Digitalkameras und in Mobiltelefonen integrierten Kameras zeigen, dass bereits 2010 von den insgesamt weltweit jährlich geschossenen rund 480 Milliarden digitalen Fotos knapp 180 Milliarden, also 37 %, mit Handys erstellt wurden (vgl. Steinschaden 2010: 21). Hinsichtlich des Foto-Sharings im Social Web gilt es also zu bedenken, dass wahrscheinlich ein beachtlicher Teil der Fotos von mobilen Geräten stammt. Längst ist die Post-PC-Ära angebrochen, die charakterisiert ist durch rückläufige Verkäufe von herkömmlichen Desktop-Computern zugunsten von mobilen Geräten wie Smartphones, Laptops und Tablet-Computern.

So sehen auch Ebersbach et al. die Mobilität als einen wichtigen Faktor des zukünftigen Social Webs: Mit Post-PC-Geräten151 »stehen Geräte zur Verfügung, die stark personalisiert und immer greifbar sind. Schnell und zu jeder Zeit kann man Inhalte ins Netz stellen. Die Verbindung von Fotohandys zum Social Sharing ist in manchen Anwendungen bereits umgesetzt« (Ebersbach et al. 2011: 273–274). In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass Smartphone-Nutzerinnen und -Nutzer signifikant häufiger Fotos oder Videos ins Internet hochladen als Feature-Phone-Nutzerinnen und -Nutzer (vgl. Willemse et al. 2012: 31). Weiterhin ist erwähnenswert, dass Smartphones inzwischen auch als Urlaubskamera verwendet werden: 65 % der Smartphone-Besitzer erstellen mit ihrem Mobiltelefon Urlaubsfotos, 39 % verwenden daneben keine digitale Fotokamera (vgl. BITKOM 2013). Die Popularität der Smartphones als Kamera kann auf zwei Faktoren zurückgeführt werden: Zum einen können Urlaubsbilder auf dem Smartphone direkt bearbeitet und verschickt, zum andern umgehend in Social-Web-Anwendungen hochgeladen werden (vgl. BITKOM 2013). Mit der Zunahme von Smartphones wird folglich auch das Foto-Sharing im Social Web populärer werden. So ist der Anteil von deutschen Onlinehaushalten, die über ein Smartphone verfügen, von 2011 auf 2012 von 20 auf 33 % angestiegen (vgl. Klumpe 2012: 391). Auch der Anteil der Smartphone-Nutzerinnen und -Nutzer an allen Mobiltelefonbesitzern ← 106 | 107 → in Deutschland hat sich zwischen Januar 2010 und Dezember 2012 kontinuierlich und quasi linear erhöht (vgl. Abbildung 11).

Abbildung 11:  Anteil an Smartphone-Nutzenden von allen Mobiltelefonbesitzenden in Deutschland von Januar 2010 bis Dezember 2012 (Statista 2013)

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Geteilt werden Bilder – sei es von mobilen Geräten oder herkömmlichen Desktop-Computern aus – hauptsächlich in Social-Networking- und Social-Sharing-Communitys. 36 % der deutschen Onliner nutzen Social-Networking-Communitys regelmäßig, 43 % gelegentlich, das heißt rund Dreiviertel der Onliner sind in solchen Communitys aktiv (vgl. Busemann, Gscheidle 2012: 387). Folgt man der ARD/ZDF-Onlinestudie, so laden 12 % dieser Nutzerinnen und Nutzer regelmäßig Fotos hoch, 68 % nutzen diese Möglichkeit überhaupt (vgl. ebd.: 383). Es zeigt sich auch hier eine Diskrepanz zwischen aktiver und passiver Nutzung: 47 % der Userinnen und User schauen sich häufig Fotos in Social-Networking-Communitys an und sämtliche Nutzerinnen und Nutzer sind dieser Tätigkeit schon irgendwann einmal nachgegangen (vgl. ebd.: 383).

Im Vergleich dazu sind Foto-Communitys weitaus unpopulärer: In den Jahren 2007 bis 2011152 nutzten lediglich 2 bis 7 % der Onliner solche Communitys regelmäßig, die gelegentliche Nutzung lag im selben Zeitraum zwischen 15 und 25 % (vgl. ebd.: 387). 2008 hatten immerhin 23 % der Onliner schon einmal eine Foto-Community besucht, wobei 68 % davon lediglich Fotos angeschaut haben. Immerhin knapp ein Drittel davon hat schon selbst Bilder hochgeladen, was einen Anteil von 7 % der Onliner ausmacht, wohingegen auf Wikipedia und ← 107 | 108 → Videoportalen lediglich 3 % der Onliner User Generated Content produziert haben (vgl. Fisch, Gscheidle 2008: 361). Es lässt sich zudem konstatieren, dass über den gesamten Erhebungszeitraum (2007–2012) Anwendungen wie Twitter, Lesezeichensammlungen, virtuelle Spielewelten und Blogs noch deutlich weniger genutzt wurden als Foto-Communitys. Auch 2012 nutzten nur 2 % aller Onliner regelmäßig und 4 % gelegentlich Twitter, Weblogs wurden von 2 % der Nutzerinnen und Nutzer regelmäßig und von 7 % gelegentlich verwendet (vgl. Busemann, Gscheidle 2012: 387). Bei den Jugendlichen in Deutschland sind es immerhin 9 %, die regelmäßig Fotos ins Social Web laden, Social-Networking-Communitys ausgenommen (vgl. JIM-Studie 2012: 38), bei den Schweizer Jugendlichen sind es 11 % (vgl. Willemse et al. 2012: 31).

Die größte Foto-Community weltweit stellt Flickr mit über 8 Milliarden Fotos dar. Doch auch auf Social-Networking-Communitys spielt Foto-Sharing eine tragende Rolle: So waren bei Facebook im Januar 2013 bereits über 240 Milliarden Fotos gespeichert; monatlich kommen im Durchschnitt mittlerweile über 10 Milliarden Bilder hinzu.153 In Social-Collecting-Communitys wie Pinterest können ebenfalls eigene Bilder geteilt werden, wobei der Hauptzweck der Anwendung darin besteht, Bilder-Fundstücke im Netz zu sammeln und zu verbreiten. Weblogs und Microblogs sind weitere Anwendungen des Social Webs, in denen Fotos geteilt werden. Seit August 2011 ist es möglich, Fotos direkt in Tweets einzubinden (vgl. Reißmann 2011). Während gewöhnliche Blogeinträge oftmals Texte sind, die mit einem oder allenfalls mehreren Bildern illustriert sind, stehen bei Fotoblogs die Fotografien im Zentrum. Im Blogging-Dienst Tumblr können wahlweise separat oder kombiniert Texte, Zitate, Links, Audios, Videos oder Fotos gepostet werden. Auch bei sogenannten »Moblogs« (J. Schmidt 2006: 15) spielen Fotos keine unbedeutende Rolle: Texte und Fotos werden auf dem Mobiltelefon produziert und publiziert, daher der Name »Mobile Blogging«. In Zeiten des Post-PC-Zeitalters verliert jedoch diese Spezifizierung ihre Bedeutung: Mit Post-PC-Geräten lassen sich ebenfalls konventionelle Weblogs erstellen.

Mit dem Social Web wurden demnach zahlreiche Möglichkeiten geschaffen, Bilder und multimodale Kommunikate zu publizieren. »Neue mediale Formen zeigen an, was möglich ist, und subjektive Nutzungsweisen zeigen an, was von dem Möglichen dann auch realisiert wird« (Sutter 2010: 48). Abbildung 12 verdeutlicht dies im zeitlichen Verlauf. Bereits zu Beginn der Social-Web-Ära haben zwar viele ← 108 | 109 → der genannten Social-Web-Anwendungen bereits existiert, doch wie zu Beginn des Kapitels erwähnt, sind darüber hinaus ein (Breitband-)Internetanschluss sowie ein Gerät zur Erstellung digitaler Bilder erforderlich. Zudem dauert es immer eine Weile, bis Anwendungen nicht nur von den Early Adopters, sondern auch von der breiten Masse genutzt werden. Abbildung 12 führt nochmals vor Augen, welche Dominanz154 die Social-Networking-Community Facebook beim Foto-Sharing hat: Seit 2008 stieg die Anzahl der täglich hochgeladenen Bilder kontinuierlich an, wohingegen die Flickr-Nutzung in etwa gleichbleibend ist. Seit 2012 machen Snapchat und Instagram Facebook Konkurrenz. In Anbetracht der mittlerweile knapp 550 Millionen Bilder, die täglich hochgeladen werden, was jährlich knapp 200 Milliarden Bildern entspricht, scheint es nicht übertrieben, von einer »Bilderflut«, »Bilderschwemme« (Walser, Neumann-Braun 2013: 151–152) oder einem »digital image overload« (Stuart 2013: 143) zu sprechen. Doch die Fotos im Social Web bilden lediglich die Spitze des Eisbergs: Wenn man die Zahlen der zitierten Kodak-Studie mit der Abbildung 12 vergleicht, so kann für das Jahr 2010 feststellt werden, dass lediglich 15 % der weltweit produzierten Fotos ins Social Web gelangen.

Abbildung 12:  Täglich hochgeladene Fotos auf Flickr, Snapchat, Instagram und Facebook155

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Unter Foto-Sharing wird – basierend auf dem bisher Erläuterten – in der vorliegenden Arbeit das Teilen von digitalen Bildern oder digitalisierten156 Bildern in sämtlichen Social-Web-Anwendungen verstanden, wohingegen mit Social Sharing spezifisch das Teilen in Social-Sharing-Communitys157 gemeint ist. Im folgenden Teilkapitel wird ausgeführt, inwiefern sich dieses Social Sharing vom Foto-Sharing in Social-Networking-Communitys unterscheidet und was die Unterschiede zwischen Social-Sharing- und Social-Collecting-Communitys sind.

4.2  Typische Merkmale und Vertreter von Foto-Communitys

Im Kapitel 3.2 ist bereits deutlich geworden, dass eine Unterscheidung in Social-Sharing-, Social-Collecting- und Social-Networking-Communitys nicht trivial ist. Vom Social Collecting kann das Social Sharing hauptsächlich anhand des Kriteriums der Urheberschaft der geteilten Inhalte unterschieden werden. Beim Social Sharing geht es größtenteils um das Teilen selbst erstellter Inhalte. Auf Flickr beispielsweise ist es gar verboten, fremde Bilder hochzuladen: »Stellen Sie keine Inhalte ein, die nicht von Ihnen stammen. Hierzu gehören Fotos und Videos anderer und/oder sonstige Inhalte, die Sie aus dem Internet kopiert oder zusammengesammelt haben. Accounts, die in erster Linie aus solchen Sammlungen bestehen, können jederzeit gelöscht werden.«158 Hingegen werden in Social-Collecting-Communitys überwiegend fremde Ressourcen gesammelt und geteilt: »Social collecting is the collection, categorization, and representation of a digital object in a system that is accessible via the Web« (Zarro, Hall 2012: 417). An dieser Stelle sei auf die derzeit boomende Anwendung Pinterest hingewiesen, die sich selbst als »tool for collecting and organizing things you ← 110 | 111 → love« bezeichnet.159 Es geht somit um das Sammeln und Sortieren von Bildern, die an Pinnwände geheftet und geteilt (sogenanntes Repin), bewertet (like) und kommentiert werden können. Diesen Pinnwänden können wiederum andere Nutzerinnen und Nutzer folgen (follower). Im Gegensatz zu Foto-Communitys, bei denen die einstellenden Nutzerinnen und Nutzer auch gleichzeitig die Urheberinnen und Urheber der Fotos sind, werden bei Pinterest Bilder im Web gesammelt und analog zu Link-Sammlungen beim Social Bookmarking Bildersammlungen hergestellt.160 Bei Pinterest wird jedoch nicht auf die Quelle verwiesen, wie es bei Link-Sammlungen üblich ist, sondern die Bilder werden meist ohne Quellenangabe kopiert. Nicht ohne Grund wurde Pinterest deshalb als »Traffic-Schleuder ohne Urheber« bezeichnet und »Probleme mit dem Urheberrecht gehören damit quasi zum Funktionsumfang des Dienstes« (Winterer 2012).

Als wichtiges Differenzierungskriterium zwischen Social-Sharing- und Social-Networking-Communitys kann der Fokus der entsprechenden Anwendung gesehen werden: Bei Social-Sharing-Communitys stehen die zu teilenden Inhalte im Vordergrund, bei Social-Networking-Communitys sind es die Nutzerinnen und Nutzer selbst (vgl. Kilian et al. 2008: 12). Dies ist auch der Grund, weshalb beim Social Sharing teilweise von »objektzentrierter Software« (Ebersbach et al. 2011: 37) die Rede ist. Den geteilten Fotografien kommt in den beiden Communitys eine unterschiedliche Funktion zu: In den Social-Networking-Communitys steht die dokumentarische Funktion im Vordergrund, wohingegen bei Social-Sharing-Communitys die Fotografie als ästhetische Ausdrucksform betrachtet wird (vgl. Meier 2009: 196). Fotos dienen in Social-Networking-Communitys dem Identitäts- und Beziehungsmanagement (vgl. Kapitel 3.2), in der Kommunikation über die Bilder werden hauptsächlich die Bildinhalte thematisiert (vgl. ebd.: 197). Im Unterschied dazu werden in Foto-Communitys wie der »Flickr-Community eher visuelle Artefakte, die nach Maßgabe fachlicher Genrefotografie angefertigt wurden« (ebd.: 192), präsentiert. Zwar ist das Genre Porträt insbesondere in Profilfotos von Social-Networking-Communitys anzutreffen, doch wird »das Porträt […] nicht als Genre thematisiert, sondern als Mittel der direkten Imagekonstruktion bzw. Selbstdarstellung des entsprechenden Users oder der Userin.« (ebd.: 195). Neben der Kategorisierung von Bildern nach Genres wie Akt-, Dokumentar-, Food-, Hochzeits-, Mode-, Natur-, Porträt-, ← 111 | 112 → Sportfotografie etc. kann auch eine Gruppierung nach der Art Fototechnik vorgenommen werden. Fototechnische Aspekte wie beispielsweise die Bildgebung (Schwarzweißfotografie, Farbfotografie, Sepia), die Schärfentiefe (Bokeh161) oder die Bildbearbeitung spielen bei Fotos in Social-Sharing-Community eine zentrale, in Social-Networking-Communitys eine untergeordnete Rolle. Schließlich müssen auch die Produzentinnen und Produzenten der Fotografien unterschieden werden in professionelle und in Amateur-Fotografinnen und -Fotografen. Letztere lassen sich nach Neumann-Braun und Astheimer (2010: 14) wiederum in sogenannte Dilettantinnen und Dilettanten162 und Knipserinnen und Knipser unterteilen. Während Dilettantinnen und Dilettanten den Profi-Fotografinnen und -Fotografen nacheifern und versuchen, ästhetisch anspruchsvolle Bilder zu produzieren, geht es den Knipserinnen und Knipsern v. a. um das Festhalten von Ereignissen mit Schnappschüssen, beispielsweise im Freundes- oder Familienkreis. Es lässt sich also zusammenfassend sagen, dass in Social-Sharing-Communitys überwiegend Dilettantinnen und Dilettanten und teilweise auch Profis163 fototechnisch gelungene, ästhetische Genrefotografien teilen, während in Social-Networking-Communitys vor allem Knipsende im Rahmen des Identitäts- und Beziehungsmanagements mit ihren Schnappschüssen Freizeitaktivitäten oder Urlaubserlebnisse dokumentieren.

Zwei weitere, wesentliche Unterschiede zwischen dem Foto-Sharing in Social-Networking- und Social-Sharing-Communitys sind im Social Tagging sowie der Zugänglichkeit der Bilder zu sehen. Beim Social Sharing ist nicht nur relevant, welche Arten von Inhalten geteilt werden, sondern auch mit wem. In Social-Sharing-Communitys gibt es zumeist die Möglichkeit, Inhalte als öffentlich, teilöffentlich oder nicht-öffentlich zu klassifizieren (vgl. Kapitel 6).164 In der Kategorie »teilöffentlich« können wiederum verschiedene Varianten unterschieden werden: So ist es möglich, dass Fotos nur für registrierte Nutzerinnen und Nutzer der Community oder nur für Userinnen und User einer bestimmten Nutzergruppe ← 112 | 113 → wie Familienmitglieder oder Freunde zugänglich gemacht werden. Wenn Inhalte lediglich für den Nutzer oder die Nutzerin selbst sichtbar sind, kann nicht mehr von Social Sharing im engeren Sinne gesprochen werden, vielmehr werden dann Social-Sharing-Plattformen als Cloud-Speicher benutzt. In Social-Sharing-Communitys sind 82 % der Fotos öffentlich zugänglich (vgl. Roth 2005). Dies ist nicht erstaunlich, denn ästhetisch gelungene Fotografien werden gerne präsentiert, und der »Traum, auf diesem Weg als großer Künstler entdeckt zu werden, ist in einigen Fällen schon wahr geworden. Social Sharing wird also zum virtuellen Ausstellungsraum, um die eigenen Werke einem großen Publikum vorzuführen« (Ebersbach et al. 2008: 215). Bilder auf Profilen in Social-Networking-Communitys hingegen werden tendenziell eher nur einer Teilöffentlichkeit wie dem Freundeskreis zugänglich gemacht.

Während in Social-Networking-Communitys keine Verschlagwortung von Bildern vorgesehen ist, können Fotos in Social-Sharing-Communitys getaggt und folglich auch – ein gutes Tagging vorausgesetzt – über eine Suchfunktion (wieder-)gefunden werden.165 Werden die für das Retrieval notwendigen Metainformationen in einer Community erstellt, bezeichnet man diese Praxis als Social Tagging (vgl. Kapitel 5). Wenn Nutzerinnen und Nutzer allerdings die Aufmerksamkeit anderer Community-Mitglieder auf ihre Inhalte lenken wollen, dann ist das Social Browsing – wie bereits in Kapitel 3.2 erläutert – von größerer Bedeutung, d. h. Userinnen und User sind auf ein Netzwerk in der Community angewiesen. Die Aufmerksamkeit von anderen Community-Mitgliedern ist einerseits sichtbar in der Anzahl der Besucherinnen und Besucher einer einzelnen Seite, andererseits aber auch in der Anzahl der Kommentare. Darüber hinaus spielt in Social-Sharing-Communitys die effiziente Art der nonverbalen Kommunikation des Ratings eine große Rolle. Da Ratings zumeist visualisiert werden (teilweise ergänzt durch quantifizierende Angaben), können sie der visuellen bzw. multimodalen Kommunikation zugerechnet werden.166 Kress konstatiert für die visuelle Kommunikation: »Yet it seems that the visual is a vastly more efficient mode for carrying and ›processing‹ great amounts of information« (Kress 2004: 57). Gerade in Zeiten des Information Overloads (vgl. Bublitz 2012: 166; Heckner 2009: 114) bzw. des Communication Overloads (vgl. Siever 2013: 14) gewinnen also solche ← 113 | 114 → Formen der nonverbalen Kommunikation an Bedeutung. Allerdings sind Ratingsysteme nicht unproblematisch:

      »Rating ist die Einschätzung und Bewertung von Informationsobjekten bezüglich der Qualität ihrer Inhalte und somit die Basis für Filtern und Blocken. Im Rating, sei es intellektuell oder maschinell durchgeführt, liegt in erster Linie die informationsethische Problematik. Die zum Einsatz kommenden Bewertungsverfahren spiegeln zwangsläufig, implizit oder explizit, subjektive Interessenlagen oder bestimmte Wertesysteme wider, die anderen oktroyiert werden. Ein intersubjektiv gültiges und interkulturell durchgängig akzeptiertes Rating-Verfahren ist kaum vorstellbar.« (Kuhlen 2004: 197, Herv. im Original).

Auch Ebersbach et al. (2011: 36) weisen darauf hin, dass das sogenannte Social Rating dazu führe, dass Nutzerinnen und Nutzer um der Belohnung willen dazu tendieren, besonders solche Inhalte beizusteuern, die in einer Community positiv bewertet werden. Nicht zuletzt ist darauf hinzuweisen, dass Ratingsysteme auch manipuliert werden können. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner sollen im Jahr 2014 schätzungsweise zwischen 10 und 15 % der Bewertungen im Social Web gefälscht sein; Firmen bieten Likes sowie Follower in Paketen zum Kauf an.167

Innerhalb von Social-Sharing-Communitys können weitere Differenzierungen vorgenommen werden; so kann beispielsweise zwischen echten und vorgeblichen Social-Sharing-Communitys unterschieden werden: Bei echten kann der UGC heruntergeladen, bearbeitet und weiterverbreitet werden (Stichwort Mashup), bei vorgeblichen ist kein Download möglich und die Audio- und Video-Daten werden oftmals über Streamingverfahren angeboten (vgl. ebd.: 122–123). Diese Differenzierung ist jedoch häufig nicht auf ganze Communitys anwendbar, da die Nutzerinnen und Nutzer über die Einstellungen festlegen können, ob ihre Inhalte heruntergeladen und bearbeitet werden dürfen oder nicht. ← 114 | 115 →

Tabelle 5:   Creative-Commons-Lizenzen (nach: http://creativecommons.org/licenses/)

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In diesem Zusammenhang müssen die sogenannten Creative Commons erwähnt werden: Es handelt sich dabei um eine 2001 ins Leben gerufene Initiative des USamerikanischen Rechtsprofessors und Bürgerrechtlers Lawrence Lessing (vgl. Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit iRights.info 2010: 124). Userinnen und User können den gesetzlichen Normalfall (»Alle Rechte vorbehalten«) mittels der Creative Commons in »Manche Rechte vorbehalten« umwandeln, wobei eine stufenweise Freigabe der Werke über sechs verschiedene Standard ← 115 | 116 → lizenzen möglich ist (vgl. Weitzmann 2010: 75). Neben der Namensnennung (BY), die stets obligatorisch erfolgt, können folgende Optionen gewählt werden: »NC: Kommerzielle Nutzung ist ausgeschlossen, ND: Das Werk darf nicht verändert werden, SA: Weitergabe unter gleichen Lizenzbedingungen« (Ebersbach et al. 2011: 250).168 Daraus ergeben sich die in Tabelle 5 aufgeführten sechs Lizenzen, wobei die Namensnennung die freieste, BY-NC-ND die restriktivste Lizenz darstellt. Die Lizenzbedingungen existieren in drei verschiedenen Versionen. Für Laiinnen und Laien ist eine Kurzfassung (sogenannte Commons Deed) verfasst worden, von rechtlicher Relevanz ist jedoch die Langfassung für Juristinnen und Juristen, die jeweils an die nationalen Gesetzgebungen angepasst ist. Schließlich gibt es eine maschinenlesbare Fassung, damit Suchmaschinen die Lizenzen lesen können. Letztgenannter Punkt ist aus zweierlei Gründen von Bedeutung: Erstens kann nach Creative-Commons-Inhalten gesucht werden, beispielsweise auf Google oder auch auf Flickr.169 Bekannt sind darüber hinaus auch die zur Wikipedia gehörenden Wikimedia Commons.170 Zweitens kann über Creative Commons festgelegt werden, ob Inhalte geteilt werden dürfen oder nicht. So bietet beispielsweise Pinterest ein Metatag an, welches das Pinnen von urheberrechtlich geschützten Bildern verhindert; diese Metatags werden von Flickr unterstützt (vgl. Winterer 2012).

Typisch für Social-Sharing-Communitys ist schließlich das sogenannte Freemium-Modell.171 Freemium ist eine Portmanteau-Bildung aus Free und Premium. Bei Anwendungen, die auf dem Freemium-Modell beruhen, gibt es eine kostenlose Basisversion (zumeist mit Werbeanzeigen) sowie eine kostenpflichtige Premiumversion, die mehr Funktionalitäten bietet (vgl. Bauer et al. 2011: XII). Die Premiumkundinnen und -kunden, die 2 bis 10 % der Nutzerschaft ausmachen, subventionieren somit die Basisversion; der Wert der Nutzerinnen und Nutzer ← 116 | 117 → der Basisversion besteht einerseits darin, dass sie potentielle Premium-Kundinnen und -Kunden darstellen, andererseits machen sie das Angebot bekannt und die Attraktivität der Anwendung steigt durch höhere Nutzerzahlen (vgl. Anderl et al. 2012: 6).

Ebersbach et al. (2011: 133) führen Flickr als prominenten Vertreter für Foto-Sharing-Communitys auf. Flickr ist zwar tatsächlich die älteste, bekannteste und weltweit größte Foto-Community, doch existieren daneben zahlreiche weitere, von denen die wichtigsten für den deutschen Sprachraum hier in aller Kürze vorgestellt werden. Zunächst sei auf Ipernity verwiesen, eine Community, die Flickr relativ ähnlich ist und dadurch eine direkte Konkurrenz darstellt, zumal Ipernity über einen größeren Funktionsumfang verfügt: »Auf Ipernity soll es dem User ermöglicht werden, sich nicht nur auf Videos oder Fotos zu beschränken, sondern die Möglichkeit zu haben, alles auf einer einzigen Plattform zu vereinen. Man kann also sowohl Video- als auch Foto- und Tondateien hochladen und zusätzlich Blogs verfassen« (Richard et al. 2010: 71, Herv. im Original). Eine Besonderheit von Ipernity besteht darin, dass Esperanto als Sprachversion angeboten wird und die Community von Esperantistinnen und Esperantisten rege genutzt wird. Während Ipernity genauso wie Flickr eine multilinguale Community ist, findet die Kommunikation in der Foto-Sharing-Community Fotocommunity überwiegend auf Deutsch statt. Zudem unterscheidet sich die Fotocommunity durch folgende Merkmale von anderen Communitys:

      »Über einen Shop mit breitem Angebot kann man Fotos auf Fotopapier, Leinwand, Acrylglas und mehr aus einem großen Sortiment bestellen. Die Modeldatenbank ist ein weiteres Feature, das für die Fotocommunity bezeichnend ist. Jeder User kann sich eine Model-Setcard anlegen. Das bedeutet, der User kann Fotos von sich hochladen und sich selbst für andere User inszenieren, die sich dann mit dem ›Model‹ in Verbindung setzen können um eventuell ein Shooting zu verabreden.« (ebd.: 71)

Ferner sei die Kunst-Community deviantART erwähnt, die sich von Foto-Communitys dadurch unterscheidet, dass nicht nur Fotografien, sondern jegliche Arten von digitalisierbarer Kunst publiziert werden können, beispielsweise Zeichnungen, Grafiken, Comics, aber auch literarische Texte. Die Community wird hier aufgeführt, da die Fotografie ein Schwerpunkt der Plattform darstellt. Die Kommunikation läuft hauptsächlich auf Englisch ab. Tabelle 6 bietet einen Überblick über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Foto-Communitys: ← 117 | 118 →

Tabelle 6:  Vergleich von Foto-Communitys

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Flickr steht sowohl in Deutschland als auch weltweit im Alexa-Ranking an vorderster Stelle. Die für die vorliegende Arbeit zentralen Funktionen des Taggings und der Notizen sind lediglich in den Communitys Flickr und Ipernity verfügbar. Insbesondere auch aufgrund der Analyse zu semantischen Relationen in Tag-Serien sind multilinguale Communitys wie Flickr oder Ipernity untersuchenswerter als die anderen präsentierten Communitys (vgl. Kapitel 5.9 und 9.2.3). Die Wahl ← 118 | 119 → fiel schließlich auf Flickr, denn in einer Community, in der mehr Nutzerinnen und Nutzer aktiv sind, sind heterogenere Daten anzutreffen.

4.3  Funktionen und Merkmale von Flickr

In diesem Kapitel werden die wichtigsten Funktionen und Merkmale von Flickr vorgestellt, damit sich diejenigen, die Flickr nicht kennen, ein Bild von der Community machen können.176 Außerdem sind diese Ausführungen für das nächste Teilkapitel, in dem es um die Kommunikation auf Flickr geht, unerlässlich. Ohne etwas über die Gruppierungsmöglichkeiten von Flickr-Fotos zu wissen, könnte man sich beispielsweise wundern, dass Kommentare auf Fotoseiten, die in der Gruppe Wir sprechen Deutsch zu finden sind, eben nicht nur auf Deutsch, sondern in allen möglichen Sprachen verfasst sind. Weiß man aber, dass Fotos in mehreren Gruppen gleichzeitig gepostet werden können und alle Kommentare aus allen Gruppen auf der Fotoseite aufgeführt sind, kommt es nicht zu Irritationen.

Die Bezeichnung Flickr kann auf das Englische to flick through something zurückgeführt werden, was so viel bedeutet wie etwas durchblättern. In der verwendeten Metapher ist der Bildspender das Buch (vgl. Storrer 2004: 43), genauer noch das analoge Fotoalbum: »Bei manchen Bildern wird lange verweilt, andere werden schnell übergangen, es wird vor- und zurückgeblättert« (Walser, Neumann-Braun 2013: 156).177 Gleichzeitig kann Flickr jedoch auch auf das Verb to flicker zurückgeführt werden, was flimmern heißt und auf die Digitalität der Fotoalben verweist. Die gekürzte Variante Flickr wurde laut den Gründern der Anwendung gewählt, da flicker.com schon vergeben gewesen sei, wobei sie zunächst fürchteten, dass es wegen der Schreibung Probleme geben könnte, was aber nicht der Fall war.178 Mittlerweile ist die Endung auf Konsonant und »r« sogar populär geworden, so zum Beispiel zu finden in anderen Anwendungen wie Beamr, Blendr, Bubblr, Bulkr, Bunkr, Flattr, Grindr, Multicolr Search Lab, Pixlr, Tumblr, Retrievr oder Wickr sowie in Persiflagen. So konstatierte Roth (2005), dass ← 119 | 120 → »die modernen Bloggr, um notorischen Ärgr mit Marken- und anderen Rechten zu vermeiden, inzwischen selbr ihre Namen verstümmeln und ihre Fotos auch nicht mehr auf eigenen Seiten, sondern lieber bei Flickr hochladen, wo man sie nur mit eingeschaltetem Flackr, nein Flash sehen kann« (Roth 2005). Nicht zuletzt wird die Schreibweise bei Flickr auch zu Werbezwecken eingesetzt. So ist seit dem Relaunch der Website vom 20. Mai 2013 auf der Startseite zu lesen: »Größr. Sie haben richtig gehört, ein Terabyte. Unglaublichr. In voller Auflösung mit anderen teilen. Wo auch immr. Überall verfügbar, ganz egal, wo Sie sind«. Und auf Englisch: »Biggr. That‘s right, a terabyte. Spectaculr. Share in full resolution. Wherevr. Available anywhere you go« (Herv. CMS)179. Auch im Logo von Flickr wird die Endung betont, d. h. farblich abgesetzt (vgl. Abbildung 13). Dieses Markenzeichen wurde auch für die Werbung im Französischen verwendet, das Flickr-R erscheint dort in Form einer Binnenmajuskel: »EnoRme. Un téraoctet! SpectaculaiRe. Partagez vos photos en Haute Définition. PaRtout. Flickr, avec vous, où que vous soyez.«

Die Foto-Community180 Flickr entstand ursprünglich aus einem Massively Multiplayer Online Game heraus. Stewart Butterfield und Caterina Fake gründeten im Juni 2002 in Kanada die Firma Ludicorp, die das Ziel hatte, das Online-Spiel Neverending zu entwickeln. In diesem Spiel gab es eine Funktion zum Hochladen von Bildern, die bald derart beliebt war, dass die Entwicklung des Spiels bereits nach eineinhalb Jahren eingestellt und nur noch die Bilder-Funktion weiterentwickelt und zur Foto-Community Flickr umgestaltet wurde, die am 10. Februar 2004 in einer ersten Betaversion freigeschaltet und im März 2005 an Yahoo! verkauft wurde (vgl. Müller 2010: 246).

Seit der Entstehung der Community hat sich diese fortlaufend verändert, so ist Flickr beispielsweise seit Juni 2007 in verschiedenen Sprachversionen verfügbar, im Mai 2013 wurde das Layout der Seite komplett neu gestaltet und das Freemium-Modell modifiziert.181 Seither steht jedem Mitglied der Com ← 120 | 121 → munity kostenlos ein Terabyte Speicher zur Verfügung. Im Folgenden werden die wichtigsten Funktionen und Merkmale von Flickr vorgestellt, wobei der technische Stand berücksichtigt wurde, der im Zeitraum der Datenerhebung galt (September 2010 für das Kleinkorpus, Februar 2013 für das Großkorpus, vgl. Kapitel 9.1).

Flickr ist – wie YouTube – für sämtliche Internetnutzerinnen und -nutzer auch ohne eigenes Konto frei zugänglich. Will man jedoch Kommentare oder Notizen zu einzelnen Bildern verfassen, muss ein Account angelegt werden. Kommunikation auf Flickr bedeutet demnach stets Kommunikation unter Community-Mitgliedern. Für die Analyse dieser Kommunikation müssen die folgenden beiden Aspekte beachtet werden: Erstens können sämtliche auf Flickr publizierten Texte jederzeit von den Nutzerinnen und Nutzern bearbeitet oder gelöscht werden. Analysiert man beispielsweise eine Sequenz kommunikativer Akte in den Fotokommentaren, kann es vorkommen, dass darin auf Textstellen verwiesen wird, die bereits nicht mehr existieren. Oder, um ein konkretes Beispiel zu nennen: Im ersten Fotokommentar zu einem Bild mit dem Titel »Tulpen Feuerwerk« ist zu lesen: »Ein Feuerwerk«. Rezipierende würden vielleicht vermuten, dass der Kommentator dem Titel der Fotografin zustimmen möchte, doch schaut man sich den von der Fotografin erstellten zweiten Kommentar an (»Danke Ecki für den Titel.«), wird deutlich, dass der Titel aufgrund des ersten Kommentars nachbearbeitet wurde.182 Zweitens lassen sich Flickr-Accounts vollständig löschen, d. h. alle jemals über einen gelöschten Account geposteten Fotos sind danach nicht mehr verfügbar. Kommentare und Notizen werden jedoch nicht gelöscht, vielmehr bleiben sie mit dem Vermerk »gelöscht« hinter dem betreffenden Nutzernamen bestehen, was für die Analyse von Sequenzen kommunikativer Akte von großem Vorteil ist. ← 121 | 122 →

Abbildung 13:  Screenshot einer Flickr-Seite183

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Lädt eine Nutzerin oder ein Nutzer Fotos auf Flickr hoch, so werden diese in der Upload-Reihenfolge im sogenannten Fotostream angezeigt. Der Bilder-Upload kann sowohl über den Webbrowser oder per E-Mail als auch über installierte Programme oder Smartphone-Apps erfolgen. Um die Fotos zu ordnen, können sie einzelnen Alben zugeordnet werden, wobei jedes Foto in beliebig vielen Alben abgelegt werden kann. Das in Abbildung 13 zu sehende Foto beispielsweise ist, wie man der rechten Spalte entnehmen kann, dem Album Living Beauties ← 122 | 123 → zugewiesen. Alben wiederum können in Sammlungen gruppiert werden. Sammlungen können Alben sowie weitere Sammlungen enthalten; die Verschachtelung ist allerdings auf fünf Ebenen beschränkt. Über den eigenen Fotostream hinaus können Bilder auch in Gruppen gepostet werden. So ist das Foto in Abbildung 13 in zehn184 verschiedenen Gruppen vertreten; angezeigt wurde es zum Zeitpunkt des Screenshots in der Gruppe Wir sprechen Deutsch. Bei Mouseover-Position wird angezeigt, wie viele Fotos der jeweilige Gruppenpool umfasst, in diesem Fall 66 585. Seit September 2009 können zudem Galerien erstellt werden, d. h. Sammlungen von Fotos anderer Nutzerinnen und Nutzer, die als eine Form des Social Collectings gelten können, bei der jedoch die Urheberrechte gewahrt werden.

Um Fotos zu kategorisieren, können Tags verwendet werden. Diese sind mit Hyperlinks versehen, und ein Klick auf ein bestimmtes Tag zeigt wahlweise alle anderen Fotos mit dem entsprechenden Tag derselben Nutzerin bzw. desselben Nutzers oder von allen Community-Mitgliedern. Sowohl die Tags als auch der Bildtitel und die Bildbeschreibung spielen für das Retrieval eine wichtige Rolle, wobei bei der Suche ausgewählt werden kann, ob der Volltext einer Fotoseite oder nur die Tags berücksichtigt werden sollen. Darüber hinaus gibt es auf Flickr die Möglichkeit, nach dem verwendeten Kameramodell185 oder dem Datum der Aufnahme zu suchen. Diese Daten werden automatisch, wie weitere Exif-Daten auch, beim Upload auf Flickr ausgelesen und auf der Fotoseite oben rechts angezeigt. Bilder in Foto-Communitys unterscheiden sich von solchen in Social-Networking-Communitys insbesondere auch durch die Anzeige dieser technischen Daten, die für Fotografinnen und Fotografen relevant sind. Durch die Exif-Daten wie den Lichtempfindlichkeitswert (ISO) oder die Belichtungsdauer können Fotografierende viel lernen und die eigenen Fertigkeiten verbessern.

Direkt unterhalb der Exif-Daten lassen sich quantifizierte Angaben zur Fotoseite finden: 55 Aufrufe, 14 Kommentare und drei Favoriten. Ebenfalls in der rechten oberen Ecke sind der Nickname (Jorbasa (tragedy is over with slow internet)), der Benutzername (Barbara) sowie ein Buddy-Icon (Profilbild) zu finden. Status-Updates, wie sie in vielen Anwendungen heutzutage üblich sind, gibt es auf Flickr nicht. Da der Nickname beliebig oft verändert werden kann, hat sich auf Flickr die kommunikative Praxis etabliert, den aktuellen Status jeweils hinter dem Nickname anzugeben. Weitere Beispiele hierfür sind Grey travel – off to Ireland oder image flickrsprotte image ....[ hat Grippe ]. ← 123 | 124 →

Andere Nutzer können – je nach Einstellungen – Kommentare, Notizen oder Tags hinzufügen. Während bei den Kommentaren und Notizen jeweils der Urheber oder die Urheberin angegeben ist, kann bei den Tags nicht eruiert werden, wer sie erstellt hat. Sowohl die Tags als auch die Notizen sind im Gegensatz zu den Kommentaren nicht mit Timestamps versehen. Die Zeitangaben bei Kommentaren sind stets relativ zum aktuellen Zeitpunkt angegeben (vor 4 Wochen), bei Mouseover-Position erscheint jedoch die absolute Datumsangabe (17. August 2010).

Für jedes einzelne Foto kann die Zugänglichkeit festgelegt werden. Will man Flickr lediglich als Speicherplatz in der Cloud nutzen, so hat keiner außer der Besitzerin oder dem Besitzer des Accounts Zugriff auf die Fotos. Insbesondere seit Mai 2013 bietet sich diese Praxis an, weil seither ein Terabyte Speicherplatz zur Verfügung steht und sämtliche Fotos im Original auch von Flickr wieder heruntergeladen werden können.186 Außerdem kann Teilöffentlichkeiten wie den Nutzergruppen Freunde und Familie oder Kontakte der Zugriff auf eigene Fotos erlaubt werden. Schließlich kann man seine Fotos mit sämtlichen Internetnutzerinnen und -nutzern teilen, und dies nicht nur auf Flickr, sondern auch andernorts. So können einzelne Fotos oder auch ganze Alben über einen Klick auf anderen Diensten wie Facebook, Twitter, Pinterest, WordPress, Blogger oder LiveJournal veröffentlicht werden. Auf jeder Fotoseite kann zudem in den Einstellungen festgelegt werden, welche Metadaten zum Bild sichtbar sein sollen, zum Beispiel die Exif-Daten oder Geo-Tags. Über die Creative Commons schließlich lassen sich für jedes Bild die Rechte definieren.187

Die bisher beschriebenen Aspekte sind hauptsächlich dem Informationsmanagement zuzuschreiben; im Folgenden soll es um das für das Social Sharing wichtige Identitäts- und Beziehungsmanagement gehen. Für das Identitätsmanagement ist neben dem Fotostream, der das eigentliche Aushängeschild aller Nutzerinnen und Nutzer darstellt, auch die Profilseite von Bedeutung. Zunächst können in einem Formular, wie man es auch von Social-Networking-Communitys kennt, Angaben zur Person gemacht werden: Vor- und Nachname, Zeitzone, Geschlecht, Familienstatus, Website, Instant-Messaging-Kontaktinformationen, ← 124 | 125 → Beruf, Heimatstadt, Wohnort, Land und Flughafenkürzel. In einem Textfeld kann eine Selbstbeschreibung verfasst werden, darüber hinaus können Kontakte Testimonials schreiben – das Identitätsmanagement beruht also sowohl auf einer Selbst- als auch auf einer Fremddarstellung. Auf der Profilseite sind überdies sämtliche Fotos aufgelistet, auf denen der Nutzer oder die Nutzerin abgebildet ist, sofern die Bilder über die Funktion »People in Photos« entsprechend getaggt wurden. Schließlich werden alle Favoriten, Gruppen und Galerien der Nutzenden angezeigt. Da die Gruppen zumeist über einen thematischen Fokus verfügen, sagt auch die Gruppenzugehörigkeit einiges über die darin organisierten Personen aus.

Schließlich sind auf der Profilseite auch die Kontakte einer Person einsehbar. Kontakte sind auf Flickr einseitig, wie man es auch vom Microblogging-Dienst Twitter kennt (following vs. followers), und damit anders als bei vielen Social-Networking-Communitys, bei denen Kontakte gegenseitig bestätigt sein müssen.188 Für das Beziehungsmanagement, das heißt das Pflegen von bestehenden und das Knüpfen von neuen Kontakten, stehen auf Flickr unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung, die in Kapitel 4.4 näher erläutert werden.

Um auf Flickr durch die Bildsammlungen zu navigieren, können verschiedene Funktionen verwendet werden. Zunächst einmal sei darauf hingewiesen, dass die Flickr-Seiten viele Hypertext-Elemente enthalten. Befindet man sich auf einer Fotoseite, können angezeigte Thumbnails der vorangehenden oder nachfolgenden Bilder in Fotostreams, Gruppen und Alben oder auch die Profilbilder von anderen Nutzern angeklickt werden. Sämtliche Bilder auf Flickr sind sogenannte Navigationsbilder, d. h. die Fotos sind mit einem Hyperlink versehen (vgl. Berendt, Grote 2001: 273). Neben den Tags sind auch Elemente wie das Aufnahmedatum, das Kameramodell sowie die Nutzernamen als Hyperlinks angelegt, mithilfe derer man durch Flickr navigieren kann. Weitere Möglichkeiten sind die Suche auf Karten, denn viele Fotos sind mit Geo-Tags versehen, oder die Suche nach dem Erstellungsdatum. Auch über die Tag-Cloud können Fotos gefunden werden (vgl. Kapitel 5.5): Neben dem Stöbern in den »beliebtesten Tags aller Zeiten«189 können auch die beliebtesten Tags der letzten 24 Stunden oder der letzten Woche durchforstet werden, denen dieselbe Funktion wie den Trending Topics auf Twitter zukommt. Klickt man ein Tag an, können die Suchresultate nach neuesten oder ← 125 | 126 → »interessantesten«190 Inhalten gruppiert werden. Zudem werden dem Such-Tag ähnliche Tags angezeigt, die auf einer Analyse der häufigsten Co-Tags beruht. Die genannten Aktivitäten können unter den Terminus »Tag-Browsing« (Panke, Gaiser 2008: 24) subsumiert werden und »der damit einhergehende Serendipity-Effekt ist eines der Kennzeichen von Social-Tagging-Systemen« (Frohner 2010: 108).

Eine weitere Funktion auf Flickr ist die Seite Entdecken, bekannter unter dem englischen Namen Explore. Dort werden die neuesten und gleichzeitig »inter-essantesten« Fotos auf Flickr gezeigt: »Viele Faktoren beeinflussen, ob etwas auf Flickr ›interessant‹ ist (oder nicht). Es kommt darauf an, woher die Klicks stammen, wer das Bild wann kommentiert, wer es als Favorit kennzeichnet, welche Tags verwendet werden und noch viele Faktoren mehr, die sich ständig ändern.«191 Der konkrete Algorithmus wird jedoch von Flickr bewusst nicht preisgegeben, um Manipulationen zu verhindern.

Den Nutzerinnen und Nutzern von Flickr stehen also zahlreiche Navigationsmöglichkeiten zur Verfügung, und dennoch erfolgt die Navigation – wie bereits in Kapitel 3.2 erläutert – hauptsächlich über das sogenannte Social Browsing. Dazu werden (analog zum News Feed auf Facebook) auf der Startseite von Flickr die neuesten Fotos der Kontakte oder von anderen Gruppen-Mitgliedern angezeigt.

Flickr bietet nicht nur Möglichkeiten, Fotos mit anderen zu teilen und darüber zu kommunizieren, sondern auch weitere Funktionen, beispielsweise die Bildbearbeitung direkt im Browser oder seit November 2009 das Bestellen von Abzügen oder anderen Fotoprodukten über einen Kooperationspartner. Flickr war zudem eine der ersten Communitys, die Programmierschnittstellen, sogenannte APIs (Application Programming Interfaces), anbot. Damit können alle Flickr-Mitglieder eigene Anwendungen programmieren, die auf Flickr basieren.192 Mit der Anwendung Bubblr beispielsweise können aufgrund von Nutzernamen oder Tags Flickr-Fotos gesucht und mit Sprech- oder Denkblasen versehen werden (vgl. Abbildung 14).193 ← 126 | 127 →

Abbildung 14:  Mit der Flickr-API-Anwendung Bubblr modifiziertes Bild194

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Abschließend sei auf die veränderte Stellung von Text und Bild auf Flickr durch den bereits genannten Relaunch im Mai 2013 hingewiesen. Ein Blick auf Abbildung 15 genügt, um zu erkennen, dass das Bild dominanter geworden ist. Die Profilseiten können neuerdings individuell gestaltet werden, mit einem Titelfoto, wie man es auch von Facebook kennt. Die einzelnen Bilder im Fotostream sind nicht mehr mit Titel und Metadaten versehen, vielmehr erscheinen diese textuellen Informationen erst beim Mouseover. Infolge des Verbergens der Texte entspricht das neue Layout der sogenannten Petersburger Hängung, das heißt einer engen Reihung von Bildern.

Abbildung 15:  Layout des Fotostreams vor und nach dem Relaunch vom 20. Mai 2013195

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Auch auf den Fotoseiten kommt seit dem Relaunch dem einzelnen Bild mehr Raum zu. Während beim alten Layout das Foto nur die Hälfte bis ein Drittel der Bildschirmfläche bedeckte, nehmen die Bilder jetzt – neuerdings auch in voller Auflösung – die gesamte Bildschirmhöhe ein. Um die Kommentare und weitere Informationen sehen zu können, muss nach unten gescrollt werden. Sprachliche Elemente verlieren demnach an Bedeutung, das Bild soll insgesamt stärker zur Geltung kommen. Dies geschieht nicht zuletzt auch durch den schwarzen statt des bisher weißen Hintergrunds.

4.4  Kommunikation auf Flickr

In der vorliegenden Arbeit stehen die kommunikativen Praktiken des Social Taggings sowie des Schreibens von Notizen im Mittelpunkt, die in den Kapitel 5 und 8.2 ausführlich beschrieben werden. Diese Praktiken sind eingebettet in weitere Kommunikationsmöglichkeiten auf Flickr, die nachfolgendend näher beschrieben werden. Bei digitalen Kommunikationsformen muss stets gefragt werden, ob es sich tatsächlich um »neue Formen der Kommunikation oder alte[n] Wein in neuen Schläuchen« (Jucker 2000: 7) handelt. Thurlow und Jaworski (2011: 220) konstatieren in Bezug auf Flickr: »In photo sharing we find a relative new, technologically enhanced variation on the long-standing practices on personal photography and photo albums« (ebd.: 220). Das Erstellen von Fotoalben ist ein »seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts praktizierter gesellschaftlicher Brauch« (Walser, Neumann-Braun 2013: 153). Zunächst hat man sogenannte Einschiebealben verwendet, erst seit den späten 1890er-Jahren wurden auch Alben mit leeren Papierseiten genutzt, auf denen die Fotos nach Belieben angeordnet werden können (vgl. ebd.: 153). Fotoseiten auf Flickr enthalten stets nur eine einzelne Fotografie und sind deshalb eher mit Einschiebealben zu vergleichen oder mit einer Dia-Show, bei der nacheinander verschiedene Bilder gezeigt werden. Sowohl beim gemeinsamen Betrachten eines analogen Fotoalbums als auch einer Dia-Show können die Fotos in mündliche Erläuterungen eingebettet werden (vgl. ebd.: 156). Keppler (1994: 192) hat bei Dia-Abenden drei kommunikative Komplexe ausgemacht: 1. narrative Impulse, d. h. einige Fotos erfordern das Erzählen einer dazugehörigen Geschichte, 2. affektive Reaktionen, beispielsweise in Form eines Zuschauerlobes sowie 3. kommunikative Reaktionen196, d. h. das Foto evoziert eine (Nach-)Frage. Hinsichtlich der Kommunikation auf Flickr lässt sich feststellen, dass die Narration seitens des Urhebers bzw. der Urheberin des Fotos im ← 128 | 129 → Bildtitel, der Bildunterschrift, in Notizen, Tags und Kommentaren erfolgen kann. Je nachdem, ob dies in einem ausreichenden Maß geschieht oder nicht, erfolgt daraufhin vom Publikum die kommunikative Reaktion in Form einer Nachfrage, manchmal aber auch in Form einer eigenen Narration oder Assoziation. In erster Linie sind in Foto-Communitys jedoch affektive Reaktionen von Bedeutung: Die Fotografinnen und Fotografen erwarten Anerkennung für ihr Schaffen. Walser und Neumann-Braun (2013: 161) konstatieren in Bezug auf Social-Networking-Communitys, dass es oftmals »zu geradezu rituellen Kommunikationsabläufen in Form von wechselseitigen Kommentierungen der Bilder« komme. Gerade in Social-Networking-Communitys gilt – im Gegensatz zu Social-Sharing-Communitys – für Fotos dasselbe wie für Bilder bei Dia-Abenden: Sie werden »nie um ihrer selbst willen[,] sondern um der Geselligkeit des Kreises willen betrachtet« (Keppler 1994: 195). Die Analyse der Kommunikation bei Dia-Abenden mit Fotos unterschiedlicher Qualität und in verschiedenen sozialen Milieus hat gezeigt, dass ästhetische Aspekte, sprich qualitativ hochwertige Bilder, für Gespräche über Fotos kaum relevant sind, vielmehr spielt die Form der Darbietung eine zentrale Rolle (vgl. ebd.: 195). In Foto-Communitys wie Flickr findet man Subcommunitys, bei denen dies vergleichbar ist, jedoch auch Gruppen, in denen auf die technischfachliche Diskussion großen Wert gelegt wird und folglich auch die Qualität der Fotos von Bedeutung ist.

Abschließend seien einige weitere Unterschiede zwischen analogen und digitalen Fotoalben genannt, die für die Kommunikation über Fotos relevant sind (vgl. dazu auch Walser, Neumann-Braun 2013: 163). Während analoge Alben mehr oder weniger beständig sind, sind digitale Fotoalben jederzeit veränderbar. Die Kommunikation über analoge Fotoalben erfolgt nicht-öffentlich und medial mündlich und somit synchron, wohingegen die Kommunikation über digitale Fotoalben öffentlich oder zumindest teil-öffentlich, (noch) medial schriftlich und asynchron stattfindet. In der Tendenz lässt sich feststellen, dass in Social-Networking-Communitys Fotos eher mit Bekannten geteilt und diskutiert werden, in Foto-Communitys findet die Kommunikation oftmals in virtuellen Communitys statt. Schließlich kann konstatiert werden, dass bestimmte kommunikative Praktiken der Kommunikation über analoge Fotoalben bei der Kommunikation über digitale Fotos adaptiert wurden. Als Beispiel sei die deiktische Bezugnahme genannt: Im Gespräch über Fotos können Zeigegesten das Gesagte begleiten, um auf bestimmte Stellen eines Bildes zu verweisen. In der Foto-Community Flickr ist diese Art von Kommunikation in der Notizfunktion realisiert: Statt einer Zeigegeste wird die entsprechende Fläche mit einem Rahmen markiert und mit einem ← 129 | 130 → Text versehen, der sich üblicherweise auf den gekennzeichneten Bereich bezieht (vgl. dazu ausführlich Kapitel 8.2.1).

Mit der Thematisierung der Notizen sind wir bei der kommunikativen Praxis auf Fotoseiten angelangt. Obwohl diese Art der Kommunikation äußerst effizient ist im Vergleich zu Kommentaren, in denen die deiktische Bezugnahme verbal realisiert werden muss (für konkrete Beispiele siehe Müller 2012a: 60–61), werden Notizen nicht von allen Userinnen und Usern gutgeheißen. Diesbezüglich ist in der Gruppe We hate flickr notes197 zu lesen: »Notes are a defacement of art. Imagine an art gallery where people could draw boxes and scribble remarks right onto the art, often just inane quips. What artist would accept such defacement?« Weiterhin wird argumentiert, dass oftmals Texte in Notizen gepostet werden, die genauso gut als Kommentar unterhalb des Bildes hätten verfasst werden können, und dass Notizen vom Eigentlichen, nämlich dem Foto, ablenken. Als Gegenargument wird von anderen Community-Mitgliedern wiederum angeführt, dass die Notizfelder nur bei einer Mouseover-Position sichtbar werden. Es steht ferner jedem Flickr-Mitglied frei, die Notizfunktion bei den eigenen Bildern zu deaktivieren.

Die Kommunikation über Fotos findet hauptsächlich über Kommentare statt. Die meisten Kommentare sind (positiv) bewertend, einige enthalten Fragen zum Bild, beispielsweise zum Aufnahmeort oder zu bestimmten Aspekten des Fotos (vgl. Barton, Lee 2013: 38). Dies erinnert stark an die oben genannte affektive und kommunikative Reaktion bei Dia-Abenden. Barton und Lee (2012: 290) haben festgestellt, dass in Flickr-Kommentaren im Vergleich zu den Titeln, Beschreibungen und Tags die meisten Emoticons und Abkürzungen auftreten sowie am häufigsten Nonstandardinterpunktion verwendet wird. Während der Titel, die Beschreibung und die Tags nicht nur Metadaten darstellen, sondern auch Teil des präsentierten Kunstwerks sind und somit mit Bedacht gewählt werden, ermög-lichen die Kommentare die Kommunikation über das Bild. Titel, Beschreibung und Tags sind demnach Produkte des sogenannten textorientierten Schreibens: »Textorientierte Schreibprodukte sind auf eine Rezeptionssituation hin konzipiert, bei denen keine unmittelbare Interaktion zwischen Schreiber und Leser vorgesehen ist; das geschriebene Wort muss aus sich heraus und unabhängig vom kommunikativen Kontext interpretierbar sein« (Storrer 2013: 337). Dahingegen steht beim interaktionsorientierten Schreiben nicht das Produkt, sondern die Interaktion im Zentrum (vgl. ebd.). Folglich ist der oben genannte Befund von Barton und Lee (2012: 290) bezüglich der Emoticons, Abkürzungen und Nonstandardinterpunktion nicht weiter erstaunlich. Auch Storrer (2013) konnte ← 130 | 131 → anhand von Artikelseiten sowie Diskussionsseiten in der Wikipedia zeigen, dass Emoticons lediglich auf den Diskussionsseiten, die auf interaktionsorientiertem Schreiben beruhen, anzutreffen sind.

Auf Flickr finden sich auch Reaktionen in Kommentaren, die sich nicht auf den Bildinhalt, sondern auf die Technik der Bilderstellung oder -bearbeitung beziehen (vgl. Barton, Lee 2013: 30). Schließlich findet man zuweilen auch Kommentare, die keinen Bezug zum Bild aufweisen, d. h. die eine rein phatische Funktion haben, und eher einem Pinnwand-Eintrag gleichen: »Will mal schnell einen Lieben Gruß dir vorbei schicken. Schönen Abend noch für dich Jörg !«198 Pinnwand-Einträge, wie man sie von Social-Networking-Communitys kennt, existieren auf Flickr nicht, weshalb gelegentlich die Kommentarfunktion auf Fotoseiten dafür verwendet wird.

Interessant ist nun, von wem die Kommentare zu Fotos jeweils stammen. Es wurde bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass beim Social Sharing das Social Browsing eine wichtige Rolle spielt. Dies spiegelt sich auch in den Kommentaren wider: In einer Studie zu 480 zufällig gewählten Flickr-Fotos, die nicht in einem Gruppenpool lagen, konnte festgestellt werden, dass 55 % der Kommentare von Abonnentinnen und Abonnenten199 kamen, 51 % der Kommentare von gegenseitigen Kontakten200 und nur 38 % von Personen, die nicht zu den Kontakten201 der Fotografin oder des Fotografen zählten (vgl. Lerman, Jones 2007: 7).202 Je öfter ein Bild in Gruppenpools gepostet wird, desto häufiger wird es von Personen außerhalb des betreffenden sozialen Netzwerkes kommentiert. Bei Bildern, die in über 20 Gruppenpools vertreten waren, betrug die Anzahl der von gegenseitigen Kontakten verfassten Kommentaren nur 41 %, diejenige von Nicht-Kontakten 49 % (vgl. Lerman, Jones 2007: 7). In derselben Studie wurden zum Vergleich noch zwei Teilkorpora mit qualitativ guten Fotografien erhoben, einmal von der Explore-Seite ← 131 | 132 → (vgl. Kapitel 4.3), einmal von einer Gruppe namens Apex, in der Fotos nur auf Einladung hin gepostet werden können, um einen bestimmten Qualitätsstandard zu garantieren (vgl. Lerman, Jones 2007: 2). Bei Fotos der Apex-Gruppe, die sonst in keinem weiteren Gruppenpool lagen, stammten 69 % der Kommentare von gegenseitigen Kontakten und 71 % von Followern, nur 29 % von Nicht-Kontakten. Lagen Fotos der Apex-Gruppe hingegen noch in 30 weiteren Gruppenpools, so betrug die Anzahl der Kommentare von gegenseitigen Kontakten bei 41 %, von Followern bei 47 % und von Nicht-Kontakten bei 48 %. Bei Explore-Fotos schließlich kamen 56 % der Kommentare von Fremden, ein Drittel von gegenseitigen Kontakten und 42 % von Followern. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass viele der Kommentare von ein- oder gegenseitigen Kontakten stammen. So sind bei guten Fotografien (Explore-Seite oder Apex-Gruppe) rund Dreiviertel der Kommentare von Kontakten verfasst, beim Teilkorpus der zufällig ausgewählten Flickr-Fotos etwa die Hälfte (vgl. Lerman, Jones 2007: 7–8). Die Kommunikation auf Flickr findet demnach sowohl zwischen Fremden als auch Bekannten statt, wobei keine Aussage darüber getroffen werden kann, ob die Bekannten sich lediglich aus der virtuellen Community kennen oder auch offline.203 In der Studie von Lerman und Jones (2007) wurde jedoch nicht untersucht, wie häufig die Bilder von den Urheberinnen und Urhebern selbst kommentiert werden. Für die Nightlife-Community Festzeit konnte diesbezüglich anhand von Bildern mit zahlreichen Kommentaren gezeigt werden, »dass im Kontext privater Bilder die Bild-Owner auffällig stark in die Kommunikation involviert waren« (Wirz 2012: 21).

Abbildung 16:  Intertextuelle und intermodale Bezüge auf Flickr-Fotoseiten

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Flickr-Kommentare müssen bei Analysen stets in ihrem Kontext betrachtet werden. Kommentare können sich nicht nur auf andere Kommentare oder das Bild beziehen, sondern auch auf den Bildtitel, die Bildbeschreibung, die Tags oder die Notizen (vgl. Abbildung 16). Während Notizen, Tags, Titel und Beschreibung nur Text enthalten können, ist es bei den Kommentaren möglich, Bilder einzubinden. Bezüge zwischen Kommentaren und anderen Elementen einer Fotoseite sowie innerhalb von Kommentaren können demnach nicht nur intertextuell, sondern auch intermodal oder präziser interpiktorial ausfallen.

Auf Flickr gibt es keine separate Funktion »Bildantwort« – anders als bei You-Tube, wo im Kommentarfeld der Button »Videoantwort erstellen« zur Verfügung steht. Bildantworten auf Flickr müssen vielmehr durch Einfügen des betreffenden Links in eckigen Klammern erstellt werden. In Abbildung 17 ist linksseitig ein Foto zu sehen, das mit dem Titel »farblich abgestimmt...« versehen wurde, rechtsseitig die Bildantwort aus dem Kommentarfeld, die mit folgenden Worten eingeleitet wurde: »purer Zufall und ohne meine Begleitung hätt ichs garnicht entdeckt (shame one me ;)«. Das klitisierte Pronomen es verweist auf das Bild, genauer auf die darauf zu sehende farbliche Übereinstimmung von Auto und Hydrant, die sich wiederum auf die Ähnlichkeit der Farben des Autos im Ausgangsfoto zu denjenigen der Überbleibsel eines Fahrrades bezieht.

Abbildung 17:  Bild mit Bildantwort204

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Weitaus frequenter als Bildantworten ist die Verwendung von Bildern bei Adressierungen, die nicht über die Nennung des Nutzernamens, sondern über das Buddy-Icon des oder der Angesprochenen dem Kommentartext vorangestellt wird. Darüber hinaus werden in Kommentaren häufig sogenannte Awards ver ← 133 | 134 → geben, die – neben dem Hinzufügen als Favoriten – eine ökonomische Art und Weise des Bewertens von Bildern darstellen. Awards werden im Allgemeinen von einzelnen Gruppen erstellt und die Gruppenmitglieder müssen lediglich jeweils den entsprechenden Code in das Kommentarfeld kopieren. Ein Beispiel hierfür ist in Abbildung 13 auf Seite 87 zu finden (BEAUTIFUL SHOT AWARD. FLOWERS and GARDEN GROUP). In Anbetracht der vielen Bilder sind solche ökonomischen Arten der Kommunikation unabdingbar, und so stellt auch Holschbach (2009: 81) fest, dass ein textueller Kommentar »in der Regel nicht über eine emphatische Affirmation hinausgeht, unter dem Motto: wow, tolles Bild!« Zuletzt sei angemerkt, dass Kommentare in Form von Video und Audio bisher noch nicht möglich sind.205

Für die Kommunikation auf Flickr sind neben dem sozialen Netzwerk der Kontakte insbesondere Gruppen von Relevanz. Öffentliche oder auch nicht-öffentliche206 Gruppen können von allen Flickr-Mitgliedern gegründet werden und sind meist an einem bestimmten Thema oder Genre ausgerichtet, wie etwa die soeben genannte Gruppe zu Blumen- und Gartenfotos. Andere Gruppen geben für ihre Inhalte eher formale Aspekten vor. So gibt es beispielsweise 365-Tage-Projekte, bei denen die Mitglieder an jedem Tag im Jahr ein Foto erstellen und in den Gruppenpool hochladen, wobei das Bildmotiv frei wählbar ist (vgl. Barton 2012: 143). Feedbackgruppen oder die für die vorliegende empirische Analyse gewählten öffentlich zugänglichen Gruppen Wir sprechen Deutsch und Flickr-Fotografen Deutschland sind ebenfalls nicht thematisch ausgerichtet, sondern auf die in der Gruppe stattfindende Kommunikation: In Feedbackgruppen wird explizit um Kritik der Fotos gebeten, mit der ansonsten eher sparsam umgegangen wird; in der Gruppe Wir sprechen Deutsch ist nur die Sprache festgelegt.

Auf der Startseite von Gruppen ist der Gruppenpool mit den geposteten Fotos, ein Diskussionsforum sowie eine Beschreibung der Gruppe zu finden. Über den Gruppenpool gelangt man wieder auf die einzelnen Fotoseiten, das Diskussions-forum wird für spezifische Fragen oder auch für Spiele207 verwendet und in der Beschreibung werden der Sinn der Gruppe sowie die Gruppenregeln erläutert. ← 134 | 135 → Häufig sind von den Administratoren oder Moderatoren festgelegte Regeln anzutreffen, so etwa diejenige, dass vor dem Posten eigener Bilder eine bestimmte Anzahl von Kommentaren oder Favoriten vergeben werden müssen: »These groups are likely the ones driving most of the traffic associated with posting images to groups« (Lerman, Jones 2007: 7). Um die Kommunikation in Gruppen zu ermöglichen, wird beim Einstellen von Fotos in den Gruppenpool automatisch das Hinzufügen von Kommentaren, Tags und Notizen für Gruppen-Mitglieder erlaubt, unabhängig von den für das Bild geltenden Einstellungen. Dass bestimmte Fotos einer Gruppe angehören, erkennt man an der Auflistung der Gruppen auf einer Fotoseite. Zusätzlich jedoch werden auch sogenannte Gruppen-Tags verwendet, mit denen alle Bilder einer Gruppe verschlagwortet werden (vgl. Barton, Lee 2013: 37 sowie Kapitel 5). Des Weiteren gibt es auch eine Form von Awards, die zusammen mit der Nennung der Gruppe, in der das Foto entdeckt wurde, vergeben wird. Um Gruppen bekannter zu machen, werden Nutzerinnen und Nutzer durch Einladungen dazu aufgefordert, einer Gruppe beizutreten und ihre Fotos dem Gruppenpool hinzuzufügen.

Kommunikation auf Flickr, das dürfte aufgrund der Erläuterungen klar geworden sein, spielt sich hauptsächlich auf den Fotoseiten ab, die Kommunikation in den Gruppenforen spielt eine untergeordnete Rolle. Um über die Fotos zu kommunizieren, stehen den Flickr-Mitgliedern sowohl Kommentare unterhalb als auch Notizen innerhalb des Bildes zur Verfügung, wohingegen Titel, Beschreibung und Tags hauptsächlich als Metadaten zum Bild fungieren. Von den Nutzerinnen und Nutzern werden der Titel und die Tags bevorzugt, eine Beschreibung wird seltener verfasst (vgl. die Ergebnisse in Kapitel 9.1).208 In der vorliegenden Arbeit liegt der Fokus im Bereich Kommunikation über Bilder auf den Notizen und bei den Metadaten auf den Tags. Beide werden jedoch stets auch im Zusammenhang der übrigen Elemente einer Fotoseite betrachtet (vgl. Abbildung 16).

4.5  Synopse

Mittlerweile gehören (Breitband-)Internetanschlüsse sowie Digitalkameras und Mobiltelefone mit integrierter Kamera im deutschsprachigen Raum und dabei insbesondere bei der jüngeren Generation zum Standard, womit die Grundlage für das Foto-Sharing gegeben ist. Post-PC-Geräte und insbesondere Smart-phones führen die Nutzerinnen und Nutzer meist mit sich, sodass sie jederzeit ← 135 | 136 → fotografieren und die Bilder ins Social Web hochladen können. Geteilt werden Fotos insbesondere in Social-Networking-Communitys und hier im Speziellen bei Facebook. Die Bilder in Social-Sharing-Communitys machen dahingegen einen verschwindend kleinen Anteil der gesamten Fotos im Social Web aus (vgl. Abbildung 12 auf Seite 78). Zu Beginn des Jahres 2013 wurden insgesamt täglich im Durchschnitt 550 Millionen Fotos ins Social Web hochgeladen, was auf das ganze Jahr hochgerechnet 200 Milliarden Bildern entspricht.

Fotos sind zudem auch in Social-Collecting-Communitys wie Pinterest von großer Relevanz. Im Gegensatz zum Social Sharing werden dort jedoch Bilder nur gesammelt und nicht selbst erstellt. In Social-Networking- und Social-Sharing-Communitys ist es hingegen verboten, Fotos hochzuladen, die das Urheberrecht verletzen. In Social-Networking-Communitys stehen die Menschen im Vordergrund, die Fotos dienen dem Identitäts- und Beziehungsmanagement, haben also vor allem dokumentarische Funktion und werden meist von Knipserinnen und Knipsern erstellt. Hingegen sind in Social-Sharing-Communitys Inhalte von Bedeutung, die von Dilettantinnen und Dilettanten oder Profis erstellt werden. Die Fotos dort haben primär ästhetische Funktion und fototechnische Aspekte rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Bilder in Social-Sharing-Communitys lassen sich zudem mit Metadaten versehen und ordnen, womit sie wiedergefunden werden können.209

Flickr ist die bekannteste Foto-Community im deutschsprachigen Raum und zudem neben Ipernity die einzige mit einer Notizfunktion. Auf Flickr können lediglich Mitglieder kommunizieren. Durch das Freemium-Modell stehen nicht allen Nutzerinnen und Nutzern dieselben Möglichkeiten zur Verfügung, was die Kommunikation beeinflussen kann. Konkret konnten Pro-Mitglieder mit einem kostenpflichtigen Account im Gegensatz zur Nutzerschaft der Basisversion Fotos in beliebig vielen Gruppen posten. Ein Foto, das in 100 Gruppentools anzutreffen ist, hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, einen Kommentar zu erhalten, als eines, das lediglich in 10 Gruppenpools liegt. Zudem kann in den Einstellungen festgelegt werden, wer Kommentare, Notizen oder Tags hinzufügen darf. In Gruppen allerdings werden solche Einschränkungen für Gruppenmitglieder aufgehoben, was demnach bedeutet, dass Fotos, die in Gruppenpools liegen, tendenziell mehr Kommentare erhalten dürften. Doch auch die Anzahl der Kontakte210 hat einen ← 136 | 137 → Einfluss darauf, wie ausgiebig Bilder kommentiert werden. Schließlich kann man vermuten, dass die Kommunikation mit Fremden anders ausfällt als mit Bekannten. Bei Flickr beläuft sich die Kommunikation mit Fremden laut einer Studie von Lerman und Johnes (2007) auf 29 % bis 56 %. Die relativ breite Spannweite lässt sich damit erklären, dass die Autorinnen zum einen Kommentare zu Fotos in einer relativ exklusiven Gruppe, die nur über Einladung zugänglich ist, ausgewertet haben (29 %). Zum andern wurden Kommentare zu Fotos auf der Explore-Seite analysiert (56 %). Explore-Fotos werden über einen geheim gehaltenen Algorithmus aus allen Flickr-Fotos täglich neu ermittelt und allen Nutzern prominent auf der Startseite präsentiert, weshalb es nicht frappant ist, das solche Fotos mehr Kommentare von Fremden erhalten.

Da Bilder oftmals in unterschiedlichen Gruppenpools liegen, die Kommentare aus allen Gruppen jedoch auf der Fotoseite angezeigt werden, kann sich auf den Fotoseiten in den Kommentaren ein heterogenes Bild zeigen, sei dies auf inhaltlicher oder auch auf sprachlicher Ebene. In den thematisch nicht festgelegten Gruppen Wir sprechen Deutsch, die für die empirische Analyse dieser Arbeit ausgewählt wurden, können folglich auch Kommentare in anderen Sprachen verfasst sein. Auf der in Abbildung 13 auf Seite 87 zu sehenden Fotoseite ist zum Beispiel ein englischsprachiger Kommentar mit einem Hinweis auf die entsprechende, englischsprachige Gruppe zu finden: »very nice! Seen in the group ›Style of Framed Pictures‹». Zumeist jedoch sind Kommentare nicht mit Hinweisen auf die entsprechende Gruppe versehen, sodass ein allfälliger Einfluss von bestimmten Regeln einer Gruppe auf die sprachliche Realisierung nicht erkannt werden kann. Manche Gruppen haben beispielsweise einen gewissen Kommentarzwang; wenn erst eine gewisse Anzahl an Kommentaren verfasst werden muss, bevor man ein neues Foto posten darf, fallen die Texte womöglich kürzer aus.

Dass sich auf Flickr sowohl in den Bildern als auch in den Kommentaren ein heterogenes Bild zeigt, kann aufgrund der Größe der Community nicht verwundern. Was Röll (2010: 213) für YouTube-Videos konstatiert hat, gilt gleichermaßen für Flickr-Fotos: »Das Niveau […] schwankt zwischen der Präsentation von unsäglichem und niveaulosem Bilderrausch und exquisiten, künstlerisch anspruchsvollen und reflektierten Beiträgen.« Nutzerinnen und Nutzer auf Flickr verfolgen verschiedene (Kommunikations-)Ziele, unterhalten sich über unterschiedliche Themen, sie verfügen nicht alle über die gleichen sprachlichen Kompetenzen, hal ← 137 | 138 → ten sich an verschiedene Kommunikationsnormen211, gehören unterschiedlichen Altersgruppen an und verfügen nicht alle über den gleichen Bildungsgrad. Wie in Kapitel 3.4 dargelegt wurde, führt eine solche Menge an variierenden und teils unbekannten Variablen dazu, dass generalisierende Aussagen zur sprachlichen Realisierung von Kommentaren, Notizen, Titeln, Tags oder Beschreibungen auf Flickr nicht möglich sind.

Auf Flickr sind neben intertextuellen Bezügen, von denen exemplarisch in Kapitel 9.2.4 die Tag-Titel-Relation untersucht wird, insbesondere die intermodalen Bezüge von großem Interesse. Sowohl die Tags als auch die Notizen, die im empirischen Kapitel analysiert werden, stehen in einer intermodalen Relation zum Bild (vgl. Kapitel 9.2.4 bzw. 9.3.4).

Als Einstieg in das Thema Social Sharing eignet sich die in der Informationswissenschaft angesiedelte Monographie von Ebersbach et al., in welcher dem Social Sharing ein eigenes Kapitel gewidmet ist (2011: 117–142). John (2013) gibt einen Überblick der verschiedenen Bedeutungen des Ausdrucks Sharing und analysiert, wie sich der Terminus im Kontext des Social Webs etabliert hat. Sprachwissenschaftliche Untersuchungen im Bereich Social Sharing liegen bisher zu Video- und Foto-Communitys vor. Androutsopoulos hat die Video-Community YouTube aus soziolinguistischer Perspektive untersucht. Zu nennen sind hier eine Untersuchung zur Verwendung und Inszenierung des Berlinischen in YouTube-Filmen und den dazugehörigen Nutzerkommentaren (vgl. Androutsopoulos 2012), eine analoge Analyse zum Bairischen (vgl. Androutsopoulos 2010b: 422) sowie eine Studie zur Lokalisierung212 von amerikanischen Videos, konkret die Veränderung durch Synchronisierung, Übersetzung und Untertitelung in bairische Versionen (vgl. Androutsopoulos 2010a: 208). Frobenius (2011) hat Eröffnungssequenzen in Vlogs213 untersucht, insbesondere Strategien, um das Publikum zu Reaktionen zu animieren. In einer weiteren Studie hat Frobenius ← 138 | 139 → (2013) eine Typologie von Zeigegesten in Vlogs erstellt und deren pragmatische Funktionen herausgearbeitet. Demarmels (2010: 253) zeigt in ihrem Beitrag auf, wie Szenen aus Fernsehserien durch Veränderung des O-Tons, der Musik, des Bildes, des Schnitts und der Sprache zu Fan-Videos umgestaltet werden; ein klassischer Fall von Mashups.

Die auf YouTube verfügbaren Videos gehören, wie die referierten Untersuchungen gezeigt haben, äußerst unterschiedlichen Kommunikat-Sorten an. In der zukünftigen Forschung müssten weitere Kommunikat-Sorten berücksichtigt und Unterschiede herausgearbeitet werden. Dasselbe gilt auch für Foto-Communitys wie Flickr: Ebenso müssten in weiterführenden Forschungsvorhaben verschiedene Bildsorten und Gruppen mit unterschiedlichen Fokussierungen berücksichtigt werden.

In den bisher verfügbaren Untersuchungen zu Flickr sind stets auch spezifische Teilaspekte herausgearbeitet worden. Ausführlich wurden multilinguale Praktiken untersucht; namentlich wurde analysiert, wie die Nutzerinnen und Nutzer auf Flickr ihre sprachlichen Kompetenzen in der Kommunikation mit einem internationalen Publikum einsetzen, welche Faktoren die Sprachwahl beeinflussen und wie durch multilinguale Praktiken Identitäten konstruiert werden (vgl. Lee, Barton 2011; Barton, Lee 2013: 45–48). Lee (2013) hat den metasprachlichen Diskurs auf Flickr zu Englischkompetenzen von Nutzerinnen und Nutzern untersucht und erläutert, wie sich Nicht-Muttersprachler über ihre Englischkenntnisse äußern, was die Motivation hinter solchen Bemerkungen ist und inwiefern diese Diskurse mit der Partizipation auf Flickr zusammenhängen. Am Beispiel von Flickr haben Barton und Lee (2012) zudem Aspekte der Schreibkompetenz in alltäglichen Schreibaufgaben untersucht, Barton (2012) hat analysiert, wie die Nutzerinnen und Nutzer lernen, die genannten Schreibkompetenzen mittels informellen Lernens auf Flickr zu erwerben. Thurlow und Jaworski (2011) schließlich betrachten Stellungnahmen von Flickr-Nutzerinnen und -Nutzern im Tourismus-Diskurs; als Basis der soziolinguistisch ausgerichteten Studie dient das »obligatory ›holding up the Leaning Tower of Pisa‹ photo« (ebd.: 232). All diese Studien haben die englischsprachige Kommunikation auf Flickr zum Forschungsgegenstand, einzig die Untersuchungen zur multilingualen Kommunikation schließen das Chinesische und das Spanische mit ein. Die deutschsprachige Kommunikation wurde bisher noch kaum untersucht. Lediglich zwei Untersuchungen zur Notizenkommunikation, die in der Literatur zur englischsprachigen Flickr-Kommunikation bisher nicht beachtet wurde, liegen vor: In einer korpusbasierten Studie standen die kommunikative Verwendung von Notizen, dialogische Notizen, komplementäre Notizen-Bild-Relationen sowie explizite und implizite Bezugnahmen von und auf ← 139 | 140 → Notizen im Zentrum (vgl. Müller 2012a). In einem weiteren Beitrag wurde ein Spezialfall von Notizenkommunikation untersucht, in dem Fotos in Bühnenbilder verwandelt werden, indem sie als virtuelle Bühnenräume für theatrale Kommunikation genutzt werden: Die im Bild platzierten Notizen der Akteure bilden die Dialoge einer inszenierten Party (vgl. Müller 2010: 246).214 ← 140 | 141 →


144   Social-Bookmarking-Dienste sollten tendenziell jedoch eher den Social-Collecting-Communitys zugerechnet werden (vgl. Kapitel 3.2), zumal es sich dabei um Linksammlungen handelt, die zwar auf User Generated Content verweisen können, selbst aber keinen darstellen.

145   In der vorliegenden Arbeit wird für Foto-Sharing-Community hauptsächlich die Kurz-form Foto-Community verwendet.

146   Digitalisierte und digital erstellte Bilder werden als spezifische Teilbereiche von digitalen Bildern verstanden.

147   Laut der JIM-Studie (2012: 6) waren 98 % der Haushalte, in denen 12–19-Jährige lebten, mit einem Internetzugang ausgestattet, laut der JAMES-Studie (2012: 12) 97 %.

148   59 % der Jugendlichen in Deutschland besitzen eine eigene Digitalkamera (Foto oder Video) sowie 54 % der Schweizer Jugendlichen eine Fotokamera (vgl. JIM-Studie 2012: 7, JAMES-Studie 2012: 14). Auffällig ist in beiden Ländern der signifikante Geschlechterunterschied: 72 % der Mädchen und 47 % Jungen in Deutschland haben eine eigene Digitalkamera (vgl. JIM-Studie 2012: 8), in der Schweiz können 67 % der Mädchen, jedoch nur 38 % der Jungen eine digitale Fotokamera ihr Eigen nennen (vgl. JAMES-Studie 2012: 15).

149   Laut der Agentur jim & jim besaßen im Juli 2013 bereits 90 % der Schweizer Jugendlichen zwischen 14 und 25 ein Smartphone (http://www.tagesanzeiger.ch/digital/multimedia/Generation-Whatsapp/story/24483985, 09.07.2013).

150   Regelmäßig heißt bei der JIM- und der JAMES-Studie mindestens mehrmals pro Woche, während bei der ARD/ZDF-Onlinestudie darunter mindestens einmal wöchentlich verstanden wird.

151   Gemeint sind damit Geräte wie Smartphones oder Tablets, die in der Post-PC-Ära aufkamen. Der Ausdruck ist also als verkürzte Form von Post-PC-Ära-Geräten zu verstehen, da der Gebrauch von Post-PC-Geräten nicht denjenigen von PCs ablöst, sondern ergänzt.

152   2012 wurden diese Daten nicht mehr erhoben.

153   In Schätzungen von 2010 ging man für das Jahr 2013 von 180 Milliarden aus (vgl. Steinschaden 2010: 21). Bei einem durchschnittlichen monatlichen Zuwachs von 10 Milliarden Bildern dürfte sich die Anzahl Fotos bei Facebook Ende 2013 um die 350 Milliarden belaufen. Die tatsächlichen Zahlen übertreffen die Schätzungen folglich bei Weitem.

154   Bereits im Jahr 2009 lagen rund 60 % aller Bilder im Social Web auf den Servern von Facebook (vgl. Steinschaden 2010: 22).

155   Die Zahlen von 2013 beziehen sich auf Daten von Januar bis Mai. http://de.slideshare.net/kleinerperkins/kpcb-internet-trends-2013 (05.07.2013).

156   Selbstverständlich ist der Hauptteil der Fotos im Social Web digital hergestellt, doch liegt auch das Teilen von digitalisierten Bildern im Trend: Bei Facebook beispielsweise erfreuen sich mehrere Seiten großer Beliebtheit, auf denen anhand von digitalisierten Fotos – vielfach von den Fans zusammengetragen – der historische Wandel von Städten dokumentiert wird: »Vintage Vienna« (50 000 Fans), »Roma Sparita« (180 000 Fans) sowie »Milano Sparita« (55 000 Fans), aber auch Seiten zu kleineren Städten, zum Beispiel »Baden gestern und heute« mit 3 000 Fans (vgl. Köberl 2013; Kramer 2013).

157   Teilweise werden dafür in der Literatur spezifischere Benennungen verwendet wie »video hosting websites« (Frobenius 2011: 815) oder es werden die geteilten Inhalte in den Vordergrund gerückt wie in »media-sharing sites« (Androutsopoulos 2010a: 227) oder »content sharing sites« (Androutsopoulos 2010b: 422).

158   https://www.flickr.com/help/guidelines/ (02.07.2013).

159   http://about.pinterest.com/ (27.06.2013).

160   Eine Form von Social Collecting findet sich jedoch teilweise auch in Foto-Communitys: So können auf Flickr Galerien mit Fotos anderer Nutzer angelegt werden und auch die Favoriten werden als Album angezeigt.

161   Der Fachterminus stammt aus dem Japanischen und bedeutet unscharf oder verschwommen. Bei Motiven, die einen Unschärfebereich aufweisen, wird mit Bokeh die Ausgestaltung dieser Bereiche bezeichnet. Zuweilen werden auch Fotografien, die Bokehs enthalten, als Bokehs bezeichnet.

162   Gemeint ist hier nicht die abwertende Bedeutung Stümper, sondern »jemand, der sich mit einem bestimmten [künstlerischen, wissenschaftlichen] Gebiet nicht als Fachmann, sondern lediglich aus Liebhaberei beschäftigt« (Duden 2012).

163   Der Übergang von Dilettantinnen und Dilettanten zu Profis ist selbstverständlich fließend.

164   Ebersbach et al. (2011: 120) sprechen von öffentlichen, internen und privaten Daten.

165   Durch die Einführung von Hashtags in Social-Networking-Communitys ist neuerdings eine Möglichkeit der Verschlagwortung geschaffen worden, doch dürften dort Hashtags weitaus weniger häufig und in geringerer Anzahl vergeben werden als Tags in Social-Sharing-Communitys.

166   Bekannt sind beispielsweise Sternchen (Amazon, Flickr, Twitter) oder das Daumenhoch-Symbol (Facebook, YouTube).

167   https://www.gartner.com/it/page.jsp?id=2161315 (04.10.2012).

168   Die englischsprachigen Abkürzungen lauten in der Vollform wie folgt: NC = noncommercial, ND = no derivates, SA = share alike.

169   Nützlich ist auch die Metasuchmaschine Creative-Common-Search, mit der verschiedene Datenbanken durchsucht werden können, so auch Flickr und Google.

170   http://commons.wikimedia.org/wiki/Main_Page (28.06.2013).

171   Bei Social-Networking-Communitys funktionieren die Fun-Communitys zumeist (noch) nicht nach dem Freemium-Modell, eine Ausnahme bildet hier beispielsweise die in den Niederlanden populäre Community Hyves (vgl. http://www.hyves.nl/goldmember/stat). Business-Communitys hingegen basieren zumeist auf dem Freemium-Modell, so etwa XING. Premiummitglieder können zum Beispiel eine Such-funktion nutzen; darüber hinaus können sie sehen, wer ihr Profil besucht hat (vgl. Ebersbach et al. 2011: 102).

172   Ranking in Deutschland vom 3. Juli 2013. Im weltweiten Ranking ist die Reihenfolge dieselbe, die ersten drei Communitys sind im weltweiten Durchschnitt stärker frequentiert als in Deutschland, die letzten beiden schwächer: Flickr (93), deviantART (142), Photobucket (212), Fotocommunity (8 780) und Ipernity (24 770).

173   Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Indonesisch, Italienisch, Koreanisch, Portugiesisch, Spanisch und Vietnamesisch.

174   Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch.

175   Chinesisch, Deutsch, Englisch, Esperanto, Französisch, Galizisch, Griechisch, Italienisch, Katalanisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Schwedisch, Spanisch und Tschechisch. Da die Community-Mitglieder bei der Übersetzung mitwirken können (vgl. http://www.ipernity.com/about/translation/, 04.07.2013), spiegeln die verfügbaren Sprachversionen in einem gewissen Maße auch die Sprachen der Nutzenden wider.

176   Wer sich detaillierter über die Funktionsweisen von Flickr informieren möchte, sei auf Giles (2006) oder Immler und Spiering (2009) verwiesen. Da sich jedoch die Funktionen ständig verändern, erscheint es sinnvoll, sich zudem direkt auf den Flickr-Seiten zu informieren.

177   Auch der Ausdruck Browser geht im Übrigen auf diese Metapher zurück, es handelt sich um eine »Ableitung des Verbs to browse (in etw.) blättern, sich umsehen« (Duden 2007c).

178   http://www.flickr.com/groups/central/discuss/532/ (05.07.2013).

179   http://www.flickr.com/new/ (20.05.2013).

180   Seit April 2008 können auch kurze Video-Sequenzen auf Flickr hochgeladen werden. Viele der Community-Mitglieder lehnen diese Funktion jedoch ab (vgl. Meier 2009: 189), weshalb sie auch eher selten verwendet wird. Überdies sei erwähnt, dass Flickr sich selbst als »die wahrscheinlich beste Online-Fotoplattform der Welt« (http://www.flickr.com/about/, Herv. CMS, 07.07.2013) bezeichnet.

181   Beim früheren Freemium-Modell wurden durch einen Pro-Account verschiedene Einschränkungen aufgehoben, beispielsweise das maximale Hochladevolumen pro Monat und die maximale Fotogröße. Nun gibt es keine derartigen Beschränkungen mehr. Durch einen sogenannten Doublr-Account jedoch kann der Speicherplatz auf 2 Terabyte verdoppelt werden und bei einem Ad-Free-Account wird die Werbung ausgeblendet.

182   www.flickr.com/photos/rittabaer/3471673874/ (10.07.2013).

183   www.flickr.com/photos/jorbasa/4900565145/ (14.09.2010).

184   Bis zum 20. Mai 2013 gab es einige Beschränkungen, so konnte beispielsweise ein Foto maximal zu zehn Gruppen hinzugefügt werden, wenn man keinen Pro-Account besaß.

185   https://secure.flickr.com/cameras (04.07.2013).

186   Der Download kann beispielsweise über die App Bulkr erfolgen (http://www.flickr.com/services/apps/72157622874451890/, 21.07.2013).

187   In der Suche kann spezifisch nach Bildern mit einer Creative-Common-Lizenz gesucht werden. Darüber hinaus gibt es auf Flickr auch viele Fotos, bei denen keine Urheberrechtseinschränkung bekannt ist, und die von verschiedenen Institutionen wie Bibliotheken, Archiven und Museen zur Verfügung gestellt werden: http://www.flickr.com/commons (06.07.2013).

188   Auch hier zeichnet sich eine Veränderung ab: Bei Facebook sind zwar Freundschaften immer noch gegenseitig, doch können inzwischen auch Personen »abonniert« werden, sofern sie diese Option freischalten.

189   http://www.flickr.com/photos/tags/ (19.07.2013).

190   Die Interestingness basiert auf einem geheimen Algorithmus.

191   http://www.flickr.com/explore/interesting (06.07.2013).

192   Die API-Dokumentation sowie daraus entstandene Anwendungen finden sich hier: http://secure.flickr.com/services/api/ sowie http://secure.flickr.com/services/ (07.07.2013).

193   Anwendungen wie Bubblr sind gut geeignet, um im Unterricht die multimodale Kompetenz zu fördern (vgl. Müller 2012b).

194   http://www.pimpampum.net/bubblr/ (07.07.2013).

195   http://t3n.de/news/wp-content/uploads/2013/05/flickr-photostream-vergleich.jpg (07.07.2013).

196   Die Bezeichnung ist unglücklich gewählt, da den narrativen Impulsen und den affektiven Reaktionen auch das Attribut kommunikativ zugewiesen werden kann.

197   http://www.flickr.com/groups/no_notes (08.07.2013).

198   http://www.flickr.com/photos/90983012@N00/4515991610 (08.07.2013).

199   Bei Twitter entspräche dies den Followern. Der Terminus wird auf Twitter sowohl in der englisch- als auch in der deutschsprachigen Version verwendet. Das Gegenteil nennt sich Following (in der deutschen Version: Folgt sowie Folge ich). Wenn beispielsweise Nutzer A die Nutzerin B abonniert, so ist aus der Sicht der Nutzerin B der Nutzer A ein Follower, aus Sicht von Nutzer A hingegen folgt er Nutzerin B. Bei Flickr selbst ist stets nur die Rede von Kontakten, d. h. es wird sprachlich nicht zwischen Following und Follower unterschieden.

200   Gegenseitige Kontakte sind dann gegeben, wenn die in Fußnote 199 genannte Nutzerin B dem Nutzer A ebenfalls folgt, d. h. Following und Follower entsprechen sich.

201   Kontakt wird als Oberbegriff zu Abonnentinnen und Abonnenten und gegenseitigen Kontakten verwendet.

202   Die Summe der Prozentzahlen ergibt deshalb mehr als 100 %, weil die Abonnentinnen und Abonnenten eine Teilmenge der gegenseitigen Kontakte darstellen.

203   Da in größeren Städten immer wieder auch Treffen von Flickr-Mitgliedern stattfinden, die gemeinsam auf Foto-Tour gehen, lernen sich so Mitglieder der virtuellen Community auch offline kennen.

204   Ein Screenshot der Fotoseite wäre zu platzraubend gewesen, weshalb hier lediglich das Bild und dessen Bildantwort abgebildet sind. http://www.flickr.com/photos/letzte_fotos_natascha/6276911010/ (09.07.2013).

205   In Anwendungen wie VoiceThread hingegen können bereits Kommentare in Form von Texten sowie Audio- und Videodaten abgegeben werden (vgl. Herring 2013: 16–17).

206   Nicht-öffentliche Gruppen oder Gruppen, denen nur auf Einladung hin beigetreten werden kann, dürfen aus forschungsethischen Überlegungen heraus nur mit Einverständnis der Gruppenmitglieder untersucht werden (vgl. Kapitel 1.4).

207   Bekannt ist das Spiel, dass in einem Thread jeweils das Lieblingsfoto des Vorgängers ausgewählt und gepostet wird.

208   Auch Barton und Lee (2012: 288) konstatieren bezüglich der Beschreibungen: »They were not quite as common as titles, but many pictures had them«, nennen aber keine konkreten Zahlen.

209   Seit 2013 kann mit der Einführung der Social-Graph-Suche auch bei Facebook nach Bildern gesucht werden.

210   Kontakte auf Flickr können wie auch auf Twitter einseitig (Abonnentinnen und Abonnenten) oder wechselseitig (gegenseitige Kontakte) ausfallen, weshalb Kontakte als Oberbegriff zu den beiden verstanden wird.

211   Manche Gruppenregeln können als Kommunikationsnormen betrachtet werden; darüber hinaus gelten in bestimmten Sprachgemeinschaften oder Peer-Groups ebenfalls gewisse Konventionen.

212   »By localization I mean a discourse process by which globally available media content is modified in a (more or less salient) local manner, involving some linguistic transformation to a local code and an orientation to a specific audience, defined by means of language choice« (Androutsopoulos 2010a: 205).

213   »As a working definition of vlogs I suggest ›a video sequence similar to a blog that a user (vlogger) shoots of him- or herself talking into a camera and, after optional editing, uploads to the internet, where viewers can rate it and/or leave comments in written or video form‹« (Frobenius 2011: 816).

214   Die im erwähnten Beitrag analysierten Fotoseiten entstammen dem Album »House of Rocky Docky«: http://www.flickr.com/photos/mbiker/sets/72157603830765536/with/2234273011/ (24.07.2013).