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Antisemitismus im Reichstag

Judenfeindliche Sprache in Politik und Gesellschaft der Weimarer Republik

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Susanne Wein

Die Studie untersucht erstmals judenfeindliche Äußerungen im Reichstag der Weimarer Republik und weist nach, dass Antisemitismus ein relevantes Deutungsmuster darstellte. Aus zahlreichen Beispielen der Themenfelder Ostjudendebatten, Barmat-Skandal und Reparationen sowie anhand des Umgangs mit Abgeordneten jüdischer Herkunft erarbeitet das Buch eine Sprache der Judenfeindschaft von manifester Propaganda bis hin zu kulturell eingeschriebenen Wendungen. Der antisemitischen Agitation der Rechtsextremen und den codierten Sprachmustern der Rechten stehen entweder ausbleibende oder zunehmend erlahmende Reaktionen der bürgerlichen und linken Parteien gegenüber. Sie verdeutlichen einen Mangel an Sensibilität für die Macht des Wortes und weisen auf ein Versagen von Teilen der Öffentlichkeit hin.
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D. Das antisemitische Sprachhandeln von der I. bis zur V. Wahlperiode

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„Aber, meine Damen und Herren, wenn wir die Vorherrschaft des Judentums in unserem Volke seit der Revolution, wie es in diesem Programm heißt, außerhalb dieses Hauses bekämpfen, dann haben wir unseren Wählern und unseren Anhängern gegenüber die Pflicht, das ebenso loyal in diesem Hause zu tun.”1661

Die vorliegende Untersuchung über Antisemitismus in den Reichstagsdebatten fragte zunächst anhand des innenpolitisch wichtigen Themas der Zuwanderung von Ostjuden, inwieweit die Stereotypisierung und die Projektion vielfältiger Bilder (wie „der Schieber“ und „der Kriegsgewinnler“) diesen Topos ‚des Ostjuden‘ als inneren Feind erst dauerhaft tragfähig machte. Anschließend wurden die Debatten zum zentralen außenpolitischen Diskurs der Reparationen untersucht, in denen es anfangs häufig zu manifest-antisemitischen Aussagen kam (wie das „internationale jüdische (Groß-)kapital“). Der Vergleich der Debatten zum Dawes- und Youngplan zeigte die Unterschiede in der Rhetorik im rechten Lager auf. Es konnte festgestellt werden, dass die Deutschvölkischen/Nationalsozialisten bestimmte Schlüsselbegriffe mit einer antisemitischen Bedeutung laminierten und dadurch die Lexeme ‚Jude‘ oder ‚jüdisch‘ überflüssig machten.

Neben der Analyse der antisemitischen Anreicherung allgemein politischer Themen untersuchte das vorherige Kapitel die Erfahrungen von Abgeordneten jüdischer Herkunft in den 1920er Jahren im Reichstag.

Dieses Kapitel soll in einer chronologischen Linie nachvollziehen, welche antisemitischen Invektiven abseits der politischen Tagesordnung von Akteuren der DNVP und der NF (später der NSDAP) eingebracht und wie sie platziert wurden. Es kann hier nicht um eine umfassende quantitative Darstellung der...

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