Show Less
Restricted access

Geschichte in Bildern – Bilder in der Geschichte

Fallbeispiele zur historischen Bildforschung

Series:

Eugen Kotte

Seit den 1990er Jahren hat sich das Augenmerk der Geschichtswissenschaft zunehmend auf die Auseinandersetzung mit bildlicher Überlieferung gerichtet, eine Entwicklung, die ganz unmittelbar im Kontext des kulturwissenschaftlichen Iconic Turn zu sehen ist. Bilder werden seitdem grundsätzlich in die historische Forschung und Vermittlung einbezogen und weit über ihre bloße Illustrations- und Anschauungsfunktion als genuine Quellen, als Medien der Erinnerungskultur sowie als geschichtskulturelle Objektivationen wahrgenommen. Es interessieren neben ihrer artifiziellen Eigenart sowohl der Produktions- als auch der Rezeptionsprozess, nach deren jeweiligen Kontexten nun dezidiert gefragt wird. Dieser Visual History tragen die Beiträge dieses Bandes Rechnung, indem sie nicht nur verschiedene Zugriffe aufweisen und höchst unterschiedliche Inhalte thematisieren, sondern auch ein Spektrum unterschiedlicher Bildgattungen und Motive aufzeigen, die zu verschiedenen Zeiten in diversen Ländern Konjunktur hatten.
Show Summary Details
Restricted access

Fabian Münch: Gescheiterte Helden. Die Expedition von Burke und Wills in australischen Historiengemälden

Extract

| 101 →

Fabian Münch

Gescheiterte Helden. Die Expedition von Burke und Wills in australischen Historiengemälden

Wenige Ereignisse beflügeln die menschliche Phantasie derartig stark wie gescheiterte Expeditionen. So verhält es sich auch mit der Victorian Exploration Expedition, besser bekannt als die Expedition von Burke und Wills, die sich am 20. August 1860 auf den Weg machte, um erstmals den australischen Kontinent von Melbourne im Süden zum Gulf of Carpentiera im Norden zu durchqueren und dabei insgesamt mindestens 5000 Kilometer zurückzulegen.1 Zwar wurde das Ziel der Durchquerung erreicht, doch erhebliches Missmanagement und zeitgenössische kulturelle Ignoranz gegenüber der indigenen Bevölkerung seitens der Expeditionsleitung führten zu chaotischen Verhältnissen, durch die sieben Expeditionsteilnehmer starben – unter ihnen der Anführer Robert O‘Hara Burke und sein erster Offizier John William Wills. Mit John King kehrte nur ein einziger Mann, der die gesamte Strecke zurückgelegt hatte, wieder lebendig nach Melbourne zurück. Das Scheitern der Expedition änderte nichts daran, dass Burke und Wills zu Helden erhoben wurden und ihre Geschichte zunächst Eingang in die koloniale und ab 1901 in die nationale Geschichtskultur2 fand, wo sie bis heute ihren festen Platz hat.3 Als Objektivationen des für ihre Entstehungszeit zeitgenössischen Geschichtsbewusstseins haben Historiengemälde von Beginn der Expedition an und erst Recht nach ihrem Scheitern eine besondere Rolle gespielt, da sie die als heroisch wahrgenommene Geschichte der gescheiterten Helden für eine breite Öffentlichkeit visualisierten und bis heute deren...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.