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Kollokationen im Zivilrecht Polens in den Jahren 1918–1945 mit besonderer Berücksichtigung der deutschsprachigen Zivilgesetzbücher

Eine kontrastive Studie

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Felicja Ksiezyk

Die Autorin befasst sich mit den rechtssprachlichen Kollokationen in Zivilgesetzbüchern, welche in Polen nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit in Geltung blieben, bevor sie einem einheitlichen polnischen Recht den Platz räumten. Die entsprechenden Gesetzestexte werden von ihr in einem sprachkontrastiven Ansatz analysiert, samt ihren Übertragungen ins Polnische. Welches der großen Gesetzeswerke ist am prägendsten für die polnische Rechtssprache gewesen? Inwiefern stimmen die analysierten Übersetzungen mit der heutigen polnischen Sprache überein? Die Analyse verdeutlicht, dass Übertragungen der deutschsprachigen Texte in einem wesentlich höheren Grad mit der polnischen Gegenwartssprache konform sind als das französisch-polnische Recht.
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3. Heranführung an das Untersuchungskorpus

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3.1. Rechtshistorische Hintergründe. Rechtsentwicklung in Polen vom 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts

[…] dank der fortgesetzten Zirkulation der westlichen Modelle vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg [stehen] alle Rechte Osteuropas den Rechten des kontinentalen Westens viel näher […] als das common law solcher Mitglieder der Europäischen Union und Teilnehmer an der western legal tradition wie Großbritannien und Irland. (Giaro 2003: 138)

3.1.1. Das Recht im altpolnischen Staat

Bis zum Untergang des polnischen Staates 1795 war das alte Polen „ein typisches Land des Gewohnheitsrechts“ (Pauli 1984: 1808, vgl. auch Dąbkowski 1910: 41f.). Dieses Recht hatte sich durch langjährige tatsächliche Übung, die von der Rechtsüberzeugung der Beteiligten getragen ist, herausgebildet und war dementsprechend nie vollständig verschriftlicht („gesetzt“) worden.52 Als Gewohnheitsrecht behielt das polnische Landrecht, dessen Teil das Privatrecht war, seinen einheimischen Charakter. Seine Entwicklung wurde auch durch die Rezeption des römischen Rechts in Europa nicht aufgehalten: Das kaiserliche Recht wurde im polnischen Landrecht weder ausdrücklich rezipiert (anders in den Stadtrechten), noch wesentlich infiltriert (vgl. Pauli 1981: 207f., Giaro 2003: 123 und Giaro 2006: 283).53 Allerdings hat die Beschäftigung mit dem römischen Recht nach Küpper (2005: 274) zu einer Verfeinerung des polnischen Gewohnheitsrechts geführt, wie einige Fachtermini, z.B. die Unterscheidung von Vorsatz und Fahrlässigkeit sowie öffentlichem und privatem Recht beweisen, die dadurch Eingang in das polnische Recht gefunden...

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