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Deutsch im Kontakt und im Kontrast

Festschrift für Prof. Andrzej Kątny zum 65. Geburtstag

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Edited By Katarzyna Lukas and Izabela Olszewska

In dieser Festschrift zum 65. Geburtstag von Prof. Andrzej Kątny knüpfen die Autorinnen und Autoren aus Polen, Deutschland, Österreich, Russland und der Ukraine an die Forschungsgebiete des Jubilars an. Die Themen der Aufsätze reichen daher von kontrastiver Grammatik (Deutsch-Polnisch-Englisch) über Wortbildung in kontrastiver Sicht, Lexikologie, Lexikographie, Phraseologie und Pragmalinguistik bis hin zu Sprach- und Kulturkontakten.
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Adjektivische Zusammenbildungen mit substantivischer Basis in der deutschen und dänischen Gegenwartssprache: Eugeniusz Rajnik

Adjektivische Zusammenbildungen mit substantivischer Basis in der deutschen und dänischen Gegenwartssprache

Eugeniusz Rajnik

Poznań

Adjectival compositional-derivational word-formations with noun base in present German and Danish. – The purpose of this article is to present adjectival compositional-derivational word-formations with noun base in present German and Danish with regard to their structure, morphology and partly their semantics. There are different interpretations of the notion ‚Zusammenbildungen‘ in German and ‚samdannelser‘ in Danish scholarly literature. This description is based on a morphological analysis. A few types of structures are presented and some morphological phenomena and changes concerning the individual examples are described.

1. Einleitung

Im vorliegenden Artikel wird versucht, zu einem besseren Verständnis der deutschen und dänischen adjektivischen Zusammenbildungen (= ZBen) mit substantivischer Basis beizutragen, die als eine produktive Wortbildungsart betrachtet wird. In der Darstellung soll eine synchron-strukturelle kontrastive Analyse der genannten Bildungen im Deutschen und Dänischen vorgenommen werden. Der Beitrag setzt sich zum Ziel, die Rolle der adjektivischen ZBen im Sprachsystem zu analysieren, Kriterien für eine Klassifikation der ZBen im Sinne einer Worttypenlehre zu erarbeiten und die Zusammenhänge zwischen Wortbildung und Syntax zu erhellen. Die Beispiele stammen zu einem großen Teil aus Wörterbüchern. Es wurden auch die wichtigsten neueren deutschen und dänischen Darstellungen auf die adjektivischen ZBen hin durchgesehen. Die deutschen Belege werden in diesem Beitrag als theoretische Ausgangsbasis betrachtet, weil sie in größerer Menge als im Dänischen auftreten. Meine Aufgabe war es, die Zusammenbildungsmodelle darzustellen und auf einige andere Probleme und Tendenzen hinzuweisen, die für den Sprachwissenschaftler und Sprachlehrer von Bedeutung sind. Naturgemäß konzentriert sich dieser Beitrag auf die synchronische Analyse des Materials, wobei morphologische und teilweise syntaktische Aspekte in Betracht gezogen werden. Die Kenntnis der produktiven Wortbildungsmodelle, zu denen man u.a. die ZB zählt, ermöglicht bessere Einsichten in die Struktur der Wörter. ← 199 | 200 →

Bei der Untersuchung der ZBen gehe ich von einer morphematischen Aufgliederung aus. Ich bemühe mich dabei, die ZBen im Deutschen und Dänischen ständig innerhalb des gleichen morphematischen Typs zu vergleichen, um dadurch Entsprechungen, Ähnlichkeiten bzw. Unterschiede, vor allem in der Struktur, aufzeigen zu können. In der Regel haben wir es mit zwei unmittelbaren Konstituenten zu tun.

Eine Analyse der Beziehungen zwischen den Wortbildungen und den syntaktischen Konstruktionen zeigt, wie ein Sprecher eine ihm unbekannte Konstruktion auflösen kann. Durch das Transformationsverfahren überprüft man, ob:

1.die Glieder der Bildung auch ohne Beziehungswörter (z.B. Präpositionen) transformierbar sind;

2.die Wortbildungen durch Einführung neuer lexikalischer Elemente transformiert werden können, die in der Oberflächenstruktur nicht enthalten sind.

2. Zur Stellung der Zusammenbildungen innerhalb der deutschen Wortbildung

In der neueren Forschungsliteratur werden ZBen auf verschiedene Art und Weise im Deutschen (darüber siehe u.a. DONALIES 2005: 93–96) analysiert und eingeordnet. Den Unterschieden in der Behandlung von ZBen liegen unterschiedliche Auffassungen von Komposita und Derivaten zugrunde. Die herkömmliche Wortbildungslehre geht davon aus, dass zwei Prozesse, Zusammensetzung und Ableitung, gleichzeitig wirken, um aus einer Wortgruppe eine neue Einheit zu bilden.

FLEISCHER / BARZ (1995: 46–47) verzichten auf den Terminus ‚Zusammenbildungen‘, weil diese als explizite Derivate mit Wortgruppen als Basis zu betrachten sind. Solche Wortgruppen „können verbalen (Farbe geben → Farbgebung) oder substantivischen (breite Schulter → breitschultrig) Charakter haben“ (FLEISCHER / BARZ 1995: 46). EICHINGER (2000: 158) fasst solche Bildungen als Zusammenbildungen auf, „bei denen das Suffix lexikalisch hierarchisierte Phrasen zusammenfasst“. In diesem Zusammenhang nennt er u.a. folgende Adjektive als Beispiele: zweitklassig, vollmundig, zielstrebig. Er gibt außerdem noch eine andere Definition der ZB an: „Die Zusammenbildung lässt sich als die Möglichkeit verstehen, mit den Mitteln der Derivation auf lexematische Konstellationen zuzugreifen, die syntaktisch als Attributkonstruktionen realisiert würden“ (EICHINGER 2000: 214). VATER (2002: 79) betrachtet Zusammenbildungen als einen besonderen Typ von Komposita. Er nennt u.a. folgende Beispiele: blauäugig, rotbäckig und einfenstrig, in denen das Zweitglied (äugig, fenstrig) nicht frei vorkommen kann.

Nach MOTSCH (2004) werden solche Bildungen Zusammenbildungen genannt, bei denen als Basis einer Derivation Kombinationen von V, A oder N mit anderen ← 200 | 201 → lexikalischen Einheiten vorkommen, z.B. dreieckig. Dabei handelt es sich „stets um Kombinationen von lexikalischen Einheiten, denen auch Phrasenstrukturen entsprechen: drei Ecken“ (MOTSCH 2004: 9). Diese Kombinationen bestehen nur aus Lexikoneinheiten. Nach DONALIES (2005: 95–96) sollte man solche Wortbildungsprodukte wie Appetithemmer als Determinativkomposita und solche wie Dickhäuter, Langschläfer, viertürig und blauäugig, die ein Adjektiv als Ersteinheit enthalten, als explizite Derivate analysieren. KESSEL / REIMANN (2008: 109) definieren eine Zusammenbildung als „Ableitung einer Wortgruppe“ und geben u.a. folgende Adjektive als Beispiele an: gleichzeitig, viertürig, zielstrebig.

3. Zur Stellung der Zusammenbildungen innerhalb der dänischen und norwegischen Wortbildung

In der einschlägigen Fachliteratur werden ZBen im Dänischen, Schwedischen und Norwegischen (darüber siehe u.a. GUDIKSEN 1995, RAJNIK 2004b) verschieden interpretiert. Zu dieser Wortbildung existieren nur mehr oder weniger umfangreiche Abschnitte in verschiedenen dänischen sprachwissenschaftlichen Publikationen bzw. einige Beiträge in Form von Aufsätzen. Verhältnismäßig wenig hat man bisher über die ZB im Dänischen veröffentlicht. Es gibt keine zusammenfassende Darstellung aller Typen von ZBen aus synchronischer Sicht. Stattdessen kursieren lediglich verschiedene Auffassungen von dem Begriff ‚samdannelse‘ (‚Zusammenbildung‘) in der dänischen Fachliteratur. Ich habe mich vor allem auf die Beschreibung von DIDERICHSEN (1957) gestützt. Die Abgrenzung von Zusammenbildung und Zusammensetzung ist fließend. Um beide Termini auseinander zu halten, ist man gezwungen, Kriterien aufzustellen, die einen Zusammenhang zwischen dem ersten und zweiten Glied zeigen. DIDERICHSEN verwendet in seiner Grammatik (1957: 20, 78–83) den Terminus ‚samdannelse‘. Er ordnet diesen Wortbildungstyp den Ableitungen zu und definiert ihn als Konstruktion, die zugleich mit Hilfe von Ableitung und Zusammensetzung gebildet wird. Als Beispiele für adjektivische ZBen gibt er u.a. an: barbenet (: bare ben), varmblodig (: varmt blod), wobei er zu dieser Kategorie auch mehrgliedrige Partizipialadjektive, z.B. maskinskrevet, opsigtsvækkende, rechnet.

Als die umfangreichste Arbeit, die alle Wortbildungstypen zusammenstellt und beschreibt, gilt Moderne Dansk (HANSEN 1967). Die Konstruktionen, die man als ZBen auffasst, sind dort sowohl unter den Ableitungen als auch unter den Zusammensetzungen vertreten. Bei der Beschreibung des Suffixes -ig gebraucht HANSEN (1967: 436) den Begriff ‚afledninger‘ (Ableitungen) in Bezug auf u.a. folgende Beispiele, die meistens ein Adjektiv als Ersteinheit haben: fuldtallig, dobbelttydig, koldblodig, åbenhjertig, mangesidig. HANSEN (1967: 433) betrach ← 201 | 202 → tet manche Adjektive mit dem Suffix -et als „afledning af en attributivforbindelse der ikke foreligger som sammensætning, med betydningen: som har, er forsynet med det attributivforbindelsen betegner“, z.B. bararmet (som har bare arme), mørkhudet, blåøjet, mangehovedet, langhåret. SKAUTRUP (1968: 379) verwendet den Terminus ‚syntetiske sammensætninger’, um Bildungen wie z.B. hårdhjertet, rødkindet, stivbenet, enarmet, tobenet zu bezeichnen.

FAARLUND et al. (1997: 60) betrachten solche norwegischen Adjektive wie tospråklig als „en avledning med suffikset -lig til basen to språk“. Sie meinen, dass es für die Analyse nicht entscheidend ist, ob *tospråk als selbständiges Wort auftritt.

TOGEBY (2003: 29) gebraucht den Terminus ‚samdannelser‘ und nennt u.a. folgende Beispiele: kold+blod~ig, rød+hår~et, under+jord~isk. Er definiert sie als „flermorfemord hvor man ikke […] kan se at to af morfemerne historisk eller logisk hører nærmere sammen med hinanden end med det tredje led“. HANSEN / HELTOFT (2011: 253) meinen, dass ‚samdannelse‘ einer abgeleiteten Zusammensetzung („en afledt sammensætning“) ähnelt, wobei der Stamm aus einigen Wurzeln besteht, z.B. fler-sid-ig, rød-hår-et, und das Wort *flerside nicht existiert. Nach HANSEN / HELTOFT entspricht das Verhältnis zwischen dem Derivativ und Stamm einem Satz mit dem Verb have/få als Prädikat, z.B. rødhåret (vgl. … har rødt hår), tykhudet (vgl. … har tyk hud).

4. Morphologische Strukturtypen der adjektivischen Zusammenbildungen

Die adjektivischen ZBen sind in der Regel auf syntaktische Wortverbindungen zurückzuführen. Das Suffix hat hier die Aufgabe, die ZB kategorial und grammatisch zu bestimmen. Die Grundlage adjektivischer ZBen ist die substantivische bzw. verbale Basis:

/KAdj/Pron/Num/Adv/Präp + KSubst/ + Suff, vgl.

dt. breite + Schulter (Subst) + -ig → breitschult(e)rig (Adj), langer + Hals + -ig → langhalsig;

dän. bred + skulder (Subst) + -et → bredskuldret (Adj), lang + hals + -et → langhalset;

/KAdj /Subst/Adv/Num + KVerb/ + Suff, vgl.

dt. schnell + laufen (Verb) + -ig → schnellläufig (Adj), mehr-, zweideutig;

dän. kort + vare (Verb) + -ig → kortvarig (Adj), mange-, tvetydig.

ZBen auf -ig im Deutschen und -ig bzw. -ig und -(e)t im Dänischen, denen verbale Wortverbindungen entsprechen, treten seltener auf. Ich habe sie in meinen Überlegungen außer Betracht gelassen. ← 202 | 203 →

Durch Vergleich der ZBen mit äquivalenten Wortgruppen wird auch das semantische Verhältnis zwischen diesen Konstruktionen ermittelt. Gerade bei der Auflösung der adjektivischen ZBen in syntaktische Fügungen zeigt sich, wie man mit einem Minimum an sprachlichem Aufwand ein Maximum an sprachlichem Effekt erreichen kann. Die inneren Beziehungen zwischen den beiden Komponenten einer adjektivischen ZB sind sehr vielfältig und lassen sich am besten durch Transformation verdeutlichen. Bei der Transformation der ZBen handelt es sich vor allem um eine grammatische Analyse der Beziehungen zwischen den beiden Konstituenten. Es wird also eine formale (strukturelle) Untersuchung mit einer semantischen verbunden.

Die adjektivischen ZBen können in äußerster Kürze und Genauigkeit komplexe Sachverhalte ausdrücken, die sonst durch umständliche syntaktische Fügungen formuliert werden müssten. Es herrscht also die Tendenz zur Verdichtung und zu geringem Aufwand. Die zusammengebildeten Adjektive haben die Aufgabe, wie die anderen Adjektive, Wesen, Vorgänge oder Dinge zu charakterisieren. Sie stehen hauptsächlich als Attribut vor einem Substantiv. In das Untersuchungsmaterial werden nur attributiv verwendbare Konstruktionen aufgenommen. In der nun folgenden Betrachtung sollen solche Bildungsweisen herausgegriffen werden, die in der Gegenwartssprache gebräuchlich sind. In Abhängigkeit von der jeweiligen Wortklasse beider Konstituenten ergeben sich unterschiedliche Strukturmodelle. Der geläufigste und wichtigste Typ im Deutschen und Dänischen ist:

/KAdj + KSubst/ + Suff -ig, -lich, -isch / -ig, -(e)t ← NP /Attr + Subst/

Auf diesen Typ entfällt über die Hälfte aller geläufigen adjektivischen ZBen. Hier lassen sich alle ZBen mit einem Adjektiv als erster Konstituente zusammenfassen. Die Untersuchung dieses Typs wirft einige Probleme auf, die nicht übergangen werden dürfen. In der ZB fungiert das Adjektiv als Bestimmungswort und charakterisiert das Besondere, das dem Genannten eigen ist. Dabei wirkt am meisten das Suffix -ig bzw. -(e)t, vgl.:

dt. dunkeläugig ( dunkle Augen), breitnasig, hochgradig, -prozentig, langarmig, schwarzlockig;

dän. barbenet (←bare ben), højhalset, -hælet, lang-, nærsynet, rødhovedet, -kindet, stivrygget, -næset, -linjet.

Man kann die oben genannten Beispiele nicht als nominale Komposita auffassen, weil die zweite Einheit dieser Bildungen kein übliches Wort ist (in der hier vorliegenden Bedeutung), vgl.:

dt. *äugig, *nasig, *gradig, *prozentig, *armig, *lockig;

dän. *benet, *halset, *hælet, *synet, *hovedet, *kindet, *rygget, *næset, *linjet. ← 203 | 204 →

Es gibt adjektivische ZBen, in denen die zweite Konstituente auch als frei vorkommendes Wort auftreten kann – dann aber als eine andere lexikalisch-semantische Variante, vgl.:

dt. ein langbärtiger Mann – ein bärtiger Jüngling,

eine dunkelhaarige Frau – haarige Beine; (ugs.) eine haarige Angelegenheit,

ein hellhäutiger Afrikaner – die häutigen Flügel von Bienen;

dän. koldblodigt mord, en koldblodig morder – et blodigt slag, (give én) blodig uret,

todelt takt, en todelt badedragt – delte meninger,

tosproglig korrespondent – et sprogligt spørgsmål, gymnasiets sproglige linje.

Die Mehrheit der ZBen dieses Typs lässt sich im Deutschen und Dänischen auf folgenden Kernsatz zurückführen:

NP0 + haben / have + NP1 /Attr + Subst/.

Die ZBen dieses Typs gehen meistens von einer Redensart aus. Bei gutherzig bzw. godhjertet kann man nicht von den Konstituenten gut + Herz bzw. god + hjerte ausgehen, sondern von (gutes Herz) + -ig bzw. (godt hjerte) + -t. Diese Bildungen weisen auf ‚jemanden, der ein gutes Herz hat‘ bzw. ‚nogen, som har et godt hjerte‘ hin. Auch andere ZBen lassen sich mit Hilfe von ‚have‘ transformieren, vgl.:

dt. jmd. ist gutwillig (←jmd. hat guten Willen), etw. ist grobkörnig (←etw. hat grobe Körner);

dän. nogen er lyshåret (←nogen har lyst hår).

Die Übertragung in einen haben-Satz bzw. have-Satz ist aber in einigen Fällen unmöglich, z.B. wenn eine Körperteilbezeichnung der inneren Charakteristik dient und nicht im eigentlichen Sinne verwendet wird. Solche zusammengebildeten Adjektive „sind lexikalisiert und in gewissem Umfang idiomatisiert“ (EICHINGER 2000: 158). Sie charakterisieren einen Menschen nach Merkmalen, die man an ihm beobachtet, vgl.:

dt. flinkzüngig ‚schlagfertig‘, hartnäckig ‚unnachgiebig, beharrlich, langwierig‘; hochnäsig ugs. abwertend ‚eingebildet‘, vollmundig ‚übertrieben selbstbewusst‘;

dän. hårdhudet ‚dickhäutig, dickfellig‘, hårdnakket ‚hartnäckig, beharrlich‘.

An vielen ZBen dieses Typs sind Farbbezeichnungen beteiligt. Als etwas besonders Charakteristisches wird u.a. die Augen- und Haarfarbe determiniert, vgl.:

dt. schwarzäugig, blondlockig, rot-, weiß-, schwarzhaarig;

dän. grå-, rød-, sortøjet, mørk-, sorthåret.

In den übrigen Fällen überwiegen adjektivische Maß- und Zustandsbezeichnungen mit Neigung zu antonymischen Paaren, vgl.:

dt. kurzärm(e)liglangärm(e)lig, kurzhalsig – langhalsig;

dän. kortærmet – langærmet, kortbenet – langbenet, korthåret – langhåret, småblomstretstorblomstret. ← 204 | 205 →

Dadurch ist es möglich, dass Reihenbildungen entstehen. Die Konstituenten in den adjektivischen ZBen sind also substituierbar, d.h. beide Glieder lassen sich begrenzt frei ersetzen. Als erste Konstituente treten meistens folgende Adjektive auf:

dt. groß, klein, lang, kurz, schwer, breit, schwach;

dän. bred, høj, hård, kort, lang, lav. små, stor.

Sehr verbreitet sind Bildungen mit den unten genannten zweiten Konstituenten. Viele von ihnen bestimmen Körperteile des Menschen näher:

dt. -armig: kurzarmig, -ärm(e)lig: langärm(e)lig, -äugig: blauäugig, -bauchig: dickbauchig, -beinig: kurzbeinig, -brüstig: flachbrüstig, -haarig: hellhaarig, -halsig: kurzhalsig, -häutig: dünnhäutig, -herzig: hartherzig, -lippig: schmallippig, -nasig: rotnasig, -ohrig: langohrig, -schult(e)rig: breitschult(e)rig, -züngig: glattzüngig;

dän. -armet: kortarmet, -benet: kortbenet, -brystet: fladbrystet, -halset: langhalset, -hovedet: rødhovedet, -hudet: tyndhudet, -hjertet: hårdhjertet, -håret: langhåret, -mavet: tykmavet, -næset: rødnæset, -skuldret: bredskuldret, -skægget: langskægget, -tunget: skarptunget, -ærmet: langærmet, -øjet: brunøjet, -øret: langøret.

Als Teilbezeichnungen von Pflanzen erscheinen u.a. folgende ZBen:

dt. hochstämmig, langstäng(e)elig, -stielig;

dän. fin-, forskellig-, smalbladet, langstilket, storblomstret.

Die Bildungen mit dt. beid-, gleich- und dän. egen-, enkelt-, ens-, fler-, lige-, mange- zeigen eine größere Mannigfaltigkeit der Kombinationsmöglichkeiten, vgl.

dt. beid-: beidarmig, -äugig, -beinig, -füßig, -händig, aber: beid(er)seitig (vgl. beiderseits);

gleich-: gleichalt(e)rig, -armig, -namig, -rangig, -seitig, -wertig, -wink(e)lig;

dän. egen-: egenhændig, -rådig;

enkelt-: enkeltsidet, -sporet;

ens-: ensartet, -farvet, -formig;

fler-: flercifret, -farvet, -leddet, -sporet, -sproget, -stemmig, -årig;

lige-: ligearmet, -benet, -sidet, -sindet, -vinklet;

mange-: mangearmet, -hovedet, -linjet, -stemmig, -årig, aber: mang-: mangfoldig.

/KPron + KSubst/ + Suff -ig / -ig, ← NP /Attr + Subst/

Es handelt sich bei diesem Typ hauptsächlich um Indefinitpronomina (dt. all- und viel- sowie dän. al-) als erste Konstituente, die adjektivisch als Attribut gebraucht werden können, vgl.

dt. all-: allseitig;

viel-: vieläugig, -bändig, -beinig, -jährig, -seitig, -sprachig, -teilig;

dän. al-: alsidig, hin-: hinsidig, selv-: selvrådig.

Kombinationen mit Demonstrativ- und Possessivpronomina sind nicht so zahlreich, vgl. ← 205 | 206 →

dt. diesjährig, -seitig (vgl. diesseits), jedesmalig, jenseitig (vgl. jenseits);

dän. dennesidig (veraltet).

dt. /KAdv + KSubst/ + Suff -ig ← NP /Attr + Subst/

Unter diesem Strukturtyp lassen sich die deutschen ZBen mit einem Adverb als erster Konstituente zusammenfassen, z.B.

anders-: andersartig, -sprachig;

mehr-: mehrarmig, -bändig, -glied(e)rig, -malig, -mastig, -sprachig, -stellig, -stöckig, -stufig, -tägig, -zeilig, -zellig;

minder-: minderjährig, -wertig;

oft-: oftmalig (vgl. oftmals).

/KNum + KSubst/ + Suff -ig / -ig, -lig, -(e)t ← NP /Attr + Subst/

Das Numerale ist als ein Adjektiv der Menge auffassbar. Von den Numeralien erscheinen in diesem Strukturtyp vorwiegend die Kardinalzahlen unter ‚zehn‘ bzw. ‚ti‘ als erste Konstituente. Sie treten in ganz unterschiedlicher Einbindung auf, manchmal zählend, z.B. zehnjährig. Für diesen Typ sind Reihenbildungen charakteristisch, vgl.

dt. ein-: einachsig, -armig, -jährig, -phasig, -spurig, -teilig, -wöchig, -zeilig;

zwei-: zweibändig, -beinig, -gleisig, -händig, -motorig, -seitig, -spaltig, -teilig;

zweit-: zweitklassig, -rangig;

drei-: dreijährig, -räd(e)rig, -stöckig, -stündig;

vier-: vierbeinig, -eckig, -händig, -seitig;

dän. en-: enakslet, -armet, -cellet, -faset, -motoret, -skinnet, -sporet, -øjet, -øret;

en-/et-: en-/etbenet, en-/etcifret, en-/ethjulet, en-/etsproget, en-/etårig;

to-: tobenet, -delt, -hændig, -motoret, -sidet/-sidig, -spaltet, -årig;

tve-: tvekønnet, -tunget, -tydig, -ægget;

tre-: trecifret, -fløjet, -grenet, -leddet, -skibet, -stemmig, -strænget, -tået, -tårnet;

fir-: firbenet, aber: fir(e)-: fir(e)cifret, -farvet, -hjulet, -hændig, -sporet, -stjernet.

Die Liste der Belege ließe sich nach Belieben ergänzen, erwähnt seien hier noch die folgenden ZBen:

dt. sechsachsig, achtklassig, dreißig-, tausendjährig, hundertprozentig;

dän. sekscifret, -fodet, atten-, hundred-, tusindårig.

Wirkt die zweite Konstituente reihenbildend, so erscheint in ihr auch dann die Pluralform des zugrunde liegenden Substantivs, wenn die Wortgruppe das Substantiv im Singular enthält, vgl.:

dt. dreibändig (←drei Bände), aber: einbändig (←ein Band);

dän. fir(e)hændig (←fire hænder), aber: enhændig (←en hånd).

Die deutsche ZB zweisprachig ist von der Wortfügung ‚zwei Sprachen‘ und die dänische tosproget von ‚to sprog‘ entstanden. Der zweite Bestandteil *sprachig ← 206 | 207 → existiert nicht allein, während das Wort sproget in der Bedeutung ‚die Sprache‘ auftreten kann, wobei -et als ein bestimmter Artikel fungiert.

Einige Entsprechungen der deutschen ZBen mit Kardinalzahlen weisen doppelte Formen im Dänischen auf, indem sie auf -ig, -(e)t oder auf die Genitivendung -s ausgehen, aber die Wörter mit -s werden zu den Zusammensetzungen gerechnet, vgl.:

dt. einmotorig – dän. enmotoret / enmotors, dt. einseitig – dän. ensidig / ensidet, dt. zweitürig – dän. todørs, dt. dreitägig – dän. tredages, dt. dreijährig – dän. treårig / treårs.

Andere dänische Beispiele: fir(e)etage(r)s, -personers, -værelse(r)s, tomotorers, trefags, -rums, -trins, -vejs.

Mit Ordinalzahlen ergeben sich im Deutschen solche ZBen, wie: erstklassig, -rangig, -stellig, zweitklassig, -rangig, drittklassig, -rangig. Das Dänische verfügt über Entsprechungen für diesen Typ, vgl. førsteklasses, -rangs, -hånds, andenklasses, -rangs, -hånds usw., die auf die Genitivendung -s ausgehen.

Bei der Gegenüberstellung bemerkt man nicht nur Übereinstimmungen in der Struktur, sondern auch Unterschiede, die in den oben aufgeführten Belegen darauf beruhen, dass man -ig im Deutschen als ein Suffix, dagegen -s im Dänischen als eine Genitivendung betrachtet. So werden die dänischen Belege zu den Zusammensetzungen gerechnet.

/KPräp + KSubst/ + Suff -ig, -lich, -isch / -(i)sk ← NPxp

Hierzu rechnet man solche ZBen, die von Präpositionalphrasen ausgehen, aber sie sind nur spärlich belegt. Wenn man sich dabei der Transformationsanalyse bedient, so lassen sich die Bildungsweise und der Bedeutungsgehalt der Bildungen erschließen, vgl.:

dt. vorfristig (←vor /Ablauf/ der Frist), untermeerisch, -chlorig, -seeisch, vorsintflutlich (←vor der Sintflut), außertourlich (österr.);

dän. inden-, udenlandsk, inden-, udenrigsk, under-, oversøisk.

5. Suffixe in adjektivischen Zusammenbildungen

Bei diesen Bildungen werden die Suffixe -ig, -lich, -isch im Deutschen und -(e)t, -ig, -lig, -(i)sk im Dänischen gebraucht. Die Suffigierung wird manchmal durch den Vokalwechsel (Umlaut) begleitet, der vom Suffix -ig im Deutschen bzw. im Dänischen hervorgerufen wird. Den Umlaut des Stammvokals weisen ZBen auf, die auf eine substantivische Basis zurückgeführt werden können, vgl.: ← 207 | 208 →

dt. braunäugig /(← braune Augen) + -ig/, doppelzüngig, dunkelhäutig, eigenmächtig, fremdstämmig, graubärtig, linkshändig, mehrjährig, -wöchig, rundköpfig, scharf-, spitzzüngig;

dän. enhændig (←en hånd) + -ig/.

Es gibt aber sowohl im Deutschen als auch im Dänischen auch Fälle, in denen die zweite Konstituente einmal in der Stammform und ein andermal mit Umlaut (a:ä) bzw. (å:æ) erscheint, vgl.

dt. spitznasig – hochnäsig, großschnauzig – großschnäuzig, kaltschnäuzig;

dän. kejt-, venstrehåndet – en-, egenhændig (vgl. på egen hånd), hård-, tomhændet.

Wenige deutsche zusammengebildete Adjektive mit der gleichen ersten Konstituente weisen Konkurrenzformen mit Umlaut in der zweiten Konstituente auf:

1)ohne markierte Bedeutungsdifferenzierung, vgl. rotbackig / rotbäckig;

2)mit markierter Bedeutungsdifferenzierung, vgl. (eine) dickbauchig(e) (Flasche) – (eine) dickbäuchig(e) (Person).

In größerem Ausmaß finden sich solche Fälle im Dänischen, in denen die zweite Konstituente das eine Mal mit dem Suffix -ig bzw. -lig und das andere Mal mit -(e)t vorkommt. Es gibt Fälle im Dänischen, wo die Genitivendung -s verwendet werden kann:

1)ohne Bedeutungsunterschied, vgl.:

en enårig plante, et etårigt barn – en etårig / etårs dreng / kontrakt;

en toårig plante – en toårig / toårs dreng / kontrakt, parrets toårs bryllupsdag;

et tiårigt (udviklings)program – hans tiårs fødselsdag; et tiårs barn;

en dobbeltsidig / dobbeltsidet aftale / beslutning / kopiering / politik / polemik;

en ensidig garanti / eksport / kritik / uddannelse / lungebetændelse / åbning, den ensidige propaganda; ensidigt arbejde; et ensidigt stop – ensidet aftale;

en tosidig aftale / handelstraktat / løsning – en tosidet aftale / lungebetændelse; tosidet angreb; et tosidet samarbejde / formål;

en flersidig virksomhed, et flersidigt samarbejde, flersidigt skovbrug – en flersidet brochure;

en mangesidig begavelse / uddannelse; et mangesidigt forhold / syn / repertoire – mangesidig / mangesidet industri, et mangesidigt / mangesidet forhold – en mangesidet indsats / kampagne / udvikling, et mangesidet problem / talent;

en koldblodig morder / bankrøver, et koldblodigt / koldblodet (selten) dyr, aber: koldblodigt mord;

en varmblodig kvinde / koncert / kærlighed – en varmblodet sangerinde / vært / sydlænding; et varmblodet dyr, aber: hun er varmblodet;

en åbenhjertig diskussion / samtale / mand; et åbenhjertigt interview;

2)mit Bedeutungsunterschied, vgl.

ensproglig korrespondent – en etsproget uddannelse, et etsproget barn;

tosproglig medarbejder – en tosproget lærer / elev / undervisning. ← 208 | 209 →

Zuweilen stehen im Deutschen Zeitangaben auf -ig und -lich, die eine semantische Differenzierung anzeigen. Es handelt sich hier um Adjektive von Numeralien und Substantiven. Zusammenbildungen auf -ig bezeichnen eine Zeitdauer, und Zusammensetzungen auf -lich fassen die Zeit als Termin einer ständigen Wiederkehr auf, vgl.:

zweistündig ‚zwei Stunden lang / dauernd‘ – zweistündlich ‚alle zwei Stunden‘;

zweitägig ‚zwei Tage dauernd‘ – zweitäglich ‚alle zwei Tage‘.

Für diesen Typ ist Reihenbildung charakteristisch. Das gleiche gilt auch für Bildungen mit den folgenden zweiten Konstituenten: -wöchig – -wöchentlich, -monatig – -monatlich, -jährig-jährlich u.a.

5.1 Suffixe: dt. -ig – dän. -ig, -(e)t

Diese Suffixe gehören zu den gebräuchlichsten Adjektivsuffixen der deutschen bzw. dänischen Gegenwartssprache. Sie dienen auch zur Bildung der adjektivischen ZBen, deren Basis vor allem nominale Wortgruppen sind, vgl.:

dt. breitrandig (← breiter Rand), -beinig, langfristig, rotwangig,

dän. kortbenet (←korte ben), lige-, lavbenet, langhalset, -næset.

Endet die im Deutschen bzw. Dänischen als Basis verwendete substantivische Wortverbindung (die erste und/oder die zweite Konstituente) auf -e, -en bzw. -e, -er, so fällt dieser Auslaut in der ZB (mit -ig bzw. -t) vor -ig bzw. -t aus, vgl.:

dt. blauäugig (←blaue Augen), dickdrüsig (←dicke Drüsen), einseitig (←eine Seite), langnasig (←lange Nase); vielsilbig (←viele Silben);

dän. ensidig (←en side), enstemmig (←en stemme), flersidig (←flere sider), flercifret (←flere cifre), kortarmet (←korte arme), langbladet (←lange blade).

Endet die erste Konstituente einer nominalen Wortgruppe auf -t im Dänischen, wenn das Substantiv Neutrum ist, dann kommt es zum Fortfall des auslautenden -t in der ZB, z.B. langhåret (←langt hår), lyshudet (←lyst hud).

Wenn die nominale Wortgruppe im Deutschen bzw. Dänischen auf -el bzw. -er (im Singular oder Plural) ausgeht, dann bewahrt sie das -e-, oder es fällt in der ZB auf -ig (im Deutschen) bzw. -et (im Dänischen) aus, vgl.:

dt. dreifenstrig (←drei Fenster), gleichschenk(e)lig (←gleiche Schenkel), kurzfing(e)rig, langschnäb(e)lig, linksufrig, stumpfwink(e)lig, zweiglied(e)rig;

dän. enakslet (←en aksel), encylindret (←en cylinder), retvinklet (←ret vinkel), småblomstret (←små blomster).

In manchen Fällen kommt es im Dänischen zur Reduzierung des Doppelkonsonanten und zugleich zum Ausfall von -e- in der zweiten Konstituente, z.B. enpuklet (←en pukkel). ← 209 | 210 →

Die Suffigierung wird manchmal vom Weglassen des Umlauts (ø:o) und der Reduzierung des doppelten -d in der zweiten Konstituente begleitet, z.B. dän. barfodet (←bare fødder).

Die adjektivischen ZBen allseitig, ganztägig bzw. alsidig sind aus den Wortverbindungen alle Seiten, den ganzen Tag (lang) bzw. alle sider entstanden, in denen grammatische Formative verloren gegangen sind. Das gleiche gilt auch für solche Belege, wie: dt. mehrmonatig (←mehrere Monate), -spurig, spitzohrig (←/mit/ spitzen Ohren); dän. sortøjet (←sorte øjne).

Der Auslaut des zweiten Basismorphems wird im Dänischen manchmal verdoppelt, z.B.: enægget (←et æg / en æg), fuldtallig (←fuldt tal), højrygget (←høj ryg), langnæbbet (←langt næb), langskægget (←langt skæg), tokønnet (←to køn), toleddet (←to led), tykskallet (←tyk skal), tyndvægget (←tynd væg).

5.2 Suffixe: dt. -lich – dän. -lig

Das Suffix -lich bzw. -lig ist nicht so produktiv im Deutschen bzw. im Dänischen wie -ig bzw. -(e)t. Von den Konstruktionen mit -lich bzw. -lig rechnet man diejenigen hierher, die als ZBen von substantivischen oder verbalen Wortgruppen aufgefasst werden können, vgl.:

dt. alttestamentlich (←/das/ Alte Testament), neutestamentlich;

dän. gammeltestamentlig (←/Det/ Gamle Testamente), nytestamentlig.

Das Suffix -lich verbindet sich manchmal mit einer Basis, die aus einer Präpositionalphrase besteht, z.B. dt. vorsintflutlich (←vor der Sintflut).

5.3 Suffixe: dt. -isch – dän. -(i)sk

Das Suffix -isch bzw. -(i)sk ist wenig produktiv bei der Bildung der deutschen und dänischen Adjektive, und bei den adjektivischen ZBen spielt es keine große Rolle. Im Deutschen treten nominale Wortgruppen als Basis auf, z.B. fremdländisch (←fremdes Land) /mit Umlaut a:ä/. In manchen Fällen wurde das Suffix -isch zu -erisch erweitert, z.B. halsbrecherisch, rechthaberisch.

Es gibt nur eine kleine Anzahl von ZBen mit einer Präpositionalphrase als Basis im Deutschen und Dänischen, die auf -isch bzw. -(i)sk ausgehen, vgl.:

dt. untermeerisch (←unter dem Meer), unterseeisch;

dän. underjordisk (←under jorden), overjordisk. ← 210 | 211 →

6. Schlussfolgerungen

1) Die Zahl der adjektivischen ZBen sowohl im Deutschen als auch im Dänischen zeugt von dem Streben nach präziser und zugleich anschaulicher Ausdrucksweise in der Gegenwartssprache. Der Grund für große Produktivität ist in der Sprachökonomie zu suchen. Es entstehen immer neue ZBen, die den angeführten Strukturtypen nachgebildet werden.

2) Als erste Konstituente fungieren hauptsächlich unflektierte und fast ausschließlich endungslose Konstruktionen, z.B. dt. kurzarmig, dän. kortarmet.

3) Unter den adjektivischen ZBen unterscheidet man solche Bildungen, die motiviert, vgl. dt. schwarzäugig, dreimastig, dän. sortøjet, tremastet, oder idiomatisiert, vgl. hartnäckig, dän. hårdhændet, sind.

4) Eine Gruppe von adjektivischen ZBen sind als okkasionelle Bildungen zu betrachten, wodurch man stilistische Effekte erreichen kann, z.B. dt. deutschblütig.

5) Die beiden Bestandteile der Basis stehen in syntaktischer Beziehung zueinander, die in der Tiefenstruktur zur Erscheinung kommt. Es handelt sich dabei hauptsächlich um ein attributives Verhältnis, vgl. dt. braunäugig (←braune Augen) – dän. brunøjet (←brune øjne).

6) Nicht alle adjektivischen ZBen lassen sich als semantisch äquivalente Wortverbindungen auffassen, z.B. dt. grobschlächtig (abwert.), hartnäckig; dän. hårdhudet, -nakket.

7) Bei den zusammengebildeten Adjektiven rangieren die Bildungen mit dem Suffix -ig im Deutschen und -(e)t im Dänischen an erster Stelle.

8) Nicht alle adjektivischen Strukturtypen sind für den Sprachbenutzer gleichermaßen wichtig. Von großer Bedeutung sind vor allem diejenigen, die man z. Zt. in nennenswertem Maße als produktiv auffasst.

9) Es zeigt sich die Tendenz zur Analogie. Dadurch ist es möglich, dass Reihenbildungen entstehen. Die Konstituenten in den adjektivischen ZBen sind also substituierbar, d.h. beide Glieder lassen sich begrenzt frei ersetzen. Als erste Konstituente treten meistens folgende Adjektive auf: dt. groß, klein, lang, kurz, schwer, breit, schwach; dän. bred, høj, hård, kort, lang, lav. små, stor.

10) Die Liste der möglichen zusammengebildeten Adjektive lässt sich nach Belieben ergänzen, so dass diese Analyse nicht als abgeschlossen betrachtet werden kann.

11) Trotz der Ähnlichkeit der adjektivischen ZBen im Deutschen und Dänischen (oft kann man strukturanaloge und wörtliche Übereinstimmungen verzeichnen) kann man auch im Einzelnen deutliche Unterschiede feststellen (abgesehen von ← 211 | 212 → der Produktivität), wobei sich sowohl die Struktur als auch die Semantik in Betracht ziehen lässt. Manche deutsche ZBen haben keine morphologischen Gegenstücke im Dänischen. Die semantischen Entsprechungen im Dänischen können nicht mit Hilfe von ZBen ausgedrückt werden.



Verzeichnis der gebrauchten Abkürzungen und Symbole

Adv – Adverb, Adverbial

Attr – Attribut

K – Konstruktion

NP – Nominalphrase

NPxp – Präpositionalphrase

NP0 – Nominalphrase im Nominativ

NP1 – Nominalphrase im Akkusativ

Num – Numerale

Präp – Präposition

Pron – Pronomen

Subst – Substantiv

Suff – Suffix

VP – Verbalphrase

ZB/en/ – Zusammenbildung/en/

Ø – Nullmorphem, Nullelement

← / : – ableitbar von

– wird zu

= – ist gleich, ist äquivalent

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