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Kanon und Literaturgeschichte

Facetten einer Diskussion

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Edited By Ina Karg and Barbara Jessen

Kanonbildung ist mit Literaturgeschichtsschreibung und der Auswahlproblematik eng verbunden. Stets muss über die Aufnahme oder den Verzicht auf Werke und Autoren eine Sinn- und Bedeutungszumessung im Kommunikationsfeld Literatur vorgenommen werden. Dieser Aufgabe stellte sich die Sektion 11 des Germanistentages 2013 in Kiel. Die hier versammelten Tagungsbeiträge lassen sich folgenden Themenfeldern zuordnen: Zunächst wird Grundsätzliches zur Kanontheorie und Kanonbildung besprochen. Anschließend finden Orte der Vermittlung Erwähnung: Dichterhäuser, Literaturmuseen, Universitäten, Schulen, Theater. Schließlich beschäftigen sich die Beiträge mit übersehenen Epochen und Literaturen: Kinder- und Jugendliteratur, Mittelhochdeutsche Literatur, Drittes Reich, DDR-Literaturgeschichte, Theaterlandschaft um 1800, Interkulturelle Literatur und vergessene Autor(inn)en.
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Es war nicht immer Kotzebue. Eine Revision der Kanonisierung des populären Theaterstücks um

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← 258 | 259 →Anja Schonlau

Das Dreigestirn ‚Schröder-Iffland-Kotzebue‘ dominiert Auseinandersetzungen mit dem populären Drama in der deutschen Literaturgeschichtsschreibung und der Literaturwissenschaft. Dabei stellen August Wilhelm Ifflands und August von Kotzebues bekannteste Stücke mittlerweile „so etwas wie einen Kanon der Unterhaltungsliteratur“ dar, wie Birgfeld und Conter konstatieren.1 Insbesondere der vielgeschmähte Kotzebue fungiert mit seiner immensen Produktion von rund 230 Dramen als Gewährsmann für das populäre Drama um 1800.2 Ein Blick in die zeitgenössischen Spielpläne zeigt jedoch, dass die größten Publikumserfolge nicht immer von den berüchtigten Vielschreibern stammen. Johann Rautenstrauchs Komödie Der Jurist und der Bauer (1773) ist beispielsweise mit 40 Aufführungen das meistgespielte Stück am Mannheimer Nationaltheater von 1777 bis 1802.3 Damit ist der Zweiakter auch der größte Langzeiterfolg des Theaters. Sein Titel – ganz abgesehen vom Inhalt des Stücks – ist gegenwärtig allenfalls noch den Spezialisten bekannt. Im Folgenden wird erläutert, wie und warum Schröders, Ifflands und Kotzebues Theaterstücke den Weg in die Literaturgeschichten und wissenschaftlichen Arbeiten über das populäre Drama als große Publikumserfolge finden, während andere Erfolgsstücke nicht in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Dazu wurden insgesamt die Spielpläne der großen deutschsprachigen Hof- und Nationaltheater von Berlin, Wien, Mannheim und Weimar von 1770 bis 1815 ausgewertet, wobei sich die vorliegende ← 259 | 260 →Untersuchung auf den Aufführungszeitraum von 1790 bis 1805 konzentriert.4 Zunächst ist (I.) der Kanonisierungsprozess des populären Dramas um 1800...

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