Show Less
Restricted access

Blattdolmetschen in paradigmatischer Perspektive der anthropozentrischen Translatorik

Series:

Jerzy Zmudzki

Der Autor identifiziert das Blattdolmetschen als eine autonome Translationsart, die er typologisch zuordnet. Seine Untersuchungen vollziehen sich im Paradigma der anthropozentrischen Translatorik von F. Grucza und S. Grucza. Sie stützen sich auf originelles Textmaterial, also auf Aufzeichnungen von authentischen Verdolmetschungen. Hierbei wird die Methode der Autodeskription von mentalen Prozessen während des Blattdolmetschens und der Sprechsynthesizer angewandt. Jerzy Żmudzki kommt zu einer konträren Differenzierung des Blattdolmetschens gegenüber den bisherigen Zuordnungen und Definitionen u. a. als (Stegreif-)Übersetzen. Einer wesenhaften Kennzeichnung werden im Buch auch das Controllingsystem und seine Funktionsweise im Blattdolmetschprozess unterzogen.
Show Summary Details
Restricted access

11. Zum Wesen des Transfers im Blattdolmetschprozess

Extract



Für eine vollständige Charakteristik des Operationskomplexes im Rahmen des Blattdolmetschprozesses sei zunächst der fundamentale Begriff bzw. die fundamentale Kategorie der Translation definiert, mit dem der wichtigste Translationsmechanismus einer jeden Translation gekennzeichnet wird. In vielen meiner früheren Arbeiten (vgl. J. Żmudzki 1998: 50-56; 2004: 353-363; 2010a: 180-182; 2010b: 264) wurde der Transfer wie folgt definiert: es ist ein strategisch-kognitiver Verarbeitungsmodus, der die zunächst von dem AS-Texter „vorgedachten“, dann die sprachlich-schriftlich geäußerten (signalisierten) und vom Dolmetscher rezipierten Konzeptualisierungen in der semiotischen Ganzheit des AS-Textes betrifft und umfasst. Diese transfermäßige Verarbeitung beruht zumindest auf codespezifischen, d.h. interlingual-interkulturellen Umwandlungen, Umgestaltungen und gleichzeitigen, translationsstrategisch bedingten Umprofilierungen der durch den rezipierenden Translator rekonstruierten Konzeptualisierungen im Rahmen der AS-Textganzheit und vollzieht sich in der kognitiv-mentalen Sphäre des Dolmetschers.

Unter blattdolmetschspezifischem Transfer dagegen verstehe ich also eine mental-kognitive, durch den Dolmetscher vorgenommene projektive Überführung der zunächst von dem AS-Texter gedachten, dann sprachlich-schriftlich geäußerten, d.h. signalisierten und vom Dolmetscher rezipierten konzeptuellen Inhalte des AS-Textes als Textganzheiten, die alle im Blattdolmetschgefüge als Kommunikationsgefüge im strategisch determiniertem Umfang aktualisiert werden. Die besagte projektive Überführung und Umwandlung(-en) beruhen zumindest auf codespezifischen, d.h. interlingual-interkulturellen Umwandlungen, Umgestaltungen und gleichzeitigen Umprofilierungen des durch den Translator rezipierten und so kognitiv verarbeiteten AS-Textes und vollziehen sich fernerhin im rezeptiv-evokativen Sinne in der kognitiv-mentalen Sphäre der ZS-Partizipanten dieser Art von Interaktion. Der so verstandene Transfer hat seine wesentliche Genese in der Spezifik der Konstituenten der Translationssituation...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.