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Publizistik und Politisierung der Frauenbewegung in der wilhelminischen Epoche

Die Zeitschrift «Die Frau» (1893–1914) – Diskurs und Rhetorik

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Christina Stange-Fayos

Mittelpunkt dieser sprachwissenschaftlich fokussierten Studie ist die von Helene Lange in Berlin begründete und über Jahrzehnte herausgegebene Monatsschrift Die Frau. Sie war das bedeutendste Sprachrohr der Gemäßigten in der bürgerlichen Frauenbewegung. Die Medienanalyse macht sich die Methoden der kritischen und historischen Diskursanalyse zu eigen, indem sie verfeinernd deren operatives Instrumentarium nutzt. Die vielfältigen diskursiven Verschränkungen werden dabei sichtbar, ebenso wie die Konflikte mit den anderen Fraktionen der Frauenbewegung und den in erster Linie männlichen Gegnern der Emanzipation. Trotz ihrer moderat dargebotenen Überzeugungsarbeit war Die Frau ein Kampfblatt, das die Interessen eines Großteils der bürgerlichen Frauenbewegung vertrat. Sie intendierte Revolution, allerdings im Gewand der Reform, welches sie gesellschaftsfähig und effizient machte. Die von Helene Lange vorgegebene Strategie, zwar zielstrebig und konsequent, aber langsam und bedacht vorzugehen, erwies sich langfristig als erfolgreich.
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2.5 Integrationsstrategien in der FRAU: familiale Kategorien und relationale Argumentation

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In der Zunahme der Frauenerwerbsarbeit sahen die Zeitgenossen, z.B. Lilly Braun, zugleich die Abnahme der mütterlichen Kräfte. Lady Aberdeen zufolge sollte die Frauenbewegung die Mütterlichkeit besonders achten, da die „Mütterlichkeit immer noch der eigentliche Mittelpunkt des Einflusses der Frau im sozialen Leben“ ist.611 Für Helene Lange blieb die wichtigste sozialpolitische Aufgabe, „durch einen den Verhältnissen vorsichtig angepassten Arbeiterinnenschutz, die Frau aus der ungeheuren Tretmühle der Industrie für ihren Mutterberuf zurück zu gewinnen.“612 Eine durchaus negative Beschreibung der aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Zustände von Seiten der Herausgeberin der FRAU: „Sonst würde hier allmählich ein Stück weiblichen Einflusses verloren gehen, dass an keiner anderen Stelle zu ersetzen, auf keine andere Weise wieder einzubringen wäre“, fügt sie hinzu.613 Gertrud Bäumer hatte in einem Aufsatz über „Die psychischen Probleme der Gegenwart und die Frauenbewegung“ betont, die Frau habe eine erzieherische Aufgabe an der modernen Generation.614 Was u.a. Sittlichkeitsfragen betraf, versprach man sich viel von Erziehungsmaßnahmen der Mütter, die ihre Söhne zu einer respektvollen Haltung gegenüber Frauen vorbereiteten.615 Dies illustriert z.B. ein vierzehnseitiger Aufsatze über „Moderne Sittlichkeitsprobleme“ von Ika Freudenberg:

„Wie diese Frage der persönlichen Sittlichkeit von Seiten des Mannes zu lösen ist, das muss sie [die Frau] natürlich in der Hauptsache ihm überlassen. Aber eine Macht ist der Frau gegeben, die bei rechtem Gebrauche von bestimmendem Einfluss auch für sein Denken und Fühlen werden könnte...

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