Show Less
Restricted access

Liberale Europapolitik 1949–1989

Die Europapolitik der FDP zwischen 1949 und 1989- Mit einem Vorwort von Hans-Dietrich Genscher

Series:

Andreas Moring

Diese Arbeit untersucht die Europapolitik der Freien Demokratischen Partei zwischen dem Zeitpunkt der deutschen Teilung und dem Fall des Eisernen Vorhangs. Ziel ist es, die Traditionen liberaler Europapolitik und deren Anpassung an die sich wandelnden nationalen und internationalen Umstände aufzuzeigen und zu erklären. Welche Gruppen und Persönlichkeiten vertraten welche Interessen und Ziele? Wer setzte sich durch und warum? Was war an der Politik der FDP eigentlich liberal? Folgten die Liberalen in Deutschland einem bestimmten Leitbild der Integration? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Diese Arbeit ist die erste umfassende wissenschaftliche Darstellung und Analyse des Themenbereichs und vereint politikwissenschaftliche und historische Perspektiven, um ein profundes Verständnis liberaler Europapolitik im Kalten Krieg zu erreichen.
Show Summary Details
Restricted access

3. Europapläne und Europavorstellungen im politischen Liberalismus des 19. und 20. Jahrhunderts bis 1945

Extract



Der Tübinger Professor für Staatslehre und Nationalökonom Friedrich List kann als der erste bekannte liberale Politiker des 19. Jahrhunderts bezeichnet werden, der eine programmatische Grundlage für das legte, was heute „Europapolitik“ genannt wird. In seinen Ausführungen zu einem die Grenzen überwindenden Zollverein in Mitteleuropa prägte er das Denken ihm folgender Liberaler entscheidend mit. Für List galt es als sicher, dass eine Ausweitung und Befreiung des Handels in Mitteleuropa zu mehr gegenseitiger Abhängigkeit und Zusammenarbeit zwischen den Staaten bzw. Reichen führen würde. Hieraus müsse gewissermaßen automatisch ein inhärenter Zwang zur Schaffung von Regeln für diese Zusammenarbeit entstehen. Die Staaten, (Kon-)Föderationen und Reiche in (Mittel-)Europa wären also gezwungen, zum eigenen Wohle und damit dem Wohle aller Beteiligten, einen Katalog von für alle Beteiligten verbindlichen Vereinbarungen zu treffen.47 Am 20. April 1819 übergab Friedrich List der Frankfurter Bundesversammlung als Bevollmächtigter des Deutschen Handels- und Gewerbevereins eine Petition, die die Aufhebung der Binnenzölle im Deutschen Bund forderte.48 In den folgenden Jahren bis zu seinem Tod 1846 entwickelte und formulierte List seine Vorstellungen dahin gehend weiter, dass er eine „kräftige kommerzielle und politische Einheit“ der deutschen Staaten, Österreichs, Ungarns, der Schweiz, Hollands und Belgiens forderte. Diese Konföderation der mitteleuropäischen Staaten sollte in erster Linie ein strategisches und volkswirtschaftliches Gegengewicht zur dominanten Welt- und Industriemacht England bilden und für Frieden und Stabilität in den Kernstaatswesen Europas sorgen.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.