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Max Brods Frauenbilder

Im Kontext der Feminitätsdiskurse einiger anderer Prager deutscher Schriftsteller

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Agata Mirecka

Ein Blick auf die Forschungslage zeigt, dass Max Brod zur Gruppe von relativ unbekannten Schriftstellern gehört. Die Gründe dafür liegen in seinem Schattendasein neben Franz Kafka. Der Nachlass Max Brods befindet sich verstreut in verschiedenen Archiven, vor allem in Israel, Deutschland und Österreich. Sekundärliteratur, die aber vorrangig die Frauenfiguren und das Weibliche bei Max Brod darstellt, gibt es kaum. Diese Monographie setzt sich die Interpretation der Frauengestalten zum Ziel, wobei sie sich auf einige ausgewählte Romane und Erzählungen bezieht. Des Weiteren wird versucht, Brods Konzeption der Weiblichkeit ähnlichen Entwürfen anderer Prager deutschen Autoren wie Franz Kafka, Franz Werfel, Oskar Baum und Ludwig Winder gegenüberzustellen. Die Autorin präsentiert die Brodsche Sichtweise hinsichtlich des Weiblichen in der gesellschaftlich stürmischen Zeit von den Anfängen des 20. Jahrhunderts bis zum Tode des Autors.
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5. Typologie und Charakteristik der Frauengestalten in ausgewählten Werken Max Brods

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5.1.1. Schloss Nornepygge (1908)

In dem expressionistischen Roman Schloss Nornepygge schildert Max Brod das Leben seines Protagonisten Walder Nornepygge von dessen Jugend bis zum Tod. Er lebt nach dem Motto ´Quidquid fit, necessario fit´, was auch seine Lebensphilosophie ist. Der ganze Roman konzentriert sich auf ihn, es treten aber auch etliche Nebengestalten auf, die oftmals eine wichtige Funktion haben.

Den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit bilden Frauenfiguren, welche jedoch gerade in Schloss Nornepygge keine primäre Stellung einnehmen. Eine Ausnahme ist hierbei Charlotte, Walders Ehefrau. Lotte, die mit ihrer Mutter bei Walder zu Besuch ist, lehnt seinen Heiratsantrag zunächst ab und kehrt nach Stettin zurück. Eine Zeit lang lebt Walder wie ein Bauer, ohne Lotte vergessen zu können. Er fährt letztendlich zu ihr, heiratet sie und kehrt mit ihr in sein Schloss zurück, neben dem sie sich ein Bauernhaus errichten lassen.

Lotte scheint die ideale Ehefrau zu sein. Sie tut, was Walder will, und leistet keinen Widerstand. Walder fragt sich aber nicht, ob sie bei ihm glücklich ist, sondern ob er sein Glück bei ihr gefunden hat.134 Lotte ist stolz auf ihren Mann und das gemeinsame Haus, als junge Ehefrau freut sie sich, das Haus einrichten zu dürfen, und will alles in bester Ordnung halten. Sie verhält sich gemäß „den Aufzeichnungen des Haushaltungsbuches“135. Sie sind ein scheinbar perfektes Paar. Walder hilft seiner Frau bei der Hausarbeit und „versank in das Übermaß seines Gl...

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