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Gesammelte Werke

Schriften zur philosophischen Pädagogik Teil 1- Bildung – Begeisterung – Freiheit

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Tomasz Stepien

Im Gesamtwerk von Anton Hilckman nimmt die Konzeption der Sinnphilosophie mit der Frage nach dem Sinn von Freiheit, Bildung, Politik, Technik und Geschichte eine besondere Stelle ein. Im Mittelpunkt steht die Konzeption des Menschen als eines für die Freiheit begeisterten Wesens. Freiheit bedeutet aber auch moralische Verpflichtung, womit Hilckman auf die Bedeutung von Bildung bei der Verwirklichung des menschlichen Wesens – der Humanitas – verweist. Seine Sinnphilosophie erscheint als ein Manifest für Freiheit und Würde des Menschen. Zum Teil als Erstveröffentlichungen schließen die in diesem Band erstmalig zusammengestellten sinnphilosophischen Arbeiten Anton Hilckmans eine Forschungslücke in der Philosophie und den Geisteswissenschaften des 20. Jahrhunderts.
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Vom geistigen Pöbel

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Es gibt eine Schichte – „Schichte“ weniger im sozialen als im kultursoziologischen Sinne gemeint – auf deren Verständnis der, welcher geistige Werte schafft oder überhaupt geistig arbeitet, niemals rechnen darf. Diese Schichte ist im Deutschland der Nachkriegs- und Nachinflationszeit anscheinend sehr viel stärker vertreten als in dem der Vorkriegszeit, wiewohl jene Zeit gar die Epoche der katholischen Kommerzienräte war. Und zudem, wenn die katholischen Kommerzienräte schließlich auch noch solche Böotier sein mochten, so mussten sie doch irgendwie ihre Verbeugung vor geistigen Leistungen machen; denn das gehörte damals noch zum bon ton, zur Konvention. Heute gehört es schon nicht mehr dazu. Unsere Zeit, die angeblich die Zeit des Metanoeite nach dem wilhelminischen kommerzienrätlichen Äußerlichkeitsrausch sein will, wäre damit, wenigstens in einer Hinsicht, noch viel barbarischer und entgeistigter als die Vorkriegszeit; und diese traurige Feststellung könnte man keineswegs etwa bloß mit dieser einen Beobachtung belegen. Mit andern Worten: die geistige Verpöbelung ist stetig weiter fortgeschritten, und Krieg, „Metanoeite“ und Inflation haben diesen bedauerlichen Fortschritt durchaus nicht aufzuhalten vermocht.

Noch eine weitere Feststellung, die eigentlich noch trauriger ist: jene geistig indifferente Zwischenschichte, die aber als Trägerin und Vererberin wertvollster, gesunder Anlagen das Mark des Volkstums darstellte, und aus der sich die geistige Oberschichte immer wieder ergänzen konnte, ist sehr stark zusammengeschrumpft, wenn sie überhaupt noch existiert. Vor allem der Bauernstand mag zu recht elegischen Gedanken Anlass geben. Die Abwanderung in die industriellen Zentren lässt...

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