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Gesammelte Werke

Schriften zur philosophischen Pädagogik Teil 2- Christliche Philosophie

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Anton Hilckman

Edited by Tomasz Stepien

Inwiefern können wir von einer christlichen Philosophie und Bildung, Kultur und Politik sprechen? Diese grundlegende Frage bildet den eigentlichen Ausgangspunkt der philosophischen Reflexion von Anton Hilckman. Den Hintergrund der Auseinandersetzung um die Philosophie und das Christentum macht die geistige und politische Situation in Europa, insbesondere in Deutschland und Italien der Zwischenkriegszeit, aus. Hilckman zeichnet in seinen Schriften ein spannungsvolles Bild des damaligen philosophischen Diskurses, der zwischen der thomistischen Neuscholastik und dem Neuidealismus italienischer Prägung oszillierte und direkt Einfluss auf die gesellschaftlichen und politischen Ereignisse hatte und gleichzeitig die Aktualität für die gegenwärtigen Probleme der Gesellschaft und Kultur bewahrt.
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Um Grundprobleme religiöser Lebenshaltung. Betrachtungen über das Leid – Gespräch um Glaube, Zweifel und Unglaube

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Heute, gerade um diese Stunde, sind es genau zwanzig Jahre her, da ich von den Schergen der Tyrannen verhaftet wurde. Fünf lange Jahre war ich gefangen. Nie wusste ich, wann ich die Freiheit wiedersehen würde, ob ich sie jemals wiedersehen würde. Diese totale Ungewissheit, die das Gefangensein in den Kerkern der Totalstaaten grundlegend unterscheidet von dem Gefangensein in den Gefängnissen eines “normalen” Staates (das ja einem “normalen” d.h. loyalen Bürger “normalerweise” überhaupt nicht passiert), war mit das Furchtbarste an der ganzen Gefangenschaft. Und doch möchte ich heute, rückschauend, diese Zeit nicht missen, oder – vielleicht richtiger ausgedrückt – ich erkenne an, was jene Zeit des furchtbarsten Leides und der äußersten Not an seelischer Vertiefung, an geistigem Reifer- und Reicher-werden bedeutet, und ich möchte wenigstens dieses nicht missen. Ich denke nicht nur in Dankbarkeit an die Begegnungen mit so vielen feinen, tiefen und wertvollen Menschen, mochten sie nun der Klasse der Gebildeten oder dem einfachen Volke angehören, denen ich an den Stätten des Leides begegnet bin, wo ein Mensch dem anderen viel unmittelbarer, als es im “normalen” Leben der Fall ist, ins Innere der Seele hineinschaut; ich denke auch an jene einsamen und gemeinsamen Stunden der Sammlung, der Einkehr und der Besinnung, wie sie wohl auch nur dem Gefangenen beschert sind. In solchen Stunden nimmt der Geist unmittelbar seinen Weg auf das Wesentliche und Letzte. Vielleicht sind meine Reflexionen von damals, zu denen der Geist auch jetzt gelegentlich...

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