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Spengler ohne Ende

Ein Rezeptionsphänomen im internationalen Kontext

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Edited By Gilbert Merlio and Daniel Meyer

Im Hinblick auf seine Rezeption ist Oswald Spengler nicht nur ein deutsches oder gar ein europäisches, sondern auch geradezu ein Weltphänomen. Spenglers Werk dient vielen als Bezugsgröße für die Analyse der heutigen geistigen und politischen Situation in Europa und in der Welt. Die Beiträge dieses Bandes versuchen, verschiedene Aspekte dieser räumlich und zeitlich unbegrenzten Rezeption zu beleuchten. Sie hängt selbstverständlich von der Krisenhaftigkeit der Zeiten ab. Das in dieser vielseitigen Rezeption dominierende Motiv vom Untergang des Abendlands wird aber von den außereuropäischen Rezipienten nicht selten als Verheißung des Aufstiegs ihres eigenen Kulturkreises gedeutet. So zeigt sich nicht nur das kulturkritische, sondern auch das politische bzw. geopolitische Potential von Spenglers Werk.
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„Auf den Spuren Spenglers bei Cioran. Von der „tapferen Skepsis“ zum Ausstieg aus der Geschichte

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Gilbert Merlio

Auf den Spuren Spenglers bei Cioran

Von der „tapferen Skepsis“ zum Ausstieg aus der Geschichte

Anfang der zwanziger Jahre liest der übereifrige Leser Cioran als Gymnasiast in Sibiu (Hermannstadt) Lichtenberg, Schopenhauer, Nietzsche, Kierkegaard, Shakespeare, Dostojewski, Baudelaire. Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre studiert er in Bukarest und liest die deutschen Philosophen Kant, Fichte, Hegel, Stirner, und dann Simmel, Weininger, Husserl, Troeltsch, Heidegger und Spengler; er interessiert sich auch für den russischen Spiritualisten Lev Chestov und entdeckt den Vitalismus Bergsons. Als Humboldt-Stipendiat kommt er 1933 nach Berlin und dann nach München. In Deutschland wird er von Hitler und von der „nationalen Erhebung“ stark beeindruckt. 1936 schreibt er das nationalistische, faschistische, xenophobe und antisemitische Buch: Transfiguration Rumäniens1, in dem er Rumäniens historische Bedeutungslosigkeit anprangert und zum politischen und kulturellen Erwachen des Landes aufruft, und zwar dank der Errichtung einer faschistischen Diktatur. 1937 verleiht ihm das Institut culturel français de Bucarest ein Stipendium und er begibt sich nach Frankreich, um an einer nie ernsthaft in Angriff genommenen Dissertation über Bergson zu arbeiten. Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Bukarest (Herbst 1940-Februar 41) wird er ein paar Monate lang als Kulturattaché in Vichy tätig sein. Nach seiner Entlassung durch den conducător Antonescu lässt er sich endgültig in Frankreich nieder. 1947 fasst er den Entschluss, fortan nur noch auf Französisch zu schreiben und in Paris ein Leben als „homme de lettres“ zu...

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